Brandenburg : Außerhalb des PROTOKOLLS

Thorsten MetznerD

Kleider machen auch Leute

Manch eine Vorneweg-Verteidigung kann auch nach hinten losgehen: Die Erfahrung machte gerade Ex-Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der seine umstrittene Kritik an der verbreiteten Stillosigkeit in Ostdeutschland, „im Umgang wie in der Kleidung“ jetzt relativierte. Er habe damit ja nicht die Ostdeutschen, sondern nur einige Mitglieder der Potsdamer Landesregierung gemeint. Er nannte ausdrücklich den früheren und heutigen SPD-Sozialminister Günter Baaske, der 2004 in T-Shirt und ohne Krawatte vereidigt worden sei. Pech nur, dass dies nicht stimmt, wie ihn Baaske in einem ironisch-sarkastischen Brief jetzt aufklärte: Abgesehen, dass die Vereidigung schon 2002 war, sei er „anlassgemäß im Anzug und mit Knigge-gemäß gebundener Krawatte“ erschienen. Im Übrigen, so Baaske, habe er schon zu DDR-Zeiten Ärger wegen seiner Kleidung gehabt: Als Schüler mit einer SED-linientreuen Direktorin, die in nach Hause schickte, weil er Westjeans trug, als Soldat mit einem Major, als junger Mann mit einem Stasi-Offizier. „Dass Kleider allein nicht Leute machen, weiß jedes Kind aus Märchenstunden.“

Klüger geworden

Klüger werden ist menschlich. Im Brandenburger Parlament ist der Umgang mit gebrochenen Biografien nicht nur auf der linken Seite aktuell: Der FDP-Landtagsabgeordnete Gregor Beyer beschäftigt etwa einen jungen Mitarbeiter im Landtag, nämlich den Eberswalder FDP-Kommunalpolitiker Martin Hoeck, der erst über Irrungen und Wirrungen zu den Liberalen fand: Wie Hoeck auf seiner FDP-Homepage schreibt, sei er von 2001 bis 2004 „leider Mitglied der DVU gewesen“, aus „Protest gegenüber den anderen Parteien.“ Er habe sich von der rechtsextremen Partei 2004 sogar für die Landtagswahl aufstellen lassen. „Von da an bemerkte ich die undemokratischen innerparteilichen Strukturen und die fehlende Basisdemokratie.“ So brach er 2005 mit der DVU. „Ich habe gelernt, aus den Fehlentscheidungen meiner Vergangenheit zu lernen.“ Hoeck will seine authentischen Erfahrungen auch „dazu einsetzen, um andere Jugendliche gerade vor solchen Parteien zu warnen und aufzuklären.“ Thorsten Metzner

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