Brandenburg : Baden statt Baggern

Aus einem ehemaligen Tagebau soll einmal der größte künstliche See Deutschlands entstehen

Anna Ringle
Trockenübung. Symbolisch markieren Luftballons und Bänder den künftigen Flutungskanal beim ersten Spatenstich für das Einlaufbauwerk zum Fluten des ehemaligen Braunkohletagebaus Cottbus-Nord unweit von Cottbus. Das Fluten soll fünf bis sieben Jahre dauern.
Trockenübung. Symbolisch markieren Luftballons und Bänder den künftigen Flutungskanal beim ersten Spatenstich für das...Foto: Patrick Pleul/dpa

Cottbus - Bagger gab es im Tagebau Cottbus-Nord in den vergangenen Jahrzehnten viele. Sie halfen dabei, die Braunkohle aus der Grube zu holen. Der Bagger, der jetzt ganz oben am Rande der gewaltigen Kohlegrube steht, ist nun der erste Schritt für etwas ganz anderes. Ein Einlaufbauwerk entsteht. Wasser aus der Spree wird darüber ab dem Winterhalbjahr 2018/19 in den stillgelegten Tagebau laufen. Voraussichtlich fünf bis sieben Jahre lang soll geflutet werden. Und danach soll gebadet und geplanscht werden.

Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) sitzt am Freitag in dem Bagger und schaufelt erste Erde weg – Spatenstich. Daneben sind kleine Sonnenstühle und -schirme drapiert, die zeigen sollen, wie es mal sein könnte. Badefeeling statt Braunkohle.

Der Tagebau Cottbus-Nord wurde Ende 2015 planmäßig noch vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall stillgelegt. Die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) ist seit Herbst des vergangenen Jahres neuer Revier-Besitzer und übernahm damit auch das Renaturierungsprojekt Cottbus-Nord, das einmal Deutschlands größter künstlicher See mit 19 Quadratkilometern Wasseroberfläche sein wird. Am Ende wird Leag voraussichtlich 300 Millionen Euro in das Projekt investiert haben, wie Leag-Vorstandsmitglied Uwe Grosser sagt.

In Ostdeutschland gibt es viele solcher gefluteten Gruben. In der Lausitz entsteht ein ganzes Seenland, das über eine Kette verbunden wird. Anders als bei Cottbus-Nord ist für die Sanierung von Tagebauen zu DDR-Zeiten, die mit der Wende stillgelegt wurden, der Staat zuständig. Bund und Braunkohleländer vereinbaren alle paar Jahre ein Abkommen, das die Finanzierung regelt.

Am Freitag unterschrieben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sowie die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen das sechste Abkommen zur Finanzierung der Rückbaumaßnahmen in Höhe von 1,23 Milliarden Euro. Die Höhe des Abkommens war schon im vergangenen November bekannt geworden.

Mit dem ersten Spatenstich an der Grube Cottbus-Nord schwang auch Kritik von den Grünen und vom Umweltnetzwerk Grüne Liga mit. Diese drehte sich darum, dass noch keine grundsätzliche wasserrechtliche Genehmigung des Seeprojekts von Landesbehördenseite vorliegt. Unterlagen werden dort noch geprüft. Für den Bau des Einlaufbauwerks liegt allerdings bereits eine Zulassung des Landesbergamtes vor, wie Leag mitteilt.

Im vergangenen November hatte es Beanstandungen gegeben, was die Erteilung der wasserrechtlichen Erlaubnis zur Ausleitung des Oberflächenwassers angeht, wie das brandenburgische Landesumweltamt mitteilt. Auf Grundlage der damaligen Unterlagen konnte demnach eine Verschlechterung der Gewässer, die in Verbindung mit dem Cottbuser Ostsee stehen, nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Danach seien überarbeitete Antragsunterlagen vorgelegt worden, die nun noch geprüft werden, wie es weiter heißt. (dpa)

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