• Brandenburgs Wirtschaftsminister befürchtet „Übertourismus“ in Potsdam

Brandenburg : Verkraftet Potsdam noch mehr Tourismus?

Die Besucherzahlen in Brandenburg sind wieder einmal gestiegen. Droht jetzt, besonders in Potsdam, die Sättigung?

Besuchermagnet Schloss Sanssouci. Doch wie viel Tourismus verträgt Potsdam noch?
Besuchermagnet Schloss Sanssouci. Doch wie viel Tourismus verträgt Potsdam noch?Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Tourismusboom im Land Brandenburg hält unvermindert an. Das konnte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Dienstag nach der Sitzung des Kabinetts mitteilen, auf der er über den Stand der Umsetzung der 2015 verabschiedeten Tourismusstrategie berichtet hatte. Im ersten Quartal diesen Jahres kamen sechs Prozent mehr Gäste als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Jährlich kommen rund fünf Millionen Besucher nach Brandenburg. 

Auch bei den Übernachtungen kletterten die Zahlen erneut, um 4,6 Prozent. So geht das Jahr für Jahr. Doch nun schloss Steinbach erstmals nicht aus, dass das auch einmal anders sein könnte „und ich auf einer Pressekonferenz dann zurückgehende Zahlen verkündigen muss.“ 

Bei einigen Brandenburger Regionen gibt es bereits "Übertourismus"

Auf Nachfrage, ob bald eine Sättigung drohe, gab Steinbach überraschende Antworten. Das sei im Tourismus durchaus ein ernstes Thema, sagte er, es gebe Regionen, bei denen bereits von „Übertourismus“ gesprochen werde. Krassestes Beispiel sei Venedig. In diesem Zusammenhang sprach Steinbach ausdrücklich davon, dass auch die Landeshauptstadt Potsdam auf einen solchen kritischen Punkt zusteuern könnte, was die Besuche von Sanssouci und anderer „Kultstätten“ angehe. 

Es werde bereits diskutiert, ob mehr für die Stadt noch verkraftbar sei. „Das ist ein Thema, das man absolut ernst nehmen muss“, sagte er. Dabei stelle sich auch die Frage: „Sind wir nur ein touristisches Anhängsel von Berlin, in dem man einen Tag verbringt, oder wollen wir die Menschen längere Zeit direkt in Potsdam vor Ort haben?“ Das seien Dinge, über die man mit dem Oberbürgermeister reden müsse.

Potsdam hatte höchsten Zuwachs an Übernachtungen

Im Landesmaßstab liegt Potsdam nämlich nicht an der Spitze. Beliebteste Reiseregionen Brandenburgs bei den Besuchern waren im Vorjahr das Seenland Oder-Spree, der Spreewald und das Ruppiner Seenland. Doch hatte Potsdam zuletzt den höchsten Zuwachs an Übernachtungen verzeichnen können (plus 9,1 Prozent), wie Steinbach im März bei der Vorlag der Tourismusbilanz für 2018 erläutert hatte. Für einen Top-Platz im Ranking der Bundesländer reicht es für die meer- und bergelose Mark zwar nicht – Brandenburg rangiert im Tourismus bundesweit auf Rang zwölf, im Osten auf Platz drei hinter Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bei den Gästezahlen. 

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) befürchtet "Übertourismus" in Potsdam.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) befürchtet "Übertourismus" in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Dennoch: Die Beliebtheit der Mark steigt und steigt, besonders bei Gästen aus dem Ausland. Die Ursachen dafür sieht Steinbach nicht allein in der Attraktivität von Natur und Historie, die jedes Jahr viele Besucher anzieht. Er betonte vielmehr, dass die Strategie stimme, von unten erarbeitet worden sei und von den touristischen Akteuren getragen werde.

Slogan "Es kann so einfach sein" wurde kritisiert

Er erinnerte daran, dass Brandenburg jüngst erstmals den deutschen Tourismuspreis erhalten habe, für digitales Content-Management. „Da schauen sich viele Bundesländer inzwischen bei uns etwas ab.“ Parallel zum erfolgreichen Tourismusmarketing Brandenburgs („Das Weite liegt so nah!“) hatte Brandenburg voriges Jahr eine neue Landesmarketingkampagne gestartet, die wegen des Slogans „Es kann so einfach sein“ für Aufsehen und Kritik sorgte. 

Aktuell ist von der Kampagne wenig zu spüren. An den Autobahnen an den Landesgrenzen stehen allerdings inzwischen deren Hinweisschilder. Die Frage, warum Brandenburgs Tourismuswerber erfolgreicher als das Landesmarketing seien, wollte Steinbach nicht beantworten. Das tat er so: Er sei in einer Zeit groß geworden, da habe man an solch einer Stelle diese Frage gestellt: „Möchtest Du ein Pfund chinesisches Mehl oder ein Pfund russisches Mehl? Dann nimm Dir bitte ein Pfund Zucker!“