• Arzneihändler Lunapharm: Skandal um Krebsmedikamente erreicht europaweites Ausmaß

Arzneihändler Lunapharm : Skandal um Krebsmedikamente erreicht europaweites Ausmaß

Nicht nur über Brandenburg wurden möglicherweise unwirksame Krebsmittel vertrieben. Auch in Hessen und in der Schweiz sind jetzt Unternehmen ins Visier geraten.

Alexander Fröhlich
Brandenburg, Blankenfelde-Mahlow: Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH. Die Firma ist nicht die einzige, die in illegalen Medikamentenhandel verstrickt ist.
Brandenburg, Blankenfelde-Mahlow: Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH. Die Firma ist nicht die einzige, die in illegalen...Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Pharmaskandal um in Griechenland gestohlene und möglicherweise unwirksame Krebsmedikamente bekommt ein europaweites Ausmaß. Ein international aufgestelltes kriminelles Netzwerk von Arzneihändlern hat die Medikamente nicht nur über die in Brandenburg ansässige Firma Lunapharm vertrieben. Auch in Hessen und in der Schweiz sind weitere Unternehmen ins Visier der Ermittler geraten.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat am Mittwoch Geschäfts- und Privaträume an sechs Orten in Hessen – Frankfurt/Main Dreieich, Offenbach, Schlangenbad, Bad Homburg und Wiesbaden – durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Das sagte ein Behördensprecher dem Tagesspiegel. Die Staatsanwaltschaft weitete das Verfahren wegen gewerbsmäßigen Hehlerei und des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz von zwei auf insgesamt sieben Personen aus.

Betroffen ist die Firma Rheingold aus Wiesbaden, hinter der der Deutsch-Ägypter Mohamed H. steht. Ihm gehört auch die griechische Apotheke, die aus Krankenhäusern gestohlene Krebsmedikamente vertrieben hatte. Rheingold soll 2016 Krebsmedikamente im Wert von 1,4 Millionen von der Apotheke bezogen haben, berichtet der "RBB" unter Berufung auf Ermittlungsakten aus Griechenland. Dort sitzt Mohamed H. seit Mai in Untersuchungshaft.

Bei Lunapharm, die mit H. und Rheingold verbandelt war, beläuft sich der Wert der seit 2013 gehandelten illegalen Krebsmittel aus Griechenland auf mehr als 20 Millionen Euro.

Die Arzneimittelaufsicht Swissmedic hat am Donnerstag im Schweizer Kanton Zug laut "SRF" und "RBB" die Geschäftsräume des Pharmagroßhändlers Hadicon AG durchsucht. Hadicon soll laut Ermittlungsakten allein 2014 Medikamente im Wert von 1,7 Millionen Euro von der Apotheke bezogen haben. Die Firma stand bereits 2012 im Verdacht, in den Handel mit gefälschten Krebsmedikamenten verwickelt zu sein. Weitere Spuren führen von Lunapharm zum von der Mafia organisierten Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten in Italien.