• Lunapharm fordert 70 Millionen Euro: Bizarre Pressekonferenz in Potsdam

Bizarre Pressekonferenz : Lunapharm fordert 70 Millionen Euro

Das Pharma-Unternehmen, das in Verdacht auf illegalen Handel mit Krebsmedikamenten geraten war, verlangt Schadenersatz vom Land. Das Unternehmen will die Machenschafen als "Behörden- und Medienskandal" umdeuten.  

Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam - Brandenburgs Lunapharm-Skandal, der voriges Jahr bundesweit für Schlagzeilen sorgte, geht in die nächste Runde: Das Pharma-Unternehmen, das in Verdacht auf Handel mit Krebsmedikamenten unklarer Herkunft geraten war, verlangt vom Land Brandenburg nun Schadenersatz in Höhe von 70 Millionen Euro. Das bestätigte Klaus Kocks, der jetzt Lunapharm vertritt, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Potsdam. Der PR-Berater war früher Generalbevollmächtigter von Volkswagen.

Film- und Videoaufnahmen bei der Pressekonferenz unerwünscht

Mit der Pressekonferenz unternahm das Unternehmen den Versuch, während der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und parallel zu diversen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Behörden und dem rbb, den Lunapharm-Skandal zu einem angeblichen „Behörden- und Medienskandal“ (Kock) umzudeuten. Auf der Pressekonferenz waren prompt Film- und Tonaufnahmen nicht erwünscht. Kocks kündigte im Zuge der PR-Offensive gleich noch an, dass über die Causa Lunapharm „ein Sachbuch geschrieben wird, aus dem ein Drehbuch für ein TV-Feature entstehen soll“. Wie der Plot aussieht, lässt sich nach dieser Aussage Kocks ahnen: „Hier ist ein ostdeutsches Familienunternehmen, geführt von einer Frau, ohne sachliche Grundlage an die Wand gefahren worden.“

Für Untersagung des Handels habe es keinen Grund gegeben

Lunapharm begründet seine Schadenersatzforderung damit, dass es für die Untersagung der Herstellung, von Handel und Vertrieb durch Brandenburgs Aufsichtsbehörden angeblich keinen Grund gegeben habe. Geschäftsführerin Susanne Krautz-Zeitel sagte auf der Pressekonferenz, ihre Firma habe zu keiner Zeit mit gestohlenen Medikamenten gehandelt. Sie habe nur Medikamente vertrieben, die sie auch ihrer Mutter, ihrer Tochter oder sich selbst geben würde. Durch das Vorgehen der Behörden seien die Umsätze von zwei Millionen Euro im Monat auf 500 Euro eingebrochen, so die Geschäftsführerin. Sie habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Mit der umstrittenen griechischen Apotheke habe sie schon nach ersten Vorwürfen Anfang 2017 die Geschäftsbeziehungen abgebrochen, sagte sie.

Lunapharm hält Abhörprotokolle für gefälscht

Im Widerspruch dazu stehen Abhörprotokolle der griechischen Polizei, die das ARD-Magazin „Kontraste“ publik machte, das den Skandal 2018 aufgedeckt hatte. Nach diesen Protokollen hatte es noch 2018 Kontakte zwischen Lunapharm und der Schlüsselfigur der Griechenland-Apotheke gegeben. Die Protokolle seien gefälscht, erklärte dazu Kocks. Außerdem war Lunapharm damals vorgeworfen worden, das Krebsmedikament Herceptin aus Italien zu beziehen, das nach Aussagen der dortigen Behörden nicht frei gehandelt werden darf und wegen Diebstählen aus Krankenhäusern im Mafia-Kontext auf dem Index stand. Sie habe gegenüber Behörden immer alles kommuniziert und habe eine Zulassung für den Handel mit Herceptin für die europäischen Länder, auch für Italien, sagte Krautz-Zeitel dazu.

Brandenburgs Regierung reagiert gelassen auf die Forderungen. Gesundheitsstaatssekretär Andreas Büttner sagte in einer ersten Stellungnahme: „Es ist normal, dass in einem solchen Fall alle Register gezogen werden. Das zuständige Landesamt prüft erst einmal, was konkret verlangt wird.“ Wegen des Lunapharm-Skandals und Versäumnissen der Brandenburger Arzneimittelaufsicht hatte 2018 die damalige Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) ihren Rücktritt erklärt.