Brandenburg : Brandenburg droht Mangel an Berufsschullehrern

Der Brandenburgische Lehrerverband fordert eigene Uniausbildung für Berufsschullehrer. Die Linke bringt erneut ein Stipendium zur Gewinnung von Pädagogen für Landschulen ins Spiel.

Benjamin Lassiwe
Lehrer sind generell knapp in Brandenburg. Besonders an den Berufsschulen spitzt sich die Personallage zu. 
Lehrer sind generell knapp in Brandenburg. Besonders an den Berufsschulen spitzt sich die Personallage zu. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Potsdam - Vor einem drohenden Mangel an Berufsschullehrern in Brandenburg hat der Vorsitzende des Brandenburgischen Lehrerverbands beruflicher Schulen, Thomas Pehle, gewarnt. Heute seien 68,6 Prozent der Berufsschullehrer in Brandenburg älter als 50 Jahre. „Wir brauchen in Brandenburg eine grundständige universitäre Ausbildung für Berufsschullehrer“, sagte Pehle am Donnerstag im Bildungsausschuss des Potsdamer Landtags. Dies hatte auch die rot-schwarz-grüne Kenia-Koalition in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen. Der Aufbau einer solchen Ausbildung würde Pehle zufolge aber bis zu zehn Jahre dauern. „Wir brauchen deswegen jetzt einen klaren Zeitplan dafür“, sagte Pehle. Als mögliche Standorte für eine Berufsschullehrerausbildung kämen sowohl die Universität Potsdam als auch die BTU Cottbus in Frage.

Wie Pehle betonte, favorisiere sein Verband keinen Standort ausdrücklich. Ein Studiengang „Master berufliche Bildung“, wie er derzeit an der TU München angeboten werde, wäre aber an der BTU Cottbus gut angesiedelt. Dies hänge auch mit der Ingenieursausbildung und dem ohnehin in Cottbus vorhandenen Studienseminar für Berufsschullehrer zusammen. Der Direktor des Zentrums für Lehrerbildung (ZELF) an der Universität Potsdam, Andreas Borowski, sagte, die Universität sei schon heute ausgelastet und habe kaum räumliche Kapazitäten. „Von Seiten des ZELF – nicht von Seiten des Präsidiums – würde ich sagen, es ist sicherlich eine ganz große Herausforderung, wenn man eine Berufsschullehrerausbildung nach Potsdam legt“, sagte Borowski.

Hohe Abbrecherquote weiter ein Problem

Der Bildungsausschuss beschäftigte sich am Donnerstag schwerpunktmäßig mit der Lehrerausbildung in Brandenburg. Sie war in der vergangenen Legislaturperiode erheblich aufgestockt worden: An der Universität Potsdam, die derzeit als einzige Universität in Brandenburg Lehrerinnen und Lehrer ausbildet, wird es ab dem Wintersemester 2020/2021 erstmals mehr als 1000 Plätze für Studienanfänger geben, die einen Lehramtsstudiengang absolvieren möchten. Dies sei „die höchste Ausbildungskapazität, die wir je hatten“, sagte der Abteilungsleiter für Wissenschaft und Forschung im Brandenburger Wissenschaftsministerium, Carsten Feller. Noch im Wintersemester 2017/2018 hatte es nur 690 Anfängerplätze für Lehramtsstudiengänge gegeben.

