• Brandenburg: Haasenburg-Jugendheime werden geschlossen

Brandenburg : Haasenburg-Jugendheime werden geschlossen

UPDATE. Brandenburg schließt nach Berichten über körperliche und seelische Misshandlungen die Kinder- und Jugendheime des umstrittenen privaten Betreibers Haasenburg GmbH.

Yne Jennerjahn Lukas Philippi

Potsdam - Die umstrittenen Haasenburg-Jugendheime in Brandenburg werden geschlossen. Der Entzug der Betriebserlaubnis für die drei Einrichtungen mit mehr als 100 Plätzen werde in den kommenden zwei Wochen vorbereitet, sagte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch in Potsdam. Grundlage seien die von der Ende Juni eingesetzten Untersuchungskommission festgestellten schweren Mängel im Umgang mit den eingewiesenen Kindern und Jugendlichen.

Der Bericht der Kommission wurde am Mittwoch in Potsdam vorgestellt. Darin wurde auch ein bundesweites Versagen der Aufsichtsbehörden von den örtlichen Jugendämtern verschiedener Bundesländer bis hin zum märkischen Landesjugendamt bei der Kontrolle der Haasenburg festgestellt. Der Bericht mache deutlich, dass in den Einrichtungen das Kindeswohl vor allem durch Zwangsmaßnahmen gefährdet sei und Auflagen der Behörden nicht eingehalten worden seien, betonte Münch.

Das Haasenburg-Heim in Jessern bei Lübben wurde vom Träger bereits Ende Juli vorläufig geschlossen. Für die derzeit noch 37 in Müncheberg und Neuendorf bei Lübben untergebrachten Minderjährigen müssen nun die zuständigen Jugendämter neue Plätze suchen. In den Heimen wurden seit mehr als zehn Jahren Kinder und Jugendliche untergebracht, die als Gefahr für sich oder andere gelten, zuvor bereits erfolglos andere Maßnahmen der Jugendhilfe durchlaufen haben und oft von anderen Einrichtungen abgelehnt wurden.

Mit der Untersuchungskommission und einem vorläufigen Verbot der Aufnahme neuer Kinder und Jugendliche hatte Münch im Sommer auf Berichte der Berliner „tageszeitung“ reagiert. Die Zeitung hatte Mitte Juni mit der Veröffentlichung von Misshandlungsvorwürfen gegen die Haasenburg begonnen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in rund 70 Fällen zu verschiedenen Vorwürfen.

 

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