• Baustelle für Tesla-Fabrik in Grünheide: Corona in Serie

Baustelle für Tesla-Fabrik in Grünheide : Corona in Serie

Auf der Tesla-Großbaustelle in Grünheide gibt es weitere Infektionen. Die Behörden und Tesla nennen keine Zahlen. Die Lage ist wohl stabil.

Unter Kontrolle? Insgesamt sollen sich bis zu 100 Arbeiter auf der Baustelle in Grünheide mit dem Coronavirus infiziert haben. Das Unternehmen selbst äußerte sich dazu nicht, soll aber verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen haben. Foto: Patrick Pleul/dpa
Unter Kontrolle? Insgesamt sollen sich bis zu 100 Arbeiter auf der Baustelle in Grünheide mit dem Coronavirus infiziert haben. Das...Foto: dpa

Grünheide/Beeskow - Es sind Tage zusätzlicher Hochspannung für das Tesla-Team „Giga Berlin“, wie Elon Musk die künftige Europa-Gigafactory des US-Konzerns in Grünheide (Oder-Spree) oft nennt: Doch inzwischen halten gut unterrichtete Kreise nach PNN-Informationen den Corona-Ausbruch auf der Großbaustelle für einigermaßen unter Kontrolle, da die Zahl der mit Covid19-infizierten Mitarbeiter nicht weiter deutlich ansteigt. 

Allerdings ist das Ausmaß des Corona-Problems offenbar doch größer als bisher bekannt. Mit dem schnellen Krisenmanagement, mit dem von Tesla auf der Baustelle installierten Testzentrum, waren weitere Fälle festgestellt worden. Nach PNN-Informationen soll die Zahl der Infizierten auf der Baustelle, auf der ungefähr 1000 Menschen tätig sind, bis Freitag „auf zwischen 80 und 100“ gestiegen sein. Andere Quellen sprechen, ohne Stichtag, vom „mittleren zweistelligen Bereich“. Anfang der Woche gab es, wie diese Zeitung publik machte, 20 Infizierte und 40 Mitarbeiter unter Quarantäne. Eine Bestätigung gibt es nicht.

Raum für Spekulationen

Die Behörden und Tesla nennen keine Zahlen, was Raum für Spekulationen bietet. Die Infektionslage des Kreises Oder–Spree zeigt bisher keine signifikanten Auffälligkeiten, die es es bei einem Massenausbruch geben würde. Das Gesundheitsministerium unter Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) verweist bisher darauf, dass für „lokale Ausbruchsgeschehen“ der Kreis zuständig sei. 

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Der Kreis Oder-Spree hatte am Donnerstag dieser Zeitung erstmals überhaupt das Corona-Problem auf der Tesla-Baustelle bestätigt. Es gehe um „eine zweistellige Größenordnung“ sagte Kreissprecher Mario Behnke am Freitag. „Die Lage ist unverändert.“ Am Vortag hatte der Kreis erklärt, dass das Gesundheitsamt in einem sehr engen Austausch mit Tesla sei. „Dass eine der größten Baustellen in Deutschland bei einem sich gerade wieder beschleunigenden Pandemiegeschehen nicht außen vor bleibt, war zu erwarten“, hieß es da. 

Bislang keine zusätzlichen Maßnahmen

„Aus den uns vorliegenden Unterlagen und den intensiven Gesprächen mit dem Unternehmen haben wir den Eindruck gewonnen, dass auf der Baustelle aus eigenem Interesse eine hohe Sensibilität für mögliche Risiken besteht, die sich aus der Corona-Thematik ergeben“, hatte Behnke gesagt. „Die Anordnung zusätzlicher Maßnahmen durch das Gesundheitsamt war daher bislang nicht erforderlich.“ Auffällig ist, wie vorsichtig die Formulierungen sind.

Elon Musk
Elon MuskFoto: Britta Pedersen/AFP

Dass keine weiteren Details genannt werden, obwohl es durch die große Zahl der dort Tätigen automatisch Wechselwirkungen zwischen Baustelle und Bevölkerung gibt, begründete der Landkreis gegenüber den PNN so: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir bei einem privaten Unternehmen nicht auf die Details des Infektionsgeschehens, des Hygienekonzeptes und dessen Umsetzung eingehen können.“ Das US-Unternehmen selbst, das nach außen zum eigenen Nachteil immer noch nicht direkt kommuniziert, nennt keine Zahlen. Ein Tesla nahestehender Brancheninsider hat jedoch Auskünfte zum eingeleiteten Krisenmanagement gegeben, etwa auf das Testzentrum hingewiesen.

Prodiktionsstart für Juli geplant

Tesla will in Grünheide ab Juli 2021 die ersten Fahrzeuge vom Band rollen lassen. An diesem Ziel hält das Unternehmen fest, obwohl dieser Fahrplan an verschiedenen Flanken immer mehr ins Wanken gerät, etwa durch die immer noch fehlende Fünf-Kilometer-Abwasserleitung nach Erkner.

Die Pandemie ist nicht nur wegen der Gefahr direkter Corona-Fälle ein Risiko für das Projekt: Auf der Baustelle arbeiten aktuell viele Ingenieure und Monteure einer polnischen Firma, die wichtige Elektroarbeiten in den Hallen ausführt. Würde die Grenze nach Polen komplett dicht gemacht, bekäme Tesla ein Giga-Problem.

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