Reise und Verbraucher

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Update
99 Fragen und Antworten zum Coronavirus : Das große FAQ zur Pandemie
Richard Friebe Heike Jahberg Patrick Danner Katrin Schuber
Coronavirus FAQ - rFagen und Tipps zu Reisen, Unterstützung, Kinderbetreuung ? - SARS-COV2 und COVID-19

Inhaltsverzeichnis

76. Könnte man, über die bisher geltenden Regelungen hinweg, etwa eine Stadt wie Berlin abriegeln?

Die Diskussion dazu ist komplex. Allein die Logistik einer solchen Aktion wäre extrem kompliziert, der Personal- und Materialaufwand immens, die Rechtmäßigkeit Gegenstand dann im Schnellverfahren nötiger Gerichtsentscheidungen. Die rechtliche Grundlage bildet vor allem das Infektionsschutzgesetz. Studien zeigen, dass Abriegelungen, Grenzschließungen und ähnliches nur bedingt effektiv sind und sich als kontraproduktiv erweisen können.

Problematisch ist etwa, dass hierdurch auch ein Klima erzeugt wird, das Einzelne zu verheimlichendem Umgang mit Symptomen veranlassen kann, was absolut nicht gewollt sein kann. Außerdem ist davon auszugehen, dass bei einer eventuell im Raum stehenden oder bevorstehenden Abriegelung viele noch versuchen werden, aus der Stadt herauszukommen. Auch Wuhan haben offenbar aus diesem Grund kurz vor der Abriegelung noch Tausende Menschen verlassen.

All das kann zu allgemeinem Chaos führen, aber auch dazu, dass eigentlich notwendige Abklärungen von Symptomen nicht erfolgen. So kann sich das Virus weiterverbreiten. In einem freien Land hängt bezüglich der Vermeidung von Neuinfektionen sehr viel vom möglichst verantwortlichen und verantwortungsvollen Verhalten von einzelnen Bürgern, Institutionen und Unternehmen ab.

77. Welche Vorräte sollte ich zu Hause haben?

Hamsterkäufe helfen in der Regel nicht den Hamsterern, sondern nur denen, die mit dem Verkauf Geld verdienen. Und sie schaden jenen, die dann vor leeren Regalen stehen. Nicht alles leerzukaufen ist auch eine Form von Solidarität in das Gemeinwesen betreffenden Krisensituationen. Es ist sinnvoll, für ein paar Tage Lebensmittel zu bevorraten, die sich lang halten oder unverderblich sind.

Was jeder bevorratet, hängt von persönlichen Vorlieben, Unverträglichkeiten, Geldbeutel etc. ab. Zu denken ist etwa an Nudeln, Reis, Eier, Konserven, Nüsse, Schokolade, Bratöl, sich lange haltendes Brot wie etwa Knäcke, etc.. Regelmäßig benötigte Medikamente sollte man besorgen, und auch ein paar Rollen Toilettenpapier.

Wasser muss man nicht bevorraten, denn damit, dass das öffentliche Leben komplett zusammenbricht und nicht einmal mehr per Leitungen sauberes Wasser ins Haus kommt, ist auch in ernsteren Szenarien nicht zu rechnen. Zudem ist es für die meisten möglich, sich im Quarantänefall vom Nachbarn Lebensmittel mitbringen und für beide Seiten risikofrei übergeben zu lassen, oder diese sich über die Lieferdienste der Supermarkt- und Drogerieketten zu bestellen.

Insgesamt ist es, auch wenn man sich dann vielleicht dem „Verdacht“ eines Hamsterkaufes aussetzt, angebracht, selten und dann in größeren Mengen einzukaufen. Man vermindert damit das eigene Risiko, sich den Keim etwa von ebenfalls einkaufenden Personen einzufangen. Zudem bedeutet von vielen praktiziertes selteneres Einkaufen pro Person oder Haushalt, dass sich gleichzeitig weniger Personen im Supermarkt befinden und entsprechend Abstand halten einfacher ist.

