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AfD-Parteitag in Rangsdorf : Run auf Listenplätze bei Brandenburger AfD

Parteichef Andreas Kalbitz will AfD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl werden - ob er es auf dem Parteitag schafft, ist nicht sicher. Dort wird sogar gelost. 

Andreas Kalbitz will die AfD als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen.
Andreas Kalbitz will die AfD als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen.Foto: Julian Stähle/dpa

Rangsdorf - Die AfD will aus der Brandenburger Landtagswahl am 1. September als Sieger hervorgehen. "Das Ziel ist natürlich, stärkste Kraft zu werden. Daran ist nichts zu deuteln", bekräftigte Andreas Kalbitz, der in Personalunion die Fraktion im Landtag und auch den Landesverband führt, am Freitag den PNN vor der AfD-Landesvertreterversammlung in Rangsdorf, die am frühen Abend begann. 

Dort will die AfD, bisher geplant bis Sonntag, die Landesliste für die Landtagswahl aufstellen. Und der 46-jährige Kalbitz, der seit dem Wechsel von Alexander Gauland als starker Mann der AfD im Land und als strammer Rechtsaußen gilt, sich in der Bundespartei selbst im Flügel um Björn Höcke verortet, will sich dort zum Spitzenkandidaten küren lassen. 

Um 40 Listenplätze bewerben sich 87 Kandidaten 

Ob er das schafft, ist allerdings gar nicht so sicher. Denn es gibt Unwägbarkeiten, wie Kalbitz selbst einräumte, die mit dem aus Frühzeiten der AfD stammenden Aufstellungsverfahren zu tun haben. 

An der offenen Versammlung hätten alle AfD-Mitglieder im Land - es sind nach Parteiangaben inzwischen rund 1600 - teilnehmen können. Wie viele kommen, galt vorher als ungewiss. Um 18:35 Uhr waren es dann 284 Mitglieder, etwas weniger als erwartet. Es wären meist Männer, geschätztes Alter über 50 Jahre, kaum Frauen darunter. Kalbitz hatte vorher nicht ausgeschlossen, dass 600 Teilnehmer kommen könnten.  

Zuletzt lag die AfD im Land gleichauf mit der SPD

Wenig überraschend ist es, dass es auf die Liste einen regelrechten Run gibt, auf die sichere Plätze, die einen Einzug in das Landesparlament garantieren, und zwar in stärkerem Maße als bei allen anderen Parteien im Land. Das liegt auch daran, dass die AfD nach letzten Umfragen mit 20 bzw. 23 Prozent gleichauf mit der SPD liegt. Und jedes Prozent, vereinfacht formuliert, das eine Partei holt, entspricht etwa einem der begehrten Mandate. Die AfD, die nach zwei Austritten wegen des Rechtsrucks aktuell neun Abgeordnete zählt, könnte ihre Fraktion also mehr als verdoppeln. 

Er rechne mit 70 bis 80 Bewerbern für die Landesliste, hatte Kalbitz vorher gesagt. Am frühen Abend fiel zunächst diese Entscheidung: Mit deutlicher Mehrheit stimmte der Parteitag - unter den blauen AfD-Bannern mit Inschriften wie "Identität" und "Familie"  - für eine Liste mit 40 Plätzen. Und dann durften Vorschläge gemacht werden: Prompt bildeten sich an den Mikrofonen lange, lange  Schlangen. Es wurden immer mehr, die es in den Landtag drängt, wohl jeder Dritte im Saal, eine Partei im politischen Goldrausch.  Einer schlug "Herrn Kalbutz" vor, er meinte aber nicht den Ritter, sondern den Landesvorsitzenden Kalbitz, was er unter Gelächter korrigierte. Aus Potsdam wollen etwa Dennis Holoch, der AfD-Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl war und AfD-Stadtsprecher Herbert Heider in den Landtag.  Aus Cottbus tritt etwa Hans-Christoph Berndt an, der Chef des Vereins "Zukunft Heimat", der Verbindungen in die rechtsextreme Szene hat und in der Lausitzstadt Demonstrationen für eine Schließung der Grenzen organisiert. Dann das Ergebnis: Um die 40 Listenplätze für den Landtag bewerben sich insgesamt 87 Kandidaten. 

Das in jedem Detail diskutierte und abgestimmte Aufstellungsverfahren  sieht vor, dass sich jeder vorstellen kann, und zwar sechs Minuten plus zwei, drei  Minuten für Nachfragen, mit einer ausgelosten Reihenfolge. Kalbitz hatte Glück: Er darf sich als 79ter Redner vorstellen, also kurz vor dem Wahlgang, was seine Chancen auf ein gutes Ergebnis erhöht. Denn erst nach diesem Vorstelllungs-Mammutprogramm - wahrscheinlich am Sonntag - wird in einem Wahlgang dann die komplette Landesliste gewählt. "Wer die meisten Stimmen hat ist Erster", so der AfD-Chef. Sein Risiko: Er wird damit also nur Spitzenkandidat, wenn er es ist, der dann vorn liegt. So nutzt die AfD, und auch Kalbitz, dieses Verfahren zur Selbstinszenierung für den Einfluss der Mitgliedschaft. Er sei zuversichtlich, dass er es schaffe, sagte Kalbitz. "Ich bin gelassen. Es sieht gut aus. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt." Und: "Es ist so basisdemokratisch, das es selbst den Grünen zu anarchisch wäre."