Brandenburg überholt Bayern bei Corona-Inzidenz : Woidke: "Die Lage ist dramatisch"

Das märkische Kenia-Kabinett beschließt Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen Tag und Nacht. Die Covid-Ressourcen an Berliner Charité sind am Limit.

Leere Straßen in Potsdam.
Leere Straßen in Potsdam.Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam/Berlin - In Brandenburg breitet sich nach Sachsen und Thüringen das Corona-Virus aktuell innerhalb Deutschlands am schnellsten aus. „Die Lage in Brandenburg ist dramatisch“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der jüngst selbst an Covid-19 erkrankt war, am Montag in Potsdam. Zuvor hatte das Kenia-Kabinett den angekündigten Lockdown für das Land beschlossen. Danach gelten ab Mittwoch auch tagsüber Ausgangsbeschränkungen, denen zufolge man nur aus „triftigen Gründen“ unterwegs sein darf. Nachts gilt faktisch eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Wochenendhäuser, etwa von Berlinern, dürfen für eigene Zwecke genutzt werden.

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Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte, Brandenburg habe mittlerweile eine höhere Inzidenz als Bayern, das Bundesland war bislang ein Hotspot. In Brandenburg lag am Montag die Zahl der der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche bei 215,6 – in Bayern bei 203. Brandenburg hatte über Monate zu den Ländern mit einer geringen  Belastung gehört.

Maskenpflicht an Schulen ab 1. Klasse

Woidke verteidigte die Entscheidung, trotzdem die Schulen vor Weihnachten offen zu halten – aber die Eltern zu bitten, wenn möglich die Kinder schon zu Hause zu lassen. Eine Notfallbetreuung, die bei Schulschließungen gewährleistet werden müsste, würde nach seinen Worten Kinder verschiedener Klassen „zusammenwürfeln“ – ein Infektionsrisiko. Er wies darauf hin, dass bei den Schulschließungen im Frühjahr zwischen 30 und 50 Prozent der Schüler in der Notbetreuung gewesen seien. Der jetzige Weg sei praktikabler. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) informierte darüber, dass ab der ersten Klasse jetzt auch im Unterricht eine Maskenpflicht gilt. Kabinettskollegin Nonnemacher betonte, es gebe keinerlei medizinische Gründe, die gegen Stoffmasken sprächen. 

Auch im Nachbarland Berlin, wo bislang keine Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden, ist die Lage weiter hoch angespannt. In der Hauptstadtregion insgesamt werden zunehmend Pflegeheime Corona-Hotspots. Nach Informationen des Tagesspiegel gibt es in einer Einrichtung der Domicil-Gruppe in Reinickendorf einen weiteren großen Ausbruch mit mehr als 100 Infizierten und bisher mindestens zwölf Toten. Insgesamt hätten sich bis Sonntag 80 Bewohner und 30 Pflegekräfte mit dem Virus infiziert, sagte ein Domicil-Sprecher auf Anfrage. In Potsdam weitet sich der Corona-Ausbruch im St. Franziskus-Seniorenpflegeheim der Alexianer aus. Laut den Ergebnissen einer erneuten Reihentestung aller 130 Bewohner der Einrichtung im Bornstedter Feld gebe es nun 62 mit dem Virus infizierte Senioren, sagte ein Alexianer-Sprecher am Montag auf PNN-Anfrage. Darunter seien einzelne milde bis mittelschwere Verläufe, bisher habe aber niemand ins Krankenhaus verlegt werden müssen. An der Berliner Charité hat die Leitung in anderen Städten nach Hilfe gefragt, um im Ernstfall schwer kranke Nicht-Covid-19-Patienten dorthin zu verlegen, um Betten für Corona-Infizierte frei zu machen. Die Charité ist das Ecmo-Zentrum Ostdeutschlands. Das sind Spezialmaschinen, die das Blut mit Sauerstoff versorgen. In der Charité, zuständig für die schwersten Fälle, sind drei von 35 Geräten derzeit noch frei. Die Charité sucht wie fast alle Krankenhäuser dringend weitere Pflegekräfte.