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Brandenburg : Wärmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen

Der Sommer geht zu Ende – in Berlin und Brandenburg war es so heiß wie noch nie. Für die kommende Woche erwartet der Wetterdienst 26 Grad, heute könnte es noch Unwetter geben.

Stefan Jacobs David Schäfer dpa
Foto: Andreas Klaer

Berlin - Nach dem voraussichtlich letzten Sommerwochenende in Berlin und Brandenburg mit Temperaturen über 30 Grad erwarten Meteorologen für die kommende Woche eine deutliche Abkühlung. Wie der Deutsche Wetterdienst am Sonntag mitteilte, soll es am Montag bei Höchstwerten um 21 Grad überwiegend trocken bleiben. Für Dienstag und Mittwoch werden Höchstwerte zwischen 20 und 26 Grad erwartet. Eine neue Hitzewelle sei nicht in Sicht, hieß es.

Immernoch kein Regen erwartet

In einigen Teilen Brandenburgs soll es zum Wochenbeginn bewölkter als zuletzt werden, mit viel Regen ist den Angaben zufolge jedoch nicht zu rechnen. Für den Sonntagnachmittag werden im Südosten Brandenburgs noch einzelne Gewitter mit Starkregen und Sturmböen mit Geschwindigkeiten um 70 Kilometer pro Stunde erwartet. Insbesondere in der Niederlausitz und entlang der Oder gebe es punktuell Unwettergefahr mit Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 80 Kilometer pro Stunde sowie Hagel, hieß es.

In Berlin wurde am Sonntagmorgen am Flughafen Tegel wegen großer Hitze ein Terminal vorübergehend geschlossen. Wie der Airport auf Twitter mitteilte, wurden Abflüge auf andere Terminals umgelegt. Passagiere wurden gebeten, mehr Zeit einzuplanen.

Wärmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen

Der zurückliegende Sommer in Brandenburg und Berlin war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen vor knapp 130 Jahren. Dabei schien ein neuer Rekord nach dem Extremjahr 2018 kaum vorstellbar. „Der wesentliche Unterschied ist, dass im vergangenen Jahr der Sommer mit Trockenheit und Wärme praktisch von April bis November gedauert hat“, sagt Jörg Riemann, Chefmeteorologe des Dienstes „Wettermanufaktur“, der die Sommerbilanz für den Tagesspiegel erstellt hat.

So gab es nach einem kühlen Mai in diesem Sommer 26 „heiße Tage“ mit mindestens 30 Grad. Im vergangenen Jahr waren es 25, im Mittel der Jahre seit 1893 acht. Bei den „Tropennächten“, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt, landet 2019 auf dem zweiten Platz hinter dem Vorjahr – mit vier statt sieben solcher Nächte. „Normalerweise gab es nur alle zwei Jahre eine solche Nacht“, sagt Riemann.

Die Daten beziehen sich jeweils auf die Station am Potsdamer Brauhausberg, die seit 1893 am selben Ort misst. In Berlin stammen die ältesten Messreihen aus Tempelhof und Dahlem, aber die haben laut Riemann ihre Tücken: Die eine Station musste mehrmals umziehen, die andere misst oft verdächtige Kühle, wenn nebenan im Botanischen Garten die Rasensprenger Dienst tun. Zur Hitze kommt die Dürre, die immer dramatischer wird.

Elf Regentage 

Nennenswert geregnet hat es in diesem Sommer an genau elf Tagen, der Durchschnitt liegt bei 29 Regentagen. Zwar gab es schon in den 1970ern zwei ungewöhnlich trockene Sommer nacheinander, „aber der Winter dazwischen war sehr nass“, sagt Riemann. Das unterscheidet die damalige Situation von der aktuellen, in der durch die Hitze außerdem besonders viel verdunstet.

In den Berliner Wäldern sind hunderttausende Setzlinge der Trockenheit zum Opfer gefallen. Bundesweit schätzen Forstwirte und Waldbesitzer die Schäden durch dürrebedingtes Waldsterben auf mehrere Milliarden Euro. „Die in Brandenburg nach wie vor dominanten Kiefern sind einfach die falsche Baumart“, sagt Riemann. „Sie ziehen das ganze Jahr über Wasser aus dem Boden, und als Monokultur sind sie dem Borkenkäfer ausgeliefert. In Mischwäldern, in denen eine Kiefer zwischen zehn Laubbäumen steht, wäre das völlig anders.“

Für Bauern lief es besser

Für die Bauern im Umland war der Sommer nach Einschätzung des Landesbauernverbandes nicht ganz so schlecht wie 2018. Allerdings resümiert der Verband: „Wenn auf unseren sandigen Brandenburger Böden weiterhin hochwertige Kulturen, insbesondere auch Obst und Gemüse angebaut werden sollen, wird es in Zukunft nicht ohne Beregnung gehen.“

Die Frage ist nur, wo das Wasser dafür herkommen soll, wenn die Regentiefs vom Atlantik es nur noch bis nach Großbritannien schaffen statt wie früher bis zum Baltikum. Ihre Schwäche hängt mit der Erwärmung der Arktis zusammen. „Für die jeweilige Wetterlage ist das Wetter durchaus normal“, sagt der Meteorologe. „Was nicht normal ist, ist die Verteilung der Wetterlagen, also der immer größere Anteil des Kontinentalklimas mit trockenem Ostwind.“ Die Aussichten: Es wird kühler. Und bleibt meist trocken.