• BER-Desaster: Pfusch im Terminal: Entkernungen nicht ausgeschlossen

BER-Desaster : Pfusch im Terminal: Entkernungen nicht ausgeschlossen

Zurück zum Rohbau: Das neue Flughafen-Terminal Schönfeld ist ein Sanierungsfall. Die Beobachtungen eines Bauunternehmers decken sich mit der Mängelliste des Technik-Chefs Horst Amann.

Peter Tiede

Potsdam/Berlin -  Nach PNN-Recherchen könnte im Inneren sogar ein Umbau mit teilweisen Entkernungen und einer Wiederholung im Innenausbau nötig werden. Das geht aus dem Augenzeugenbericht eines Bauunternehmers, der genau in der „heißen Phase“ von Anfang 2011 bis Frühjahr 2012 mit seiner Firma unmittelbar vor Ort tätig war, zum hinter BER-Wänden verborgenen Pfusch hervor. Seine Schilderungen gegenüber den PNN korrespondieren mit der Mängelliste von Technik-Chef Horst Amann, mit der dieser im Schreiben vom 4. Januar 2013 an Brandenburg, Berlin und den Bund den Eröffnungstermin 27.10.2013 absagte. Der neue Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) hat bereits einen weitgehenden Rückbau auf die genehmigte Planung angekündigt, um einen funktions- und genehmigungsfähigen Flughafen zu erreichen. Dafür müssen rechtswidrige Abweichungen von der Baugenehmigung im Zuge des BER-Baus rückgängig gemacht werden. Platzeck geht bislang davon aus, dass dafür lediglich die Systeme der technischen Gebäudeausrüstung, etwa Rauchklappen oder Brandmelder umgebaut werden müssen. Ähnlich zuversichtlich äußerte sich auch Amann: Etwa nötige Abrisse oder Entkernungen seien nicht nötig.

Doch nach PNN-Recherchen sind die nicht ausgeschlossen. Die fehlende Brandschutzsicherheit des Terminals liegt nämlich nicht allein an der bisher nicht funktionierenden, komplizierten Entrauchungstechnik der Firmen Siemens und Bosch, sondern auch am Gebäude selbst. Nämlich am verpfuschten Innenausbau. Die elementare Voraussetzung für die Entrauchungsanlage, dass Gebäudebereiche untereinander hermetisch abgeschottet sein müssen, ist nach den Schilderungen des im Industriebau erfahrenen Mittelständlers im BER-Terminal nicht gewährleistet. Der Rauch kann sich – statt über die vorgesehenen Schächte – unkontrolliert zu viele andere Wege suchen. Bekannt ist bereits, dass die Ergebnisse der Entrauchungstests katastrophal sind. Den Mann, der fast täglich auf der Baustelle war, überrascht das nicht. Er hat erlebt, wie Mauern an den Decken nicht ordnungsgemäß mit Brandschutzmörtel abgedichtet wurden. Er berichtet von wild durch Mauern verlegten Kabeln, von Schächten, die verschlossen wurden, obwohl Brandschutz-Abschottungen oder Trennwände fehlten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der Freitagausgabe der Potsdamer Neuesten Nachrichten - dort finden Sie auch die genaue Mängelliste des Technik-Chefs Horst Amann.