Bildung in der Coronakrise : Alle Schüler sollen vor den Ferien in die Schule

Die Kultusministerkonferenz legt ein Konzept für die Unterrichtsaufnahme vor. Der Landeschef der Gewerkschaft GEW warnt aber vor einer zu schnellen Öffnung der Förderschulen.

Die Wiedereröffnung der Schulen erfordert genaue Planung. 
Die Wiedereröffnung der Schulen erfordert genaue Planung. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Berlin/Potsdam - Bis zu den Sommerferien soll möglichst jede Schülerin und jeder Schüler in Deutschland zeitweise die Schule besuchen können – „in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen“. Das empfiehlt die Kultusministerkonferenz (KMK) der Bundeskanzlerin und den Länderchefs für ihre Beratungen über weitere Lockerungen der coronabedingten Auflagen am Donnerstag. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidentenkonferenz hatten ein solches „Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht und Schulen“ von der KMK angefordert, das diese am Dienstag beschloss. „Angesichts der aktuellen Situation“ werde es vor den Sommerferien „kein reguläres Unterrichtsgeschehen mehr geben“, betonte die KMK-Vorsitzende Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag. Das hänge insbesondere mit den „Hygienevorgaben an den Schulen, den verkleinerten Lerngruppen und der notwendigen Wahrung des Abstands“ zusammen.

Konzept einvernehmlich beschlossen 

Brandenburg trägt den Beschluss mit, wonach alle Schüler vor den Sommerferien wieder teilweise am Präsenzunterricht teilnehmen sollen. „Das Konzept der KMK ist einvernehmlich beschlossen worden“, sagte die Sprecherin von Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), Ulrike Grönefeld, den PNN auf Anfrage. In der Diskussion sei aber deutlich geworden, dass angesichts der aktuellen Situation vor den Sommerferien kein normaler Unterricht stattfinden werden, wie man ihn vor der Krise erlebt habe. „Der Brandenburger Stufenplan ist ein erster Schritt, dem weitere folgen“, so Grönefeld. Einer Entscheidung der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin wolle man aber nicht vorgreifen. Laut am Donnerstag vorgelegtem Brandenburger Stufenplan sollen zunächst die Jahrgänge, die vor einem Abschluss oder Schulwechsel stehen, wieder in den Schulen unterrichtet werden. Seit Montag besuchen die 10. Klassen wieder den Unterricht. Am 4. Mai folgen die Klassen 6,9, 11 und 12 und eine Woche später die 5. Klassen. Für Schüler der unteren Klassenstufen sieht der Brandenburger Plan bislang nur Präsenzunterricht vor, sofern sie mit Homeschooling nicht erreicht werden können.

Linke favorisiert Wechselmodell

Alle Jahrgänge müssten berücksichtigt werden, forderte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Brandenburger Landtag, Kathrin Dannenberg, am Dienstag. Möglich sei das über ein Wechselmodell. Man könne etwa eine Woche lang die 9. und 10. Klassen beschulen, dann eine Woche lang die 7. und 8. Den Fokus nun nur auf die Klassen zu legen, die vor einem Abschluss stünden, sei aus ihrer Sicht falsch. Auch die Klassen 1 bis 4 müssten Präsenzunterricht erhalten, sagte AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz.

Grünen-Fraktionschefin fordert Öffnung der Spielplätze

Die Brandenburger Grünen-Fraktionschefin sprach sich dafür aus, auch für die Kitas einen Stufenplan zu entwickeln. Kinder könnten in kleinen Gruppen abwechseln die Kitas besuchen und sich möglichst nur auf dem Außengelände aufhalten. „Die Rechte der Kinder kommen während der Coronakrise zu kurz“, so Budke. Auch Spielplätze müssten für Kinder wieder zugänglich sein, um sich wieder etwas an der frischen Luft bewegen zu können. Das sei möglich unter entsprechender Aufsicht und Beschränkung der Kinderzahl, die zeitgleich spielen darf. Experten diskutieren auch darüber, ob Kinder überhaupt das Coronavirus übertragen.

GEW warnt vor Schnellschüssen

Der Brandenburger Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, warnte unterdessen vor einer zu schnellen Wiederöffnung von Förderschulen. Es sei sinnvoll, dass sich diese Schulen auf die Absicherung der Notbetreuung der Schüler sowie die Organisation der alternativen Lernangebote konzentrierten, so Fuchs. „Die Wiedereröffnung der Schulen mit sonderpädagogischen Schwerpunkten beinhaltet die Gefahr, dass die besondere Fürsorgepflicht für die Kinder mit zusätzlichen Förderbedarfen nicht konsequent eingehalten und gewährleistet werden kann“, so Fuchs. Das treffe insbesondere für die Schulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung zu. Er erwarte, dass die entsprechenden Schulen später wiedereröffnet werden und ein umfassendes zusätzliches Maßnahmepaket zum Schutz der Schüler und Beschäftigten durch das Land zur Verfügung gestellt wird.

Hygienepläne für die Schulen

Zum „zeitweisen“ Schulbesuch erläuterte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD), dass es sich im Schnitt um einen Tag in der Woche handeln solle, an dem die Schüler Tipps zum Lernen zu Hause bekommen und Materialien sichten könnten. Außerdem geht es in dem Rahmenkonzept um Hygienemaßnahmen an den Schulen, um den Transport an die Schulen sowie die Organisation des Unterrichts, hieß es. In einem Mix aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen zu Hause sollten beide Lernformen eng miteinander verzahnt werden, sagte Hubig. Für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf könne es zusätzliche „pädagogische Präsenzangebote“ geben. Dazu seien aber noch konkrete Empfehlungen in den einzelnen Ländern geplant.

Hygienepläne für die Coronakrise gibt es bereits in allen Bundesländern, sie sehen durchweg die tägliche Reinigung beziehungsweise Desinfektion aller Oberflächen, einen Mindestabstand von 1,5 Metern und größtenteils maximal 15 Lernende pro Klasse vor. Hubig nannte den Mund-Nasen-Schutz ein „wichtiges Instrument, um Infektionen zu vermeiden“. Eine Maskenpflicht an Schulen werde aber nicht empfohlen. Sie appellierte, „bei den schrittweisen Schulöffnungen verantwortungsvoll, behutsam und immer mit dem Blick auf das Infektionsgeschehen“ vorzugehen. (mit dpa)