• Brandenburg contra Lufthansa: Landtag will sich gegen Abbau in Schönefeld einsetzen

Brandenburg contra Lufthansa : Landtag will sich gegen Abbau in Schönefeld einsetzen

Eine Lufthansa-Tochterfirma will ihren Betrieb in Schönefeld mit 60 Mitarbeitern einstellen und eine neue Werkstatt in Ungarn eröffnen. Nun macht der Landtag Druck.

Die Fluglinie Lufthansa gibt eine Spezialwerkstatt in Schönefeld auf.
Die Fluglinie Lufthansa gibt eine Spezialwerkstatt in Schönefeld auf.Foto: Patrick Pleul/dpa

Schönefeld/Potsdam - Gegen den drohenden Abbau von Wartungskapazitäten der Lufthansa am Standort Schönefeld will sich nun Brandenburgs Landtag einsetzen. Und zwar ähnlich wie einst beim Bahnwerk Eberswalde in einem parteiübergreifenden Beschluss, der für die Plenarsitzung im Mai geplant ist. Darauf haben sich am Montag im BER-Sonderausschuss des Landtages in Potsdam die Abgeordneten von rot-roter Koalition und Opposition verständigt. 

„Wir kriegen das hin, zum nächsten Plenum“, sagte der SPD-Abgeordnete Helmuth Bartels. Der parteilose Abgeordnete Christoph Schulze, der den Fall auf die politische Agenda gehoben hatte, zeigte sich zumindest damit zufrieden. Die  Abbau-Ost-Politik der Lufthansa sei skandalös, so Schulze. Und die Landesregierung tue nicht das, was nötig sei.

Schönefeld-Arbeiter könnten übergangsweise nach Hamburg

Hintergrund ist, dass die Tochter des deutschen Kranich-Konzerns Lufthansa Technik die hochspezialisierte „Rohrwerkstatt“ für Triebwerksleitungen und Schläuche am Standort in Schönefeld mit 60 Mitarbeitern schließen will (PNN berichtete). Stattdessen soll im Niedriglohnland Ungarn 2022 eine neue Rohrwerkstatt für ganz Europa in Betrieb gehen. Für die Übergangszeit waren Schönefelder Mitarbeitern Jobs in Hamburg angeboten worden. 

Zum anderen ist ein Jahr vor der geplanten BER-Eröffnung immer noch völlig unklar, in welchem Umfang die große deutsche Airline am BER mit Wartungshangars vertreten sein wird, was Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer im Ausschuss bestätigte. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sprach von strategischer Zögerlichkeit der Airline. Er kündigte an, dass die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) nun die Flächen für Wartungshangars, die in Schönefeld für die Lufthansa reserviert waren, ausschreiben, ein Bieterverfahren starten wird. „Ich sage als Flughafen: Wir wollen nicht länger warten“, sagte er. „Ich würde mich freuen, wenn sich die Lufthansa an diesem Bieterverfahren beteiligen würde.“ Es gebe Interessen anderer Airlines an Wartungshangars am BER.

Rot-rote Regierung in Kritik

Die Causa „Lufthansa Technik“ Schönefeld ist vor der Landtagswahl in Brandenburg inzwischen ein Politikum. Wie berichtet, war die rot-rote Regierung, insbesondere Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) in die Kritik geraten, weil sie lange nichts gegen die Schließung der Rohrwerkstatt und für den Wartungsstandort Schönfeld unternommen hatte. Inzwischen ist die Regierung aktiv geworden. Staatssekretär Fischer erklärte, dass er am 9. April mit dem Vorstandschef von Lufthansa Technik ein Gespräch geführt habe. Nach seinen Worten bedauert die Landesregierung die „nicht akzeptable“ Lufthansa-Entscheidung, die Rohrwerkstatt zu verlagern. 

Inzwischen gebe es zumindest das Angebot des Flughafens, den Mietvertrag für die alten Hallen – sie stehen BER-Erweiterungen im Weg – bis 2021 zu verlängern, was der Konzern wohl annehmen werde. Bislang sollte die Rohrwerkstatt 2020 dicht machen. An der Entscheidung selbst, so Fischer, werde Lufthansa aber nicht rütteln. Schulze kritisierte, dass die Regierung nicht wie ein Löwe um diese Industriejobs kämpfe.