Brandenburg : Außerhalb des PROTOKOLLS

Klebende Botschaft

Keine Aufkleber an Dienstwagen des Landes Brandenburg! Das war eine eiserne Regel – bislang. Doch nun ist Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg eine „Liberalisierung“ gelungen – für einen guten Zweck.

Rautenberg engagiert sich schon lange für ein besseres deutsch-polnisches Verhältnis. Deshalb hat der kunstsinnige „General“ sogar selbst einen Aufkleber zu Ehren des polnischen Freiheitskämpfers Ludwik Mieroslawski kreiert, der 1848 auch für einen demokratischen deutschen Nationalstaat stritt.

Nun ja, das Fahrerlager des Landes hat die Anti-Aufkleber-Regeln tief verinnerlicht. In einem Telefonat mit Rautenberg stellte Finanzminister Rainer Speer (SPD) jedoch jetzt klar: Als Herr des brandenburgischen Fuhrparkes habe er „nichts dagegen“. Nun ist Rautenberg gespannt, welche Wagen die Plaketten „Für unsere und Eure Freiheit“ mit Mieroslawski und gekreuzten deutsch-polnischen Flaggen tragen werden. Eine der ersten war Vizeparlamentspräsidentin Gerlinde Stobrawa (Linkspartei) – sie fuhr damit nach Slubice, wo eine Gedenktafel für Mieroslawski enthüllt wurde.

Heißes Erbe

Merkwürdig, dieses Wetter, schlimm, dieser Klimawandel. Man sollte gewappnet sein, wenn es heißer und Brandenburg zum Steppen-Land wird. Das wäre jedenfalls eine Erklärung, warum plötzlich Afrika bei märkischen Politikern „in“ ist. Bildungsminister Holger Rupprecht reiste gerade dienstlich nach Burundi, wo er sich mit dem Präsidenten schon mal über Schulen in der Wüste austauschte. In Potsdam diskutierte man über eine Partnerschaft mit Sansibar, der schönen Insel vor Tansania.

Und die SPD-Landtagsabgeordneten Jens Klocksin und Andreas Kuhnert haben jetzt eine Anfrage an die Regierung zur „Brandenburgischen Landnahme in Afrika“ gestellt: Schließlich hatte Brandenburg im 17. Jahrhundert eine eigene Kolonie, Groß Friedrichsburg, im heutigen Ghana. Von dort hatten die „brandenburgischen Kolonialherren“ schätzungsweise 30 000 Sklaven nach Amerika verschifft“.

Weil das ein schweres Erbe ist, werden gut bezahlte Ministeriale nun dank der Anfrage wochenlang über den „Stellenwert“ der „brandenburgische Kolonialgeschichte in der heutigen brandenburgischen Erinnerungskultur“ brüten – vermutlich keinen; aber Regierungschef Matthias Platzeck hat ja die Linie für seine Regierung schon vorgegeben: „Zukunft braucht Herkunft“. Das gilt erst Recht für eine heiße.

Thorsten Metzner

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