Ein Problem der Lehrerausbildung ist weiterhin die hohe Abbrecherquote. Wie Borowski berichtete, brächten derzeit nur etwa 66 bis 69 Prozent aller Lehramtsstudenten ihr Studium zum Abschluss. „Wir haben das Ziel, dass künftig etwa 75 Prozent der Studierenden ihr Studium beenden“, sagte Borowski. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) betonte, dass die Aufstockung der Lehrerausbildung an der Uni Potsdam eines der wichtigsten Ziele der vergangenen Legislatur gewesen sei. Dies werde aber erst in sieben oder acht Jahre Auswirkungen auf die Personalsituation an den Schulen haben. „Den Zwischenraum müssen wir mit Personen füllen, die nicht grundständig Lehramt studiert haben“, sagte Ernst. Alle Seiteneinsteiger würden vom Ministerium qualifiziert. Die geplante drei Monate andauernde Vorabqualifizierung für Seiteneinsteiger würde aber nicht funktionieren. „Der größte Teil der Seiteneinsteiger nutzt die 15 Monate dauernde berufsbegleitende Qualifikation.“ Grundsätzlich würden alle Referendare, die den Vorbereitungsdienst an Brandenburgs Schulen beendet haben, bereits seit 2017 ein Angebot für eine Tätigkeit an einer Brandenburger Schule erhalten. Allerdings dürfe niemand damit rechnen, im Rahmen der studierten Fächer oder an der gewünschten Schule eingesetzt zu werden.

Linke will Stipendienprogramm

Die Linken-Abgeordnete Kathrin Dannenberg erklärte, aus ihrer Sicht gebe es den größten Bedarf an jungen Lehrern in Grundschulen, Förderschulen und der Sekundarstufe I. „Ich habe den Eindruck, dass sich das in der Ausbildung nicht wiederfindet, und dass vor allem die Oberschulen perspektivisch ein großes Problem bekommen“, sagte Dannenberg. „Wir wissen alle, dass sich die meisten Lehramtskandidaten nicht für die Sekundarstufe I, sondern für die Sekundarstufe II entscheiden.“ Sie wollten schlicht nicht in die Oberschule gehen.

Die Linksfraktion schlägt einen 13 Punkte umfassenden Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung vor. Unter anderem soll ein Stipendienprogramm für Lehramtsstudierende aufgelegt werden, die ihre Bereitschaft erklären, an Schulen im ländlichen Raum zu arbeiten. Auch Fahrt- und Unterkunftszuschüsse für Studierende, die praktische Erfahrung an Landschulen sammeln möchten, müssten bezahlt werden. So ein Stipendium hatte die Linke, damals noch in einer rot-roten Koalition, bereits 2018 ins Gespräch gebracht und angehenden Landlehrern 500 Euro Prämie im Monat in Aussicht gestellt.

Das Vorgängermodell floppte

Ganz neu ist der Ansatz also nicht. Die Grünen hatten bereits 2012 das Modellprojekt „Landlehrer in Sicht“ vorgestellt, für das sich Kommunen im berlinfernen Raum bewerben sollten, um mit Landeshilfe Anreize für Pädagogen zu schaffen. Der Antrag wurde abgelehnt. Ebenso der zwei Jahre später gestellte gemeinsame Antrag der damaligen Oppositionsfraktionen von Grünen und CDU mit dem Titel „Sicherung des Lehrkräftebedarfs in ganz Brandenburg“, der ein Qualifizierungsprogramm für Quereinsteiger vorsah. Die 2015 vom damaligen Bildungsminister Günter Baaske (SPD) umgesetzte Idee, Pädagogen mit einer Landprämie die Peripherie schmackhaft zu machen, floppte. 300 Euro pro Monat und das drei Jahre lang wollte das Ministerium Pädagogen zahlen, die das Großstadtleben aufgeben. Kein einziger Lehrer ließ sich durch die Prämie dauerhaft locken.

„Bei fertig ausgebildeten Lehrern ist der Zug schon abgefahren“, sagt Kathrin Dannenberg nun, man müsse schon während des Studiums mit Anwerbeversuchen begingen. Aus gutem Grund: Es sei zu befürchten, dass der Zahl der neu eingestellten Seiteneinsteiger pro Jahr in Grund-, Förder- und Oberschulen bald die 50-Prozent-Marke erreiche. An einigen Schulen sei sie schon deutlich überschritten worden, heißt es in der Begründung für den Aktionsplan, den die Linke mit einem Antrag in den Landtag einbringen will.