Abgesagte Baumblüte : Turbulenzen in Werder wegen des Blütenfests

Die SPD fordert Rücktritt von CDU-Bürgermeisterin Saß, deren Partei stellt sich dagegen. Nun gibt es auch erste Details zu den Gründen der Absage des Festes.

Foto: Sebastian Gabsch

Werder (Havel) - Nach der Absage des Baumblütenfestes in den Jahren 2020 und 2021 kommt die Stadt Werder (Havel) nicht zur Ruhe. Am Montag forderten die SPD sowie die Wählergruppe Stadtmitgestalter den Rücktritt von Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU). Die Absage des größten Volksfestes in Ostdeutschland habe Werder mit rund 26.000 Einwohnern einen „überregionalen Ansehens- und Imageverlust“ zugefügt, so der SPD-Vorsitzende Steven Bahl. Das Baumblütenfest sichere die Existenz zahlreicher Hotels, Pensionen, Gaststätten und Schausteller sowie der Obstbauern. Somit seien von der Absage zahlreiche Einwohner betroffen.

Die SPD macht Saß, die seit fünf Jahren im Amt ist, zudem für die Turbulenzen um die Blütentherme verantwortlich und wirft ihr „Fehlplanungen im Kita- und Schulbereich“ vor. Das nunmehr „Haveltherme“ genannte Bad soll erst 2021 fertig werden, zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich, und wird die Stadt mehr als 50 Millionen Euro gekostet haben.

CDU wirft SPD populistisches Treiben vor

Die CDU-Fraktion in Werder wies die Rücktrittsforderungen vehement zurück. „Die CDU steht absolut hinter der Bürgermeisterin“, sagte Fraktionchef Hermann Bobka den PNN. Die Forderungen der SPD seien „ein populistisches Treiben“, so Bobka. Zudem dürfe die Blütenfest-Absage nicht mit der Kita- und Schulplanung sowie der Haveltherme vermischt werden. Auch die Anträge der Sozialdemokraten zum Blütenfest für die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend, in denen sie unter anderem die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem Veranstalter, der Wohlthat Entertainment GmbH fordert, seien „nicht dienlich“. Die SPD wisse genau, dass das aufgehobene Vergabeverfahren dies nicht zulasse, sagte Bobka. Die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig kritisierte, die SPD stehle sich „aus der Verantwortung“. Zudem könnten 2020 „alle Obstbauern, die dies möchten, ihre Höfe zur Baumblüte öffnen“. Die Stadt werde entsprechende Unterstützung gewähren.

Unterdessen sind am Montag Details zur Absage des Blütenfestes bekannt geworden: Wie aus dem Vergabevermerk der Stadt Werder, der den PNN vorliegt, hervorgeht, hat die Wohlthat Entertainment GmbH es verweigert, als Veranstalter des Blütenfestes aufzutreten. Das war aber eine der Hauptbedingungen der Ausschreibung. Die Stadt wollte damit sicherstellen, dass „die organisatorische und wirtschaftliche Verantwortung dort verankert wird, wo die wirtschaftliche Vorteile des Baumblütenfestes abgeschöpft werden“. Im Klartext: Bisher habe die Stadt draufgezahlt – unter anderem für Sicherheitsvorkehrungen – und sei an Gewinnen nicht beteiligt worden. Das wollte sie ändern und verlangte eine Konzessionsabgabe. Laut dem Vermerk lehnte es die Wohlthat Entertainment GmbH jedoch ab, eine solche zu zahlen. Stattdessen forderte der Veranstalter eine Zahlung von rund 250 000 Euro der Stadt für das Fest. Obendrein sollte Werder für alle Straßen- und Betonsperren und die Sicherheitsdienste zahlen. Gleichzeitig verlangte Wohlthat, dass ihm zugesichert wird, dass ihm „sämtliche Einnahmen aus dem jährlichen Baumblütenfest zustehen“. Die Stadt Werder hatte bei der Absage des Festes angegeben, der mögliche Veranstalter habe Bedingungen nicht erfüllt.