78. Wie kann man mit den psychologischen Folgen der Pandemie und der Kontaktsperren umgehen?

Diese evolutionär geprägte Angst- und Stressreaktion und das sich daraus ergebende Verhalten hat das Überleben der Menschheit im Laufe der Geschichte gesichert, sagt die amerikanische Psychologen Elissa Epel. Doch nimmt sie Überhand und geht über in Panik, hat das schädliche Folgen. Die Panik im Zusammenhang mit dem Coronavirus stellt uns zusätzlich zu den medizinischen Herausforderungen vor große gesellschaftliche Probleme. Sie darf nicht außer Kontrolle geraten. Elissa Epel und ihre Berliner Kollegin Sonja Entringer haben ein paar Tipps in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zusammengetragen

- Präventionsverhalten reduziert die Angst, also Hände regelmäßig waschen, Veranstaltungen absagen, zu Hause bleiben!

- Versuchen Sie, Ihre tägliche Medienexposition auf maximal zweimal pro Tag zu beschränken, und konzentrieren Sie sich während der Rest der Zeit so weit es geht auf produktive Aktivitäten.

- Seien Sie dankbar - für die kleinen Dinge, an denen Sie momentan Freude haben und denjenigen gegenüber, die die Supermärkte am Laufen halten und die täglich in unseren Krankenhäusern Leben retten.

Viele Tipps, wie das Leben zu Hause gemeistert werden kann, trägt das Projekt "Zuhause mit dem Tagesspiegel" zusammen. 

79. Wie kann ich mich auch in den eigenen vier Wänden fit halten?

Im Moment gibt es die Gelegenheit endlich mal das zu tun, was man vielleicht seit einer halben Ewigkeit vor sich herschiebt: Sport zu treiben. Und dazu gibt es gerade jetzt jede Menge Möglichkeiten, zu Hause Fit zu bleiben und zu werden. Sportvereine, wie Alba Berlin zum Beispiel, bieten Mitmachkurse auf YouTube an. Und es gibt ein großes Angebot an Apps und Onlinekursen für das Workout zuhause.  

80. Kann ich jetzt noch eine Pauschalreise buchen?

Das Auswärtige Amt hat seine weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni verlängert.

Pauschalreisekunden, deren Reisen nach einer offiziellen Reisewarnung storniert werden, können nach jetziger Rechtslage ihr Geld zurückverlangen. Allerdings könnte sich das ändern. Die Bundesregierung drängt darauf, dass die Kunden für Reisen, die wegen Covid-19 nicht stattfinden, Gutscheine bekommen sollen statt Geld, um Pleiten von Reiseveranstaltern zu vermeiden. Diese Gutscheine sollen staatlich gegen die Insolvenz des Veranstalters abgesichert werden. Eine Regelung zu Gutscheinen für Pauschalreisen muss jedoch auf EU-Ebene beschlossen werden, bisher hält die EU-Kommission aber an der bisherigen Regelung fest.

Verbraucherschützer sehen die Gutscheinlösung ohnedies skeptisch. „Die Verbraucher dürfen nicht gezwungen werden, der Reisebranche einen Kredit zu gewähren, wenn sie selber das Geld für anderes wie Miete oder Lebensmittel einsetzen wollen“, sagt die Mobilitätsexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Marion Jungbluth.

81. Was ist, wenn ich auf eigene Faust gebucht habe?

In diesen Fällen läuft man Gefahr, auf seinen Kosten sitzen zu bleiben. „Ein Einzelreisender kann auch dann nicht kostenlos stornieren oder umbuchen, wenn sein Reiseziel direkt vom Coronavirus betroffen ist“, warnt der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi.

82. Wie erkenne ich, ob ich eine Pauschalreise gebucht habe oder nicht?

Das ist leider manchmal gar nicht so leicht. Ein klarer Fall ist es, wenn ich zwei Reiseleistungen bei einem Pauschalreiseveranstalter buche, etwa Flug und Hotel bei Tui, FTI, Der Tour oder Schauinsland und einen Gesamtpreis in Rechnung gestellt bekomme. Buche ich dagegen unabhängig voneinander zwei unterschiedliche Reiseleistungen bei verschiedenen Anbietern, dürfte es sich nie um eine Pauschalreise handeln.

