Bauschwerpunkte im S-Bahn-Netz : Bauen statt fahren

Die Bahn investiert in diesem Jahr 550 Millionen Euro in das Netz der Region. Dadurch kommt es zu Einschränkungen. Wo die sein werden:

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Einige große und viele kleinere Baustellen werden Fahrgästen der Bahn auch in diesem Jahr das Fahren schwermachen. Bis zu hundert Baustellen gibt es täglich in der Region. Dafür investiert die Bahn nach eigenen Angaben rund 550 Millionen Euro, wovon ein Großteil vom Bund stammt. Allein 33 Brücken sind in diesem Jahr zu erneuern. Nach Angaben des Berliner Bahnchefs Alexander Kaczmarek will die Bahn 210 Fachleute neu einstellen, so dass es dann 2165 „Bau“-Mitarbeiter gibt. Die Neuen müssen aber noch gefunden werden.

VERBINDUNG WANNSEE–POTSDAM

Schon ab dem 2. März müssen Potsdamer und Mittelmärker durch die Bauarbeiten mit großen Einschränkungen leben. Wie berichtet werden dort Gleise und Weichen zwischen Berlin Wannsee und Potsdam-Rehbrücke ausgetauscht. Fernverkehrszüge werden bis zum 11. März ohne Halt in Wannsee und Potsdam Hauptbahnhof umgeleitet. Auch die Züge des RE1 und RE7 halten dort in diesem Zeitraum nicht. Die in Brandenburg Hauptbahnhof endenden Züge werden zwischen Berlin Charlottenburg und Werder (Havel) über Golm umgeleitet. Die nach Magdeburg fahrenden Züge des RE1 enden in Potsdam Hauptbahnhof und beginnen neu in Berlin Wannsee, dazwischen müssen Fahrgäste die S-Bahn nutzen. Die Züge des RE7 fahren von Beelitz-Heilstätten ohne Halt über Golm und Spandau nach Berlin Charlottenburg. Nach Seddin, Michendorf, Wilhelmshorst, Potsdam-Rehbrücke und Medienstadt Babelsberg fahren dann nur Busse. Auch die Regionalbahnen 21 und 22 fallen zwischen Potsdam und Berlin aus. Die Linie 2 3 fällt komplett aus und wird durch Busse ersetzt. Zwischen dem 12. und dem 25. März fährt der RE1 wieder normal, ebenso die RB 21 und 22. Der RE7 wird ab Berlin Wannsee aber über Potsdam Hauptbahnhof nach Beelitz-Heilstätten geleitet. Die Regionalbahn 23 entfällt auch in diesem Zeitraum. Es gibt Busersatzverkehr.

RATHENOW

Bei der Bahn hofft man, im Zuge der Arbeiten auch einen Engpass auf der Strecke beseitigen zu können – im Trappenschutzgebiet bei Rathenow. Um die seltenen Großvögel vor dem Zugbetrieb zu schützen, baute man auf einer Länge von vier Kilometern bis zu sieben Meter hohe Dämme als Überflughilfe für die Trappen beim Queren der Gleise. Zudem verzichtete man auf einem 17 Kilometer langen Abschnitt auf den Bau eines dritten Gleises für den Regionalverkehr, der hier die Gleise der Fernbahn mitnutzen muss, was den Betrieb erheblich einschränkt. Die schnellen Züge müssen außerdem wegen der Trappen ihr Tempo drosseln. Volles Tempo und das dritte Gleis wünscht sich die Bahn.

KAROWER KREUZ

Die Baustelle, die auch die Planer am meisten schmerzt, bleibt der Umbau am Karower Kreuz, wo ein zweites Gleis gelegt und gleich mehrere Brücken sowie Lärmschutzwände neu gebaut werden. Betroffen sind hier der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Noch bis zum 15. März und dann wieder vom 29. Juli bis 29. August ist die Verbindungskurve von der Stettiner Bahn zum Außenring gesperrt. Damit ist jeweils die Direktfahrt aus Berlin Richtung Rostock unterbrochen; die Züge fahren nur von und bis Oranienburg. Richtung Berlin geht es mit der S-Bahn-Linie S 1 weiter. Die Linien S 2 und S 8 werden vom 26. Juni bis 17. August abschnittsweise gesperrt.

S-BAHN

Bei der S-Bahn konzentriert man sich auf den Ausbau des neuen Signalsystems ZBS, das – theoretisch – auch den Einsatz von fahrerlosen Zügen ermöglicht. Längere Sperrungen (siehe Karte) gibt es deshalb im Südabschnitt der Linie S 2, ebenfalls bei der S 2, bei der S 5 auf dem Spandauer Ast sowie bei der S 7 Richtung Potsdam. Ein Auswechseln der Schienen auf der Stadtbahn führt im Sommer zu einem knapp zweiwöchigen Busersatzverkehr.

WARSCHAUER STRASSE

Im neuen Bahnhof Warschauer Straße halten die S-Bahnen ab Dezember auch am zweiten Bahnsteig, der derzeit neu gebaut wird. Noch in diesem Jahr sollen nach Angaben der Bahn die ersten Geschäfte öffnen.

OSTKREUZ

Am Ostkreuz, das seit mehr als zehn Jahren umgebaut wird, sollen die Arbeiten in diesem Jahr weitgehend beendet werden. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember soll es zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof durchgehend vier Gleise für die S-Bahn geben. Im Dezember sollen auch die neuen Regionalbahnsteige für Züge aus Richtung Lichtenberg betriebsbereit sein. Bis Anfang Mai soll der Deckel über dem Vorratsbau für die geplante Verlängerung der Stadtautobahn A 100 unter dem Ostkreuz fertig sein. Auf ihm steht die Stütze der Fußgängerbrücke über den Bahnsteigen, die am Nordende Richtung Sonntag straße verlängert wird.

SCHÖNEWEIDE

In drei Jahren soll auch der Umbau des Bahnhofs Schöneweide abgeschlossen sein, wo seit 2011 gebaut wird. Hier können auch Autofahrer aufatmen. Der seit Jahren wegen des Neubaus der Bahnbrücken ganz oder teilweise gesperrte Sterndamm kann im Juni freigegeben werden. Die Bahn setzt die Arbeiten unter anderem mit der Grunderneuerung des Bahnhofsgebäudes fort. Investiert werden nach Angaben der Bahn allein hier rund 45 Millionen Euro.

DRESDNER BAHN

Für den Ausbau der Dresdner Bahn mit zwei weiteren Gleisen wird im März der Bahnübergang Säntisstraße geschlossen. Der S-Bahn-Betrieb soll zunächst weitgehend aufrecht gehalten werden. Später wird es aber auch Vollsperrungen geben. Die ersten Fern- und Regionalzüge sollen 2025 oberirdisch fahren – dann auch als Airport-Express zum BER.

S 21

Der Neubau der S-Bahn-Verbindung vom Nordring zum Hauptbahnhof soll nach dem Willen der Bahn nicht mehr als S 21 bezeichnet werden. Der Begriff erinnere zu sehr an das Desaster mit dem S 21 genannten Neubau der Bahnanlagen in Stuttgart, heißt es. Nun soll die Verbindung „City-S-Bahn“ heißen.

WERK RUMMELSBURG

Weiter geht ferner der Umbau des Werkes Rummelsburg, in dem auch der neue ICE 4 der Bahn gewartet wird. Kosten: mehr als 80 Millionen Euro. (mit eb)

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