• Abgerutschte Böschungen, extreme Aquaplaning-Gefahr: Nordbrandenburg kämpft mit Starkregen

Abgerutschte Böschungen, extreme Aquaplaning-Gefahr : Nordbrandenburg kämpft mit Starkregen

Unwetter mit Starkregen toben den zweiten Tag in Folge im Norden Brandenburgs. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Alte Rohrsysteme sorgen für überflutete Straßen und vollgelaufene Keller.

Silke Nauschütz Sophia Förtsch
Durch die Unwetter wurden vielerorts in Deutschland Straßen überflutet.
Durch die Unwetter wurden vielerorts in Deutschland Straßen überflutet.Foto: dpa

Prenzlau  - Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller, Erdrutsche, abgeknickte Bäume: Das Unwetter mit Starkregen hat in den nördlichen Regionen Brandenburgs seine Spuren hinterlassen - die Feuerwehren waren auch am Donnerstag rund um die Uhr im Einsatz. Allein in der Uckermark zählte die Regionalleitstelle Nordost innerhalb von 24 Stunden bis zu 300 Einsätze, im Kreis Barnim waren es etwa 55, im Kreis Oberhavel rund 40. Am stärksten betroffen waren demnach die Städte Schwedt und Angermünde und die Orte Gramzow und Brüssow.

„Wir haben am meisten mit dem Wasser zu kämpfen“, sagte ein Sprecher der Leitstelle. Das Wasser in Kellern stand teilweise bis zu einem Meter hoch. Zudem seien zahlreiche Telefonleitungen durch abgeknickte Bäume abgerissen worden. Tote oder Verletzte gab in Zusammenhang mit dem Unwetter laut dem Sprecher aber nicht. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollte sich die Lage am Donnerstagnachmittag etwas entspannen.

Fluss tritt über die Ufer

Wegen Überschwemmungen und Erdrutschen mussten die Einsatzkräfte in Angermünde allein am Donnerstagvormittag 60 Mal ausrücken. In Greiffenberg trat der kleine Fluss Sernitz über die Ufer und drohte in ein anliegendes Wohnhaus zu laufen, wie die Stadt weiter mitteilte. Die Einsatzleiter berichteten von Wasserschäden im größeren Umfang im gesamten Stadtgebiet.

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So war unter anderem die Bahnhofsunterführung in Angermünde aufgrund der überlasteten Kanalisation vollgelaufen und für den Verkehr zeitweise gesperrt. Auch die Puschkinstraße war zeitweise stark überflutet. Im Ortsteil Schmargendorf waren Grundstücke so stark überflutet, dass Tiere in Gefahr gerieten. Zwischen Kerkow und Welsow rutschte eine Böschung ab, die Teile der Straße verschüttete. Und auch in Neukünkendorf waren die Wassermassen kaum zu beherrschen und mussten mit Hilfe der Feuerwehr in den Haussee gepumpt werden. In Bruchhagen waren große Teile der Dorfstraße stark überflutet und machten sie unpassierbar.

Erdrutsch und Aquaplaning-Gefahr

Neben vollgelaufenen Gebäuden und umgestürzten Bäumen habe man auch mit Erdrutsch sowie extremer Aquaplaning-Gefahr auf Straßen zu kämpfen, sagte der Sprecher der Regionalleitstelle. So sei auf der Autobahn 20 im Bereich Kreuz Uckermark am Morgen eine Böschung abgerutscht.

Ähnlich war die Lage im Nachbarlandkreis Oberhavel: Dort rutschte eine Straßenböschung am frühen Morgen auf dem nördlichen Berliner Ring (A10) in Richtung Dreieck Barnim zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck ab. Wie das Lagezentrum der Polizei Brandenburg mitteilte, war der rechte Fahrstreifen zeitweilig gesperrt.

Die Stadt Prenzlau war unterdessen mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Von Mittwochnachmittag bis Donnerstagmittag fielen dort teilweise mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter, in den Außenbereichen waren es stellenweise 200 Liter pro Quadratmeter. Seit Mittwochnachmittag war die Freiwillige Feuerwehr im Dauereinsatz.

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Keller von Seniorenheim voller Wasser

So lief in einem Seniorenheim der Keller mit Wasser voll, auch ein Keller im Kreiskrankenhaus stand unter Wasser. Kinder einer Kita mussten am Mittwoch in die zweite Etage gebracht werden, weil in den unteren Bereich des Gebäudes Wasser eindrang. Auf dem städtischen Friedhof sackte ein Teil des neuen Stelengartens ab. Der Bereich wurde gesperrt. Im Stadion rutschte ein Hang mit kompletter Zaun- und Lichtanlage ab, es musste geschlossen werden.

„Bei Schadensereignissen wie diesem wird immer wieder die Frage nach den Rohrsystemen zur Regenentwässerung gestellt und Kritik geübt“, sagte Bürgermeister Hendrik Sommer. Unwetterereignisse, die es in den zurückliegenden Jahren immer wieder gegeben habe, seien bei der Planung und Installation der Rohrsysteme noch nicht absehbar gewesen. Rohrsysteme, die diesen Ansprüchen genügen würden, hätten finanzielle Dimensionen, die wirtschaftlich nicht vertretbar wären, so Sommer.

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