BER-Debakel : Alles auf Anfang in Schönefeld

Die Flughafengesellschaft und die entlassenen Planer um das Architekturbüro gmp gehen wieder aufeinander zu.

Alexander Fröhlich

Berlin/Potsdam -  Beide Seiten sind um Entspannung bemüht, dass wurde am Donnerstag am Rande der Sitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages deutlich.

Zuvor gab es ein Tauziehen darum, ob auch Vertreter des Architektur- und Planungsbüros gmp um den Stararchitekten Meinhard von Gerkan Auskunft geben dürfen zum Flughafenprojekt. Die Flughafengesellschaft (FBB) wollte nach PNN-Informationen zunächst verhindern, dass ein Vertreter von gmp vor dem Verkehrsausschuss detailliert über den BER-Bau sprechen darf. Die Flughafengesellschaft hatte es zunächst abgelehnt, gmp von der vertraglichen Verschwiegenheitspflicht zu entbinden.

Vor dem Verkehrsausschuss dann hatte sich das Problem erledigt. Offenbar liegt das auch an dem neuen Chef des Aufsichtsrates, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Möglicherweise, so mutmaßen Experten und Insider, könnte die neue Tonlage ein erster Schritt zu einer Beilegung des Konflikt sein, an deren Ende die Flughafengesellschaft das Architektenbüro wieder ins Boot holen könnten, um das BER-Projekt gemeinsam zu beenden. Denn inzwischen ist klar, dass die Entlassung von gmp im Sommer 2012 ein Fehler war. Seither herrscht dadurch nämlich Stillstand auf der Baustelle. Das bestätigte inzwischen sogar Technik-Chef Horst Amann.

Nachdem im Mai 2012 einen Monat vor dem Termin die Eröffnung geplatzt war, hatte die Flughafengesellschaft gmp rausgeschmissen. Seither befinden sich gmp und die Flughafengesellschaft im Rechtsstreit. Das Büro war zusammen mit dem Partner JSK in der Planungsgemeinschaft BBI (PG BBI) für den Bau im Auftrag der Flughafengesellschaft zuständig. Nach der Verschiebung des Eröffnungstermins im vergangenen Mai war die PG BBI von der Flughafengesellschaft gekündigt und vor dem Landgericht Potsdam verklagt worden, weil die Pläne unvollständig und teilweise falsch gewesen seien. Die angegebene Schadenssumme beläuft sich auf 80 Millionen Euro.

Das weltweit renommierte Büro gmp erhebt allerdings in der Klageerwiderung selbst schwere Vorwürfe gegen die Flughafengesellschaft der Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes und den Aufsichtsrat. Die FBB habe das Termin- und Finanzchaos selbst verursacht. 286 Planänderungsanträge bis Mai 2012 hätten zu einer „fortdauernden Behinderung der eigenen Baustelle“ geführt. Die Manager hätten mit Umbauwünschen den Bauablauf „regelrecht zerschossen“. Überdies hätten sie „wider besseres Wissen gegenüber ihrem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit“ suggeriert, dass das Terminal „pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne“. Die Warnungen, wegen der vielen Änderungen seien Termine und Kosten nicht zu halten, seien jahrelang ignoriert worden. Tatsächlich war die Flughafengesellschaft nach PNN-Recherchen bereits im Frühjahr 2008 von gmp schriftlich gewarnt worden, dass das Terminal nicht für die geplanten 630 Millionen Euro zu bauen ist.

Die Suche nach einem Retter für den künftigen Hauptstadtflughafen gestaltet sich indes schwierig. Einen neuen Chef für die Betreibergesellschaft zu finden, dürfte einige Wochen dauern, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), am Donnerstag in Berlin. Er ließ erkennen, dass die Suche angesichts begrenzten Spielraums bei der Bezahlung nicht ganz leicht sei. Der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz war wegen des Desasters um schwere Baumängel entlassen worden. Bevor ein neuer Eröffnungstermin nach vierfacher Verschiebung für das Milliardenprojekt genannt wird, soll das Ausmaß der Probleme vor allem beim Brandschutz geklärt werden. (mit dpa)