• Brandenburg braucht Fachkräfte: Ohne Zuwanderung geht es nicht

Brandenburg braucht Fachkräfte : Ohne Zuwanderung geht es nicht

Das Land Brandenburg hofft auf 1600 Zuwanderer im Jahr, um das Fachkräfteproblem zu entschärfen. 

Allein mit Ausbildung oder auch Rückkehrern, die in den 90er Jahren mangels Jobs und Leerstellen in den Westen abgewandert waren und nun wieder kommen, das Fachkräftedefizit nicht geschlossen werden.
Allein mit Ausbildung oder auch Rückkehrern, die in den 90er Jahren mangels Jobs und Leerstellen in den Westen abgewandert waren...Foto: Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Potsdam - Brandenburg will Fachkräfte verstärkt aus Staaten außerhalb der Europäischen Union gewinnen, da im ganzen Land immer häufiger Jobs in Firmen unbesetzt bleiben. "Wenn Arbeitskräfte fehlen, gefährdet das die Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand", sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Freitag auf einer Pressekonferenz in Potsdam. Nach seinen Worten ist es realistisch, dass durch Zuwanderung ungefähr 1600 Fachkräfte für das Land jährlich gewonnen werden können. Aktuell gebe es etwa verstärkt Nachfrage aus Indien, Malaysia und Indonesien für den Gastronomiebereich. Präferenzen bei Staaten und Kontinenten gibt es laut Steinbach nicht: "Hier ist jeder willkommen!"

Jörg Steinbach (SPD), Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister.
Jörg Steinbach (SPD), Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister.Foto: Soeren Stache/dpa

Neue Informations- und Beratungsportale sollen vor allem kleinen und mittelständigen Unternehmen dabei helfen, mit den komplizierten Verfahren klarzukommen. Brandenburgs Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFBB) hat dafür, wie Geschäftsführer Steffen Kammradt erläuterte, extra einen "International Talent Service" eingerichtet. An einer virtuellen internationalen Karrieremesse im Internet hätten sich 24 Brandenburger Unternehmen beteiligt, sagte WFBB-Geschäftsführer Steffen Kammradt. Weltweit hätten 44.000 Nutzer diese Messe gesehen. Danach habe es 294 Anfragen von Chat-Nutzern gegeben, die direkt mit Unternehmen über Jobs gesprochen hätten. 

Ohne Zuwanderung geht es nicht

Zuwanderung sei "ein Baustein, um den notwendigen Fachkräftebedarf für Brandenburg in den nächsten Jahren decken zu können", betonte Steinbach. "Zentral bleibt aber, dass die Unternehmen weiter selbst ausbilden." Trotzdem ist absehbar, dass allein mit Ausbildung oder auch Rückkehrern, die in den 90er Jahren mangels Jobs und Leerstellen in den Westen abgewandert waren und nun wieder kommen, das Fachkräftedefizit nicht geschlossen werden kann.

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Steinbach verwies darauf, dass das Land nach den demographischen Prognosen bis 2030 einen Rückgang von 210.000 Erwerbstätigen erwartet. Im ersten Halbjahr 2020, teils vor der Corona-Pandemie, seien 43 Prozent der ausgeschriebenen Stellen vakant gewesen.

"Der Knackpunkt ist immer die Anerkennung von Abschlüssen"

Der Bund hatte die Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten im März mit einem neuen Gesetz erleichtert. Daraufhin passt Brandenburg nun seine Strukturen an, was in einem Flächenland nicht ganz einfach ist. So wird dafür im Kreis Dahme-Spreewald eine für ganz Brandenburg zuständige Zentrale Ausländerbehörde gebildet, in der alle Verfahren für Fachkräfte aus Drittstaaten geführt werden.

Parallel gibt es ein landesweites IQ-Netzwerk für das Land Brandenburg, das über verschiedene Träger und mit Beratungsstellen in den Regionen Firmen, aber auch Einwanderer bei den Verfahren begleitet. "Der Knackpunkt ist immer die Anerkennung von Abschlüssen, die im Ausland erworben wurden", sagte Dina Ulrich, von der Projektgesellschaft der Industrie- und Handelskammer, die diese Beratungen im Norden und Westen des Landes anbietet. Auch in englischer, russischer und polnischer Sprache, so Ulrich. So sei es jetzt gelungen, für ein Krankenhaus in der Prignitz zwei Ärzte aus Mexiko zu gewinnen. 

Ein anderes Beispiel schilderte Debora Aust von der Dare Consulting GmbH, die für die Beratungen im Süden und Osten Brandenburgs zuständig ist. "Wir hatten ein Finsterwalder Tiefbauunternehmen, das verzweifelt einen Bauleiter gesucht hat und dann eine ukrainische Ingenieurin gefunden hat", sagte Aust. Man habe in den letzten Wochen bei der weiteren Begleitung geholfen. "Wir hoffen, dass die Mitarbeitern bald ihre Arbeit aufnehmen kann."


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