Brandenburg : Auge in Auge mit dem Wolf

Infozentrum rund um das Wildtier soll im Herbst in der Schorfheide eröffnen

Jeanette Bederke
Ganz nah dran. Im Wildpark Schönebeck können Besucher die Wölfe aus der Nähe betrachten.
Ganz nah dran. Im Wildpark Schönebeck können Besucher die Wölfe aus der Nähe betrachten.Foto: Patrick Pleul/dpa

Groß Schönebeck - Völlig entspannt liegen Maja und Malina auf der Lichtung in der Sonne. Die normalerweise scheuen Wölfe lassen sich auch von Menschen hinter dem Zaun ihres Geheges im Wildpark Schorfheide bei Groß Schönebeck (Barnim) nicht irritieren. „Das funktioniert nur, weil wir sie mit der Flasche aufgezogen haben und sie dadurch an Menschen gewöhnt sind“, erklärt Wildparkchefin Imke Heyter. Denn auch wenn es in Brandenburg aktuell 21 wildlebende Wolfsrudel gibt: So nah wie im Wildpark Schorfheide bekommen Menschen die streng geschützten Raubtiere in der Region sonst wohl nicht zu sehen.

Die beiden einjährigen Wolfsdamen, ein Altwolf namens Story sowie zwei weitere Tiere, die zum Schorfheider Gehege- Rudel gehören, sind so laut Heyter auch die wichtigsten Anschauungsobjekte des neuen Wolfsinformationszentrums, das derzeit im Dachgeschoss des Wildpark- Besucherzentrums entsteht. Es soll im Herbst eröffnet werden.

„Unser Rudel kann viel zur Akzeptanz des Wolfes in Brandenburg beitragen“, hofft die 45-Jährige – wohl wissend, dass die öffentliche Diskussion über die Rückkehr des Wolfes aktuell vor allem von Ängsten und Sorgen der Bevölkerung geprägt ist. „Die Leute stellen sich die Tiere immer extrem groß vor und sind dann völlig überrascht, wenn sie sie bei uns im Original sehen“, hat Heyter beobachtet. Der Wildpark zähle jährlich rund 100 000 Besucher. Seit Jahren bietet sie nächtliche Vollmond-Exkursionen zu den Wildpark-Wölfen an. Die mehrstündigen Wanderungen mit Raubtierfütterung sind meist ausgebucht. „Da kommen tatsächlich Besucher, die mehr über den Wolf wissen wollen, wirklich interessiert sind und ihn nicht einfach verteufeln“, sagt sie.

Emotionen sollen in der Ausstellung „Wolf und Mensch“ des Zentrums aber ebenso thematisiert werden wie Wissenswertes zum Tier selbst und seiner Geschichte. Wofür der Wolf gut sei, wird Heyter oft gefragt. „Er jagt in erster Linie Schalenwild. Das wiederum führt zu weniger Wildschäden wie dem Verbiss junger Bäume, was wiederum den Förster froh macht“, lautet ihre Antwort. Gemeint sind etwa Hirsche. Aufklärung durch Information, das ist ihr Credo. „Die Situation Mensch–Wolf spitzt sich tatsächlich immer mehr zu, im ganzen Nordosten Deutschlands, wo der Wolf bereits wieder heimisch geworden ist“, bestätigt Jens-Uwe Schade, Sprecher des Brandenburger Umweltministeriums, auf dessen Bestreben hin das Informationszentrum eingerichtet wird. Immerhin eine Million Euro hat es für den Bau zur Verfügung gestellt, damit – so formuliert es Schade – „wir wieder lernen, mit dem Wolf zu leben“. Sachkundige Auskünfte auf professioneller Grundlage seien dafür notwendig, ohne das Thema zu verniedlichen, fügt er hinzu.

Das sieht die Wildparkchefin ähnlich. Prävention sei enorm wichtig. Doch auch mit Informationszentrum, davon ist sie überzeugt, werde es weiter Menschen geben, die den Wolf hassen wollen. Alle Vorurteile ließen sich eben nicht ausräumen. Schon mehrfach sei der Wildpark verdächtigt worden, „seine Wölfe“ heimlich freizulassen. Neben dem an Menschen gewöhnten Rudel gibt es ein weiteres mit elf Tieren, das für Besucher nicht zugänglich ist. Es wird laut Heyter ausschließlich zu Forschungszwecken gehalten.

Gemeinsam mit dem Brandenburger Schafzuchtverband hat der Wildpark ein Projekt entwickelt. Vom Wolfszentrum aus wird eine Weide mit einer gemischten Herde zu beobachten sein: Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde, bewacht von Herdenschutzhunden und begrenzt von wolfssicheren Zäunen. „Wir präsentieren dort alle zugelassenen Modelle an Schutzvorrichtungen“, erklärt Heyter. Dazu sollen als Beratung auch entsprechende Seminare für Tierhalter angeboten werden. Auge in Auge mit Isegrim. Ein Büro im neuen Zentrum erhält demnach auch Brandenburgs Wolfsbeauftragte Valeska de Pellegrini. „Sie wird als Ansprechpartnerin für Sorgen und Nöte nicht ständig hier sein, aber zeitweise“, sagt Heyter.

Henrik Wendorff, Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes und selbst Biobauer im Oderbruch, hält die Entschädigung wolfsgeplagter Tierhalter für wesentlich wichtiger als die Einrichtung eines Infozentrums. „Wir Landwirte werden bei der ganzen Thematik außen vor gelassen. Mit uns redet das Land gar nicht erst“, beklagt er. Derzeit würden die Bauern auf den Wolfsmanagementplan zum Umgang mit den Raubtieren warten. „Das hat für uns Priorität gegenüber so einem Infozentrum, in dessen Planung und Konzept uns auch niemand einbezogen hat“, sagt Wendorff. (dpa)