• Bäckereien verkleinern Sortiment: Preise steigen im Brandenburger Handwerk

Bäckereien verkleinern Sortiment : Preise steigen im Brandenburger Handwerk

Von stark steigenden Rohstoff- und Energiepreisen sind praktisch alle Bereiche im Handwerk betroffen. Betriebe müssen ihre höheren Ausgaben weitergeben - Handwerkerleistungen werden damit teurer.

Gudrun Janicke
Tobias Exner, Inhaber der Bäckerei Exner.
Tobias Exner, Inhaber der Bäckerei Exner.Foto: dpa

Potsdam - In vielen Bereichen ziehen die Preise an: Das Brandenburger Handwerk spürt die höheren Kosten der Lieferanten für Rohstoffe, wie die Handwerkskammer Potsdam sagt. Noch gebe es keine vermehrten Meldungen zu Insolvenzen oder der Aufgabe des Geschäftsbetriebes.

In den 40 Bäckereifachgeschäften und Cafés der Brandenburger Bäckerei Exner in Berlin und Brandenburg haben seit vergangenem Jahr die Preise für Brot, Brötchen und Kuchen im Schnitt um fünf bis zehn Prozent angezogen. „Wenn neue Rohstoffpreise kommen, müssen mir schnell reagieren“, sagt Geschäftsführer Tobias Exner. Ein Liter Speiseöl habe 2020 etwa 82 Cent gekostet, derzeit seien es drei Euro. 

„Quarkbällchen und Spritzkuchen, die sehr heiß ausgebacken werden müssen, wodurch das Fett schnell verdirbt, haben wir aus dem Sortiment genommen“, sagte er. Praktisch nicht mehr erhältlich sind nach seinen Angaben Cranberrys. Statt mit diesen Früchten werden Dinkelbrötchen bei ihm jetzt mit Rosinen gebacken.

Lieferanten von Dachziegeln nehmen keine Aufträge mehr entgegen

Zu spüren sind Lieferengpässe und Preiserhöhungen auch im Dachdeckerhandwerk, wo Lieferanten von Dachziegeln bereits keine Aufträge mehr entgegennehmen würden, heißt es. Kurzfristige Lieferungen seien kaum möglich, verarbeitet werden könne nur das, was er oder der Händler noch auf Lager habe, sagt Frank Schildhauer, Geschäftsführer der Schildhauer Dachdeckermeister GmbH in Potsdam mit sechs Mitarbeitern. „Möglicherweise im Juni kann ich wieder Dachziegel bestellen“, sagt er. Die Lieferung von Fenstern sei noch kein Problem. „Allerdings gab es bereits die zweite Preisanpassung bei einem Hersteller in diesem Jahr“, sagt er. Wohndachfenster kosteten damit 18 Prozent mehr.

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Für Dachziegel müssten seit Herbst vergangenen Jahres 40 Prozent mehr gezahlt werden, nennt er ein weiteres Beispiel. Seinen Kunden - vor allem Privatleute - unterbreite er aufgrund der unkalkulierbaren Preisentwicklungen nur noch sogenannte freibleibende Angebote. „Erst kurz vor dem Ausführungstermin werden dann die genauen Konditionen vereinbart“, sagt Schildhauer. Er wisse dann genau, was die Materialien kosteten. Die Kunden könnten sich überlegen, ob sie das Angebot annehmen. „Man muss jetzt in viele Richtungen flexibel sein“, sagte e: „Die Kosten für den Kunden haben sich seit vergangenen Herbst um 10 bis 20 Prozent erhöht.“

Frank Schildhauer, Geschäftsführer der Schildhauer Dachdeckermeister GmbH in Potsdam.
Frank Schildhauer, Geschäftsführer der Schildhauer Dachdeckermeister GmbH in Potsdam.Foto: dpa

Betriebe berichten von täglichen Preiserhöhungen

Im Lebensmittelhandwerk sind Preiserhöhungen an der Ladentheke sofort spürbar, das trifft jeden Kunden. „Bei einem Anstieg von 2,50 Euro pro Kilogramm gefrorene Himbeeren binnen Jahresfrist auf 8 Euro muss auch das Preisschild geändert werden“, sagt Exner. Noch habe er aber Himbeeren im Lager.

Handwerksbetriebe berichteten von täglichen Preiserhöhungen, unter anderem im Baustoffhandel, heißt es bei der Handwerkskammer. Das betreffe Bitumen, Dämmmaterialien, Metalle oder Dachrinnen, aber auch die Rohstoffe in vielen anderen Bereichen.

Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburger Industrie- und Handelskammern sind neun von zehn Unternehmern von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen betroffen. Das gehöre zu den größten wirtschaftlichen Risiken. Dafür müssten kurzfristig und perspektivisch Lösungen gefunden werden, wird betont.

Bei den Handwerksbetrieben geht derzeit dazu eine große Flut von Anfragen von Kunden ein, die kaum zu bewältigen sei, heißt es bei der Potsdamer Handwerkskammer. „Noch haben die Kunden Verständnis.“ Allerdings sei zum Zeitpunkt der Auftragserteilung noch für viele unklar, ob das Vorhaben später auch noch finanziell zu tragen sei. Dann könnten nach den Angaben wieder Aufträge wegbrechen.

In der Bäckerei Exner laufen letzte Planungen für eine Photovoltaikanlage. Sie soll künftig am Stammsitz in Beelitz Strom liefern. (dpa)

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