Bildung in Brandenburg : Wo Unterrichtsausfall zum Problem wird

Der Unterrichtsausfall in Brandenburg ist leicht gesunken – dennoch gibt es an einigen Schulen Probleme.

Unfreiwilliger Schulschluss. Der krankheitsbedingte Ausfall von Lehrern hat in Brandenburg zugenommen.
Unfreiwilliger Schulschluss. Der krankheitsbedingte Ausfall von Lehrern hat in Brandenburg zugenommen.Foto: Caroline Seidel/dpa

Potsdam - Für ihren Vorgänger war es ein Armutszeugnis: Vier Jahre ist es her, dass rund 1500 Schüler in Brandenburg zum Halbjahr kein vollständiges Zeugnis erhielten. Zu viel Unterricht war ausgefallen, um Zensuren geben zu können. Das Notendesaster, das Günter Baaske (SPD) damals einräumen musste, blieb seiner Parteikollegin Britta Ernst bislang erspart: Zeugnisnoten seien im Februar in allen Schulen erteilt worden, teilte ihr Sprecher Ralph Kotsch am Montag auf PNN-Anfrage mit. Das Meldesystem für Unterrichtsausfall, das Baaske nach dem Zeugnisfiasko auf den Weg gebracht hatte, funktioniere.

Meldesystem für Notfälle

In Notsituationen informieren Schulleitungen sofort die Schulämter und diese das Ministerium. Im vergangenen Schuljahr ist insgesamt etwas weniger Unterricht komplett ausgefallen als zuvor, wie aus einer aktuellen Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der fraktionslosen Abgeordneten Iris Schülzke hervorgeht. 

Weniger Ausfall trotz steigendem Vertretungsbedarf

Insgesamt konnten im Schuljahr 2017/18 zwei Prozent aller Schulstunden nicht erteilt werden. Das sind 0,1 Prozent Prozentpunkte weniger als 2016/17 – und das, obwohl der Vertretungsbedarf leicht gestiegen ist. Dieses Phänomen, das sich in der Landeshauptstadt Potsdam zeigte (PNN berichteten) gilt also für das ganze Land. Das Ministerium interpretiert die Zahlen so, dass es besser gelungen ist, Ersatzlehrer zu organisieren. Der Vertretungsbedarf lag dem Ministerium zufolge im vergangenen Schuljahr bei 11,2 Prozent und damit um 0,3 Punkte höher als im Schuljahr 2016/2017. Wichtigster Grund dafür seien Erkrankungen von Lehrern. Die in den vergangenen Jahren gestiegene Krankenstandsquote sei auch darauf zurückzuführen, dass mehr junge Lehrerinnen eingestellt worden seien, die in Mutterschutz gegangen wären. 

Probleme sind regional unterschiedlich

Den meisten Unterrichtsausfall gab es in Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel mit jeweils 3,2 Prozent. Die wenigsten Probleme gab es in Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster, wo die Schüler 1,5 Prozent aller Unterrichtsstunden wegen fehlender Lehrer verpassten.

Beim Blick auf die Ausfallstatistik, die für alle staatlichen Schulen erhoben wird, fallen zwei Ausreißer auf: an der Juri-Gagarin-Oberschule in Fürstenwalde (Oder-Spree) wurden13,3 Prozent aller Unterrichtsstunden nicht erteilt, an der Puschkin-Grundschule in Angermünde (Uckermark) elf Prozent. An der Puschkinschule sei der Unterrichtsausfall damit zu erklären, dass es viele Langzeiterkrankte gegeben habe, darunter auch der Schulleiter, erklärt Ministeriumssprecher Kotsch. „Zum Teil wurden die Vertretungen der Langzeiterkrankten selber krank, so dass es zu diesem Ausfall kam“, so Kotsch.

Am Beispiel Fürstenwalde wiederum zeigt sich, wie schwer es sein kann, gerade in berlinfernen Regionen im laufenden Schuljahr Ersatz zu organisieren – aller Vertretungskonzepte und Maßnahmen des Landes zum Trotz. An der Gagarin-Oberschule sei es zum zweiten Halbjahr durch Renteneintritt zweier Lehrer und einem Wechsel in die Elternzeit einer Lehrerin zu einem hohen Vertretungsbedarf gekommen, der trotz aller Anstrengungen des staatlichen Schulamtes nicht durch Bewerberinnen und Bewerber abgedeckt werden konnte, erklärt der Ministeriumssprecher auf Anfrage. Auch Krankheiten von Lehrkräften hätten eine Rolle gespielt. An beiden Schulen seien die Probleme mit Beginn des aktuellen Schuljahres aber gelöst worden.

Keine neuen Lehrer einstellen

Eine Notwendigkeit, akut neue Lehrer einzustellen, sieht das Ministerium hingegen nicht. Die Relation von einem Lehrer auf 14,4 Schüler sei ausreichend, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage. In der vorherigen Legislaturperiode, die 2014 endete, hatte ein Lehrer rechnerisch noch 15,4 Schüler betreut. Da der Unterrichtsausfall aber nicht gestiegen sei, halte man im Ministerium die Zahl der Lehrer für ausreichend und die Instrumente gegen Unterrichtsausfall für wirkungsvoll.

Auf längere Sicht will das Land aber wie berichtet mehr Lehrer ausbilden und so Versäumnisse und Fehlprognosen der Vergangenheit ausgleichen. An der Universität Potsdam, der einzigen Ausbildungsstätte für Lehrer im Land, soll die Zahl der Lehramtsstudienplätze bis zum nächsten Jahr von derzeit 650 auf 1000 pro Jahr ausgebaut werden. Vorerst ist Brandenburg weiter auf Seiteneinsteiger aus anderen Berufen ohne Lehramtsstudium angewiesen, um den Unterricht überall abdecken zu können. Unter den 1114 unbefristeten zum aktuellen Schuljahr neu eingestellten Lehrern waren 26 Prozent Quereinsteiger.

Lehrerausbildung auch in Cottbus gefordert

Die Brandenburger FDP fordert mehr Lehrer. „Dieser Bedarf kann und darf nicht nur über Seiteneinsteiger gedeckt werden“, teilten die Liberalen am Montag mit. Dafür müsse neben der Universität Potsdam mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg ein zweiter Standort für die Lehrerausbildung geschaffen werden. Für ein Lehramtsstudium in Cottbus hatten zuvor bereits die CDU und die Grünen geworben.