Man müsse sich die genauen Buchungsunterlagen anschauen, gibt Reiserechtsanwalt Karimi zu bedenken: Sollen die Leistungen in eigener Verantwortung erbracht werden oder sollen die Leistungen nur vermittelt werden? Ein Indiz könnte sein, ob es einen Gesamtpreis für alle Reiseleistungen gibt oder separate Preise für Einzelleistungen. Bei Expedia zum Beispiel ist letzteres stets der Fall und auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen wird klargestellt, dass Reiseleistungen immer nur vermittelt werden.

Manchmal werden Kunden, die einen Flug buchen, gefragt, ob sie ein Hotel gleich mitbuchen wollen. Das ist etwa bei Easyjet so. Allerdings will auch die Airline nicht als Reiseveranstalter auftreten. Bucht man zwei Reiseleistungen bei Easyjet, handelt es sich nach Einschätzung von Karimi um verbundene Reiseleistungen nach § 651w BGB. Vorteil ist dann ein verbesserter Insolvenzschutz (im Vergleich zur Einzelleistung); es handele sich aber dennoch nicht um eine Pauschalreise. So dürfte es bei allen größeren Anbietern und Portalen der Fall sein, weil diese eben nicht als Reiseveranstalter gelten wollen.

83. Was ist, wenn ich ein Ferienhaus gebucht habe?

In Deutschland herrscht Tourismusverbot. Bis zum 3. Mai darf man keine touristischen Übernachtungen machen. Viele Menschen, vor allem Familien, haben aber Ferienwohnungen oder -häuser auf den friesischen Inseln, auf Usedom, Rügen oder im Schwarzwald gebucht. In den meisten Fällen haben sie eine Anzahlung geleistet, einige haben bereits den gesamten Betrag überwiesen. Und nun?

Für Verbraucherschützer ist die Rechtslage klar: „Ferienwohnungen, Hotels oder Ferienhäuser können kostenlos storniert werden“, sagt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin. „Wenn die Behörden verbieten, dass Touristen anreisen, hat man ein Recht darauf, sein Geld zurückzubekommen.“

84. Muss ich einen Gutschein akzeptieren?

Auch einige Ferienwohnungsvermieter versuchen, mit ihren Gästen individuelle Vereinbarungen zu treffen. Sie bieten Gutscheine an, die Kunden bei einer späteren Buchung einlösen können, oder sie versuchen gleich, einen neuen Termin für die Reise zu finden. Denn viele Rückzahlungen auf einmal kosten Liquidität und im schlimmsten Fall sogar die Existenz.

Das Problem: Sollte der Vermieter trotz des Entgegenkommens des Kunden später Pleite gehen, ist der Gutschein nicht viel wert.

Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), plädiert daher zwar für Solidarität und Pragmatismus in der Krise, fordert den Gesetzgeber aber auf, Gutscheine im Fall einer Insolvenz abzusichern, um Verbraucher zu schützen.

85. Was ist mit dem Ferienhaus in Dänemark?

Nicht nur Deutschland, auch Dänemark ist ein beliebtes Reiseziel für die Bundesbürger. Derzeit sind die Grenzen dicht, Dänemark will sich so vor dem Virus schützen. Der Einreisestopp gilt bis zum 10. Mai.
Was heißt das für das Ferienhaus, das man für die Osterferien gebucht hat?

Länderübergreifende Konstellationen sind kompliziert. „Es gilt in aller Regel das Recht des Landes, in dem das Ferienhaus liegt“, betont Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nach dänischem Recht ist genauso wie nach deutschem Recht eine kostenfreie Stornierung dann möglich, wenn das Ferienhaus vom Betreiber nicht angeboten werden kann, weiß Pauline Stabenow vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kehl. Ist das Ferienhaus aber theoretisch zur Vermietung frei und kann der Verbraucher es - etwa wegen Einreisebeschränkungen - nur nicht erreichen, richtet sich die Stornierung nach dem, was im Vertrag steht, betont Stabenow. Ist dort festgelegt, dass man zahlen muss, kann man als Kunde aber zumindest verlangen, dass der Vermieter ersparte Aufwendungen, etwa für Reinigungskosten, zurück erstattet.

In den meisten europäischen Staaten existieren mit Blick auf die Kosten allerdings keine Regelungen, die so detailliert sind wie das deutsche Recht, gibt der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi zu bedenken. „Das macht einen Rechtsstreit in anderen Staaten – gerade in kleineren Angelegenheiten – unwirtschaftlich, selbst wenn man zu seinem Recht kommt“, meint der Anwalt.

