BRANDENBURGS PISTEN : Ab auf die Piste

Schon zum Start wird der BER in Schönefeld zu klein sein. Darauf setzen jetzt die Regionalflughäfen in Brandenburg – und auf Hartmut Mehdorn

Die Kleinen wollen Gewinner des großen BER-Dramas werden. Brandenburgs Regionalflughäfen machen sich nach PNN-Recherchen startbereit, um absehbare Kapazitätsengpässe des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld auszugleichen, der zur Eröffnung schon zu klein sein wird. Zugleich weckt dort das jüngste Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg (OVG) neue Hoffnung. Das OVG hatte in der vergangenen Woche den Landesentwicklungsplan für die Hauptstadtregion und damit auch die dort festgeschriebene „Konzentration des Linien- und Pauschalverkehrs“ auf den BER als Single-Flughafen gekippt. Unter Verweis darauf hatten die Politik und die Flughafengesellschaft bislang die Provinz-Pisten behindert. Das alles bricht jetzt auf.

So haben sich nach PNN-Informationen die Flugplätze der Hauptstadtregion, von Eberswalde Finow bis Schönhagen, von Neuhardenberg bis Cottbus, gerade zu einer neuen Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Und zwar gemeinsam mit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), in enger Abstimmung mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn, der damit die Ignoranz und Arroganz seiner Vorgänger gegenüber den Pisten in der Mark beendete.

Mehdorn setzt erstmals auf eine Kooperation des Großflughafens mit den Kleinen. „Das ist gut. Der Flughafen zeigt den Regionalflughäfen nicht mehr die kalte Schulter“, sagte dazu Gernot Schmidt (SPD), Landrat in Märkisch- Oderland, am Montag den PNN. „Brandenburgs Landesregierung sollte nachziehen.“ Er forderte die Potsdamer Regierung auf, nach dem OVG-Urteil „die Rolle der Regionalflughäfen, die bislang ausgebremst wurden, grundsätzlich zu überdenken“. Sie seien „Bereicherung und keine lästige Konkurrenz“.

In Märkisch-Oderland liegt der Flugplatz Neuhardenberg, früherer Flughafen der NVA und der DDR-Regierungsstaffel, 45 Kilometer von Berlin entfernt. Vor einigen Jahren wollte sich die Billigairline Ryanair ansiedeln. Die Landesregierung lehnte dies unter Verweis auf den Landesentwicklungsplan, den Single-Airport in Schönefeld und das Veto Berlins ab.

In Neuhardenberg würde man perspektivisch gern Billigflieger abfertigen, sagte Uwe Hädicke, der Bevollmächtigte der dänischen Eigentümer, den PNN. „Wir stehen weiter bereit. Vom Unternehmen ist es gewollt. Wir sind hoffnungsvoll, dass es neue Bewegung gibt.“ Die Startbahn sei lang genug, der Airport müsste allerdings eine Genehmigung für Instrumentenanflug erhalten. Unabhängig davon könne Neuhardenberg aber „für den BER sofort Service- und Ergänzungsfunktionen übernehmen“, etwa als Ausweichziel in Notfällen oder für Geschäftsflieger. Im vergangenen Jahr sei etwa der britische Außenminister mit seiner Maschine nach einer Tagung im Schloss Neuhardenberg hier gestartet. Hädicke betonte, dass es um ein Miteinander mit dem BER gehe, wo der an Grenzen stoße: „Wir haben eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis.“

Auch am Flughafen Cottbus-Drewitz setzt man auf den BER. Der Cottbus Flughafen ist der mit dem höchsten Standard im Land, derzeit der einzige von den kleineren neben dem BER mit Ausrüstungen für Instrumentenanflug. Und es ist der einzige, auf dem größere Maschinen mit bis zu 30-Tonnen Gewicht starten und landen dürfen. „Wir haben da ein Alleinstellungsmerkmal. Herr Mehdorn weiß das“, sagt Geschäftsführer Hartmut Müller. Da der BER zur Eröffnung bereits an den Kapazitätsgrenzen sein wird, werde dort kaum Platz für andere sein, etwa für Geschäftsflieger, lautet das Kalkül der Lausitzer. „Die Fahrradfahrer der Luft haben am BER keine Chance.“

Dass der Flughafenchef jetzt auf ein Miteinander mit den Flugplätzen der Region setze, „finden wir alle ganz große Klasse“, sagte Müller. In Cottbus träumt man nicht von Billigairlines, da dafür ein Planfeststellungsverfahren nötig wäre – und der 24-Stunden–Betrieb bedroht werden könnte. „Wir werden einen Teufel tun, daran zu rütteln.“ Stattdessen setze man auf Geschäftsflieger, größere Privatmaschinen, die hier starten und landen dürfen, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Wir können genau in die Lücke springen, mit der das Nachtflugverbot den BER einschränkt“, sagt Müller. „Geschäftsflieger wollen früh raus und kommen spät rein.“ Schon jetzt werde das praktiziert, gebe es in solchen Fällen einen Limousinen-Service nach Berlin.

So könnten das Wachstum des BER und das OVG-Urteil eine Abkehr vom starren Single-Ansatz beschleunigen. Schon jetzt werden Stimmen, aus Berlin für eine dritte BER-Startbahn immer lauter. Es sei schon heute nötig, sich Gedanken über die Zukunft des BER zu machen, „wo das Wachstum eigentlich hin soll“, mahnt etwa Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa. Die Chance des OVG-Urteils müsse genutzt werden. Und, so fügt Faulenbach da Costa hinzu: „Brandenburg muss seine Regionalflughäfen ertüchtigen, offen für ein neues Flughafensystem sein – wenn es eine dritte BER-Startbahn verhindern will.“