• AfD-Chef in Thüringen referiert in Potsdam: Der rechte Flügel der AfD unter sich

AfD-Chef in Thüringen referiert in Potsdam : Der rechte Flügel der AfD unter sich

Björn Höcke, Afd-Chef in Thüringen, war zu Gast in Potsdam. Dort wähnte er sich unter Gleichgesinnten - und ließ die eigene Weltanschauung deutlich werden.

"er Thüringer AfD-Landessprecher und Fraktionschef Björn Höcke will Conchita Wurst und Alice Schwarzer ertragen - mit Alkohol.
"er Thüringer AfD-Landessprecher und Fraktionschef Björn Höcke will Conchita Wurst und Alice Schwarzer ertragen - mit Alkohol.Foto: dpa

Potsdam - Unter Gleichgesinnten vom rechten Flügel hat am Freitag der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke in Potsdam referiert. Er war Mitinitiator der Erfurter Resolution, die sich gegen den liberalen Kurs der Partei wendet. In Potsdam wähnte sich der AfD-Anhang offenbar hinter verschlossenen Türen und ließ die eigene Weltanschauung deutlich werden.

So wies Höcke nach PNN-Informationen darauf hin, dass er am morgigen Dienstag zur ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ eingeladen ist: Gäste seien Alice Schwarzer und Conchita Wurst. „Da geht es um Gendermainstreaming und andere Geisteskrankheiten“, erklärte er. Er werde aber deutlich machen, dass er ein toleranter Mensch sei – Toleranz komme ja von „tolerare“, „ertragen“. Süffisant merkte er an: „Ich ertrage das schon, ich komm da schon durch. Ich kann ja vorher ein Bier trinken.“

Treffpunkt war geheim

Björn Höcke war in Potsdam Gast der brandenburgischen AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA). Der Veranstaltungsort wurde im Vorfeld nicht öffentlich bekannt gegeben – offensichtlich wollte man Störungen verhindern. Erst nach einer Anmeldung per E-Mail erfuhren Teilnehmer, dass der Vortrag im Restaurant „Alter Stadtwächter“ stattfindet.

Etwa 60 Personen schenkten dem Gast aus Thüringen Gehör, darunter die Brandenburger Landtagsabgeordneten Andreas Galau, Andreas Kalbitz und Steffen Königer. Ihr Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland erschien nicht, obwohl er Erstunterzeichner der im März verabschiedeten Erfurter Resolution war. Unter anderem wird die AfD darin als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“ bezeichnet. Die Erfurter Resolution verteidigt Höcke noch immer, sie sammle die „besten Kräfte unserer Partei“, betonte er während seines Vortrags.

Geschlossenheit in Potsdam

Der Gruppe hinter der Erklärung sei nicht an einer Spaltung gelegen, vielmehr wolle sie „die AfD als Einheit behalten“. Parteiintern gibt es allerdings heftige Flügelkämpfe. Dem „Spiegel“ zufolge plant Parteichef Bernd Lucke sogar, die Vertrauensfrage über seine Person und seinen Kurs zu stellen. „Informierte Parteikreise“ berichteten, dass eine Mitgliederbefragung noch vor dem Bundesparteitag Mitte Juni stattfinden solle.

Von den Parteistreitigkeiten war im „Alten Stadtwächter“ nichts zu spüren, vielmehr schienen die Gäste geschlossen hinter dem thüringischen AfD-Chef und dem nationalkonservativen Flügel zu stehen: ständiger Applaus, gemeinsame Fotos, keine kritischen Nachfragen. Der Vorsitzende des brandenburgischen AfD-Jugendverbands, Jean-Pascal Hohm, zeigte, wohin die Reise gehen soll: „Ich will nicht, dass wir in wenigen Jahren für die Menschen im Ausland das Volk der Gutmenschen, der Moralapostel und der Multikulti-Fetischisten sind.“