Und was soll man nun tun? Sollte der Vermieter einen Gutschein oder eine kostenfreie Umbuchung anbieten, sollte man das akzeptieren meint Karimi.

86. Kann ich das Hotel im Ausland kostenfrei stornieren?

Das Europäische Verbraucherzentrum, das sich mit länderübergreifenden Verbraucherproblemen beschäftigt, empfiehlt, bei Hotelbuchungen im Ausland in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu schauen.

In zahlreichen EU-Staaten legen die Hoteliers nämlich selber fest, wie sie mit Stornierungen umgehen. In Spanien ist es dagegen von Gesetzes wegen möglich, ein Hotelzimmer wegen höherer Gewalt kostenfrei zu canceln, in Italien und Österreich kann man sich auf den Wegfall der Vertragsgrundlage berufen.

87. Ich reise im Mai und soll jetzt zahlen. Was nun?

Knifflig ist die Lage auch für die Menschen, die später in die Ferien wollen, etwa im Mai, aber schon jetzt nach dem Vertrag die Ferienwohnung bezahlen sollen.

In rechtlicher Hinsicht ist die Sache eindeutig: Da es für die Zeit nach dem 3. Mai in den allermeisten Bundesländern (noch) keine staatlichen Restriktionen gibt, müsste man zahlen. Allerdings trägt der Kunde dadurch ein gewisses Insolvenzrisiko, falls der Vermieter zwischenzeitlich Pleite geht.

Reiserechtsanwalt Karimi rät Reisenden daher, frühzeitig das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen und zu versuchen, einen späteren Zahlungstermin zu verabreden. Wer das nicht tut und einfach nicht zahlt, trägt die vollen Stornokosten, falls private Übernachtungen im Mai wieder erlaubt sein sollten. 

88. Was ist mit Flügen?

Das Coronavirus hat vielen Menschen die Lust am Fliegen verdorben. Zahlreiche Länder haben zudem Einreisestopps verhängt.

Nach der aktuellen Rechtslage ist es so, dass die Airlines Reisenden die Ticketkosten erstatten müssen, wenn Flüge nicht stattfinden. Da die Luftfahrtbranche jedoch am Boden liegt, setzt sich die Bundesregierung wie bei den Pauschalreisen für eine Gutscheinlösung ein. Für Flüge, die wegen Covid-19 nicht stattfinden, sollen die Reisenden einen Gutschein bekommen. Auch diese Regelung müsste jedoch auf EU-Ebene beschlossen werden, und auch hier zieht Brüssel nicht mit.

89. Soll ich eine Reiseversicherung abschließen?

Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist immer sinnvoll und gehört ins Reisegepäck. Sie übernimmt die Kosten einer medizinischen Behandlung am Urlaubsort und bezahlt notfalls auch einen Heimtransport. Wenn es dagegen darum geht, Stornokosten zu sparen, kommt eine Reiserücktritts- oder abbruchversicherung in Frage. Allerdings springt diese nur ein, wenn man aus persönlichen Gründen die Reise nicht antreten kann oder sie vorzeitig beenden muss. Häufige Fälle sind schwere Krankheiten, häusliche Katastrophen wie etwa ein Wohnungsbrand oder ein neuer Job. Angst vor Ansteckung gilt nicht als Rücktrittsgrund. 

90. Ich wollte zu einem Konzert. Das ist wegen des Virus abgesagt. Bekomme ich mein Geld zurück?

Normalerweise ist das so. Klauseln in den Geschäftsbedingungen der Konzertveranstalter, die den Kunden verpflichten sollen, auch bei höherer Gewalt zu zahlen, obwohl sie keine Gegenleistung bekommen, sind unwirksam, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Allerdings hat die Bundesregierung beschlossen, dass Konzertveranstalter ihren Kunden Gutscheine statt Geld geben dürfen, wenn ein Konzert wegen Covid-19 nicht stattfinden kann. Gleiches soll auch für andere Veranstaltungen wie etwa Fußballspiele gelten und auch für Verträge mit Fitnessstudios, Musikschulen oder Sprachkurse.

Die Neuregelung bezieht sich auf Ausfälle im Zuge der Covid-19-Pandemie und betrifft Tickets und Verträge, die vor dem 8. März gekauft beziehungsweise geschlossen worden sind. Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 befristet sein und ausgezahlt werden, wenn die Kunden sie bis dahin nicht eingelöst haben. Wer auf das Geld angewiesen ist, soll ausnahmsweise im Zuge einer Härtefallregelung eine Erstattung bekommen.

Glück im Unglück haben Bahnreisende: Wenn sie derzeit eine Reise nicht antreten wollen, können sie ihre gebuchten Tickets kostenfrei stornieren oder bis zum 30. Juni flexibel nutzen. Das gilt auch für Spar- und Super-Sparpreisfahrkarten. Infos dazu gibt es im Internet auf www.bahn.de/corona

91. Ich bin Mieter. Was passiert, wenn ich meine Miete nicht zahlen kann?

Bisher galt: Geraten Mieter mit ihrer Mietzahlung zwei Monate in Rückstand, kann ihnen der Vermieter fristlos kündigen. Das ist jetzt anders: Rutschen Mieter im Zuge der Corona-Pandemie in Zahlungsnot, dürfen Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni nicht mehr zur Kündigung führen, haben Bundestag und Bundesrat beschlossen.

Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund rät Betroffenen, den Vermieter sofort zu informieren. Um zu dokumentieren, dass die Zahlungsprobleme mit der Covid-19-Pandemie zusammen hängen, sollten die Mieter entsprechende Verdienstbescheinigungen vorlegen.

Wichtig: Die Miete wird nicht geschenkt, sondern ist nur gestundet, der Vermieter darf Verzugszinsen erheben, was Mieterschützer falsch finden. Die Mieter haben bis Ende Juni 2022 Zeit für die Rückzahlung. Die Regelung gilt auch für Gewerbemieter, die ihren Betrieb etwa aufgrund behördlicher Auflagen schließen müssen. Der Kündigungsschutz kann – je nach Entwicklung – auch über den 30. Juni hinaus verlängert werden, betont das Bundesjustizministerium.

92. Was machen die Vermieter?

Unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben kommen einige Vermieter in Krisenzeiten ihren Mietern entgegen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ hat kürzlich verschickte Mieterhöhungen zurück genommen, auch Deutschlands größtes privates Wohnungsunternehmen Vonovia verzichtet auf Mieterhöhungen und Wohnungsräumungen. Vonovia hat in der Region Berlin-Brandenburg rund 40.000 Wohnungen. Der Berliner Senat hat zudem beschlossen, dass Wohnungsräumungen derzeit ausgesetzt werden sollen. Gleiches soll für Zählersperren gelten, falls Menschen krisenbedingt die Zahlungen für Strom, Gas, Telekommunikation oder Wasser einstellen.

93. Was ist, wenn ich kein Geld für Strom und Internet habe?

Energie- und Telekommunikationskunden müssen weiter beliefert werden, auch wenn sie nicht zahlen. Das haben Bundestag und Bundesrat beschlossen.

94. Laufen Kredite weiter, auch wenn ich die Raten nicht bedienen kann?

Verbraucher, die ihren Kredit aufgrund der Corona-Krise nicht bedienen können, bekommen einen Zahlungsaufschub. Zahlungsverpflichtungen bis zum 30. Juni werden gesetzlich um drei Monate gestundet. Damit die Schuldner später nicht mit doppelten Raten belastet werden, wird der Vertrag um drei Monate verlängert. Die Regelung kann über den 30. Juni hinaus verlängert werden.

Banken und Sparkassen bieten die Stundung ab dem 1. April für Darlehensverträge an, die vor dem 15. März abgeschlossen worden sind, teilte die Deutsche Kreditwirtschaft mit. Die Stundung gelte für Verbraucher, die durch die Pandemie „unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten“ und betreffe Rückzahlungen, Zinsen oder Tilgungen von April bis Juni. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert die gesetzlichen Anforderungen.

„Nach der Gesetzesbegründung ist vom Darlehensnehmer zu beweisen, dass er aufgrund der Pandemie Einnahmeausfälle hat. Dazu muss der Darlehensnehmer auch noch beweisen, dass diese Einnahmeausfälle ihn und seine Unterhaltsberechtigten in ihrem Lebensunterhalt gefährden“, betont der Verbraucherschützer. Was die