• Brandenburgs jüngster Landrat Ostprignitz-Ruppin: Kreistag wählt 34-Jährigen

Brandenburg : Brandenburgs jüngster Landrat Ostprignitz-Ruppin: Kreistag wählt 34-Jährigen

Neuruppin - Ralf Reinhardt ist der neue Landrat von Ostprignitz-Ruppin. Der Kreistag wählte den Juristen und Bürgermeister von Wusterhausen/Dosse am Donnerstagabend mit 26 von 48 möglichen Stimmen. Mit 34 Jahren ist er jetzt der jüngste Kreisverwaltungschef in Brandenburg. Im zweiten Wahlgang setzte sich der Parteilose, der von SPD und Linke unterstützt wurde, in einer Stichwahl gegen den amtierenden Vize-Landrat Egmont Hamelow durch. Der CDU-Mann konnte nur 22 Stimmen auf sich vereinigen.

Reinhardt zeigte sich von seiner Wahl überwältigt. „Das ist für mich sehr überraschend. Jetzt brauche ich gute Leute an meiner Seite, um die wichtigen Aufgaben in Ostprignitz-Ruppin angehen zu können“, sagte er. Der unterlegene Hamelow gratulierte dem neuen Landrat zu seiner Wahl und kündigte Kooperationsbereitschaft als sein Stellvertreter an.

Zuvor waren im Februar zwei Direktwahlversuche gescheitert. Schon damals lieferten sich Reinhardt und Hamelow ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Jedoch konnte vor rund drei Monaten keiner der Kandidaten das notwendige Quorum von 15 Prozent der Wahlberechtigten in Ostprignitz-Ruppin auf sich vereinigen. Danach ging das Wahlvorschlagsrecht zurück ans Kreisparlament.

Der brandenburgische SPD-Generalsekretär Klaus Ness hat das bisherige Abschneiden der SPD-Kandidaten bei den Landratswahlen als sehr erfolgreich bezeichnet. Sie hätten sich in der Mehrheit durchgesetzt, betonte Ness am Freitag. In neun der 14 Landkreise führten nun Landräte der SPD die Geschäfte. Reinhardts Wahl bezeichnete er als „gelungenes Beispiel für den erfolgten Generationswechsel.“ Eine Schlappe erlitt die SPD zuletzt im Spree-Neiße-Kreis. Dort unterlag im April SPD-Bewerber Andreas Petzold dem CDU-Mann Harald Altekrüger.

Kritik an der in diesem Jahr erstmals im Land Brandenburg praktizierten Direktwahl kam gestern von der Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock. „Es ist äußerst ernüchternd, dass die Direktwahl in fünf von sechs Fällen gescheitert ist.“ Der Ausgang müsse nun von allen Parteien zum Anlass genommen werden, den Wahlprozess, aber auch die Verankerung von Parteipolitik auf kommunaler Ebene, selbstkritisch aufzuarbeiten, so Baerbock. Im Rahmen der anstehenden Evaluation der Kommunalverfassung müsse nun die Frage des Quorums auf den Prüfstand, forderte sie. „Wenn Mutter Fortuna wie in Barnim über zukünftige Landräte entscheidet, dann stimmt etwas im Wahlsystem nicht.“

Im April endete im Landkreis Barnim die Abstimmung nach zwei Wahlgängen in einem Patt. Sowohl der bisherige SPD-Landrat Bodo Ihrke als auch sein parteiloser Herausforderer Mark Matthies erhielten 28 Stimmen. Das anschließende Losverfahren konnte Ihrke für sich entscheiden. Das erste Mal, dass im Land Brandenburg eine Landratswahl per Los entschieden werden musste, war 1994 im Kreis Oder-Spree. dpa/mat