• Berliner feierte Aylans Tod im Internet: Kurz darauf wird seine Wohnung durchsucht

Berliner feierte Aylans Tod im Internet : Kurz darauf wird seine Wohnung durchsucht

Berlin - Sonnabendfrüh durchsuchten Beamte des Staatsschutzes als Reaktion auf ein Hass-Posting die Wohnung des mutmaßlichen Verfassers in Berlin-Hellersdorf. Der 26-Jährige soll bei Facebook den auf der Flucht nach Europa ertrunkenen dreijährigen Aylan mit folgendem Kommentar verunglimpft haben: „Wir trauern nicht sondern wir feiern es! Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!“ Dies teilte das Berliner Polizeipräsidium mit. Bei der richterlich angeordneten Durchsuchung wurden bei Benjamin Sch. ein Computer sowie zwei Mobiltelefone sichergestellt. Ermittelt wird wegen Volksverhetzung und „Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“. Sch. ist auf freiem Fuß.

Die Geräte würden nun ausgewertet, sagte ein Sprecher der Polizei. Wenn der Staatsschutz seine Ermittlungen abgeschlossen habe, gehe das Verfahren an die Staatsanwaltschaft, die dann über eine Anklage entscheide. Ihm drohen dann bis zu zwei oder bis zu fünf Jahre Haft. Auch eine Geldstrafe wäre möglich.

Parallel ging die Boulevardzeitung „BZ“ in die Offensive. Die BZ forderte Freitagabend die Facebook-Seite „Berlin wehrt sich“ auf, Links zu Zeitungsartikeln der „BZ“ zu löschen. Die Hetze gegen den ertrunkenen Aylan war mit einem BZ-Foto des Kindes illustriert. Chefredakteur Peter Huth postete um 17.21 Uhr ein Ultimatum: „Ihr habt jetzt genau neun Minuten Zeit, diesen und alle anderen BZ-Links von Eurer Hohlkopf-Seite zu nehmen, um exakt 17.30 Uhr schicke ich Euch alles auf den Hals, was wir an Anwälten zu bieten haben und das sind auf jeden Fall mehr als ihr Gehirnzellen habt.“

Das Polizeipräsidium betonte, dass der Staatsschutz die Hetze eigenständig entdeckt hatte. Zu der Nachricht hatten die Polizei mehr als 100 Anzeigen erreicht. Inzwischen hat Facebook das Posting gelöscht. Auch in dem sozialen Netzwerk hatten Nutzer es wegen seines verachtenden Inhalts gemeldet.

Benjamin Sch. ist in vielen sozialen Netzwerken aktiv, zuvor soll er auch den Mann als „unseren Held“ gefeiert haben, der vor einigen Tagen in einer S-Bahn auf Kinder urinierte und sie als „Asylantenpack“ beschimpfte. Auch der Polizei ist Sch. bekannt. In den Akten finden sich Vorwürfe zu Volksverhetzung, Körperverletzung, Diebstahl und dem Erschleichen von Leistungen. Der Mann wurde zunächst wieder entlassen. Laut „B.Z.“ ist er selber Vater eines einjährigen Sohnes.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte zu dem Hass-Posting: „Man muss schon eiskalt und völlig hasszerfressen sein, um das Schicksal eines toten Kindes so widerlich zu kommentieren.“ Er forderte „ein klares Stoppzeichen gehen diese Ekelpropaganda“. Die Berliner Sicherheitsbehörden würden dagegen vorgehen. „Wer hetzt, soll auch Druck spüren“, sagte Henkel. Die Betreiber sozialer Netzwerke hätten dabei ebenfalls eine Verantwortung, gegen Hasskommentare vorzugehen. Insbesondere Facebook war zuletzt deutlich kritisiert worden, weil hetzerische Einträge trotz Beanstandung zum Teil im Netz bleiben.

Der leblose Körper des dreijährigen kurdischen Jungen Aylan war am Mittwoch an einen Strand im türkischen Bodrum gespült worden. Das Foto des toten Kindes löste international Bestürzung aus.Ha, axf, dpa

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