• Betonkrebs statt blühende Landschaften Debatte über marode Straßen und Helmut Kohl

Brandenburg : Betonkrebs statt blühende Landschaften Debatte über marode Straßen und Helmut Kohl

Rochus Görgen (dpa)

Potsdam - Die Dauerstaus auf Brandenburgs Autobahnen wegen der Bekämpfung von Betonkrebs-Schäden haben auch die Gemüter im Potsdamer Landtag erhitzt. In einer lebhaften Debatte wurden dabei am Freitag sogar die Rolle von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und frühe Warnungen von DDR-Experten thematisiert. Ein Antrag der CDU, mit dem die Arbeiten an den Bundesautobahnen beschleunigt werden sollten, wurde von der rot-roten Koalition schließlich abgelehnt. Betonkrebs ist eine chemische Reaktion, die im Laufe der Zeit Fahrbahnen bröseln lässt, weil ungeeigneter Kies verbaut worden war.

Der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke kritisierte, dass im Land freitags neue Baustellen eingerichtet würden, obwohl bis Montag dann niemand arbeite. „Das Baustellenmanagement ist miserabel“, rief er. „Wir kriegen nicht nur keinen Flughafen fertig, sondern auch nicht die Autobahnen“, so Genilke. Er verwies dabei auf Prognosen aus den Behörden, wonach die Sanierung aller Trassen nicht vor dem Jahr 2030 abgeschlossen sein werde.

Die SPD-Abgeordnete Kerstin Kircheis schob die Schuld dagegen auf die CDU. Betonkrebs habe im Osten zusammengerechnet einen Schaden von rund einer Milliarde Euro verursacht. Schon Anfang der 1990er Jahre habe es Hinweise gegeben, dass die Betonmischung nicht haltbar sein werde. Der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) habe aber den Weg zu blühenden Landschaften schnell ebnen wollen. Der Linken-Abgeordnete Andreas Bernig meinte, Experten aus der DDR hätten frühzeitig auf die Risiken hingewiesen – doch auf die habe kurz nach der Wende niemand hören wollen.

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) berichtete, aktuell seien rund 130 Kilometer Richtungsfahrbahnen in Brandenburg sicher von Betonkrebs betroffen, bei weiteren 120 Kilometern bestehe ein Verdacht. Ein Großteil der Schäden werde in den kommenden Jahren beseitigt, Arbeiten über 2030 hinaus beträfen Strecken, die jetzt provisorisch repariert und dann grundsätzlich erneuert würden.Rochus Görgen (dpa)