• Brandenburg: Für Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan

Brandenburg : Für Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan

Für Tausende Muslime in Brandenburg beginnt am Montag der Fastenmonat Ramadan. Die Gemeinden - auch in Potsdam - laden dann zum Austausch ein.

Christian Bark
Ein Gemeindemitglied betet in der Al-Farouk-Moschee in Potsdam.
Ein Gemeindemitglied betet in der Al-Farouk-Moschee in Potsdam.Foto: Paul Zinken/dpa

Im beginnenden Fastenmonat Ramadan verzichten wieder tausende Muslime in Brandenburg zwischen Sonnenauf- und Untergang auf Speisen und Getränke. Muslimische Gemeinden laden in dieser Zeit gezielt auch Nicht- oder Andersgläubige zu Festen ein. "Wir veranstalten nach Sonnenuntergang täglich ein Fastenbrechen, wobei jeder willkommen ist", sagt Mouliji Issmaail vom Verein der Muslime in Potsdam. 

In Deutschland, aber auch in der Türkei und vielen anderen Ländern wird in diesem Jahr der Montag der erste Fastentag sein. Der Start richtet sich aber nach dem Erscheinen der Neumondsichel und kann deswegen variieren.

Die meisten der rund 700 Mitglieder der muslimischen Gemeinde in der Landeshauptstadt würden kurz vor drei Uhr morgens die letzten Speisen und Getränke zu sich nehmen. "Ausgenommen sind Menschen, denen das nicht bekommen würde", erklärt Mouliji Issmaail. Zum Beispiel Schwangere oder Kranke. "Man kann nach kurzer Krankheit das Fasten aber nachholen", so der Vereinsschriftführer. Zum Beispiel im Winter, wenn die Tage nicht so lang seien.

Interreligiöser Dialog in Potsdam

Zu Veranstaltungen rund um den Ramadan aber auch darüber hinaus lädt der Verein regelmäßig die Nachbarschaft ein. Außerdem sei er mit einem Informationsstand beim interreligiösen Dialogforum vertreten, das in diesem Jahr am 17. Mai auf dem Alten Markt in Potsdam stattfinde. "Da kommen wir mit Vertreten anderer Religionen ins Gespräch, gerne auch über das Fasten", sagt Mouliji Issmaail.

"Es ist ein guter Brauch innerhalb der islamischen Tradition, andere in der Zeit des Ramadan zum Fastenbrechen einzuladen", sagt auch Hagen Pietzcker, Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo). Das sei dann ein Ort der Begegnung, oft auch Gelegenheit zu einem Grußwort. Bei Gemeindefesten würden umgekehrt viele evangelische Gemeinden ihre muslimischen Nachbarn einladen.

Im Christentum und im Islam wird gefastet 

Die Kirche betrachte den Ramadan mit großer Wertschätzung. "Als Christen fühlen wir uns mit den Muslimen in diesen Wochen tief verbunden, denn auch im Christentum spielt das Fasten eine große Rolle", erklärt der Ekbo-Sprecher. Der Fastenmonat sei für Christen und Muslime gleichermaßen ein Monat der Geduld, der Versöhnung und der Befreiung.

Auch in Frankfurt (Oder) nehmen jedes Jahr rund 200 Muslime öffentlich am Ramadan teil, wie die Integrationsbeauftragte der Stadt, Emanuela Falenczyk, informiert. "Das Fastenbrechen wird in der Regel auch unter Einladung von Nicht-Muslimen gefeiert", sagt sie. Veranstaltungsort sei dieses Jahr wieder am Brückenplatz.

Zuckerfest: Auch in Biosphäre wird gefeiert

Am Ende des Ramadan wartet auf die Muslime ein Fest des Fastenbrechens, das sogenannte "Zuckerfest". "Das feiern wir meist in großer Runde, oft an wechselnden Orten wie beispielsweise der Biosphäre", sagt Mouliji Issmaail.

Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islams - das sind Grundpflichten, an die sich Gläubige halten sollen. Diese verzichten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen ausgenommen.

Muslime könnten aber auch außerhalb des Ramadan fasten, er mache das beispielsweise an zwei Tagen in der Woche, erzählt Mouliji Issmaail.  "So bin ich auch mit anderen Menschen über das Intervallfasten ins Gespräch gekommen." Denn Fasten sei nicht nur ein religiöser Ritus, sondern fördere auch die Gesundheit. "Das Thema ist also in vielerlei Hinsicht verbindend", so Mouliji Issmaail. (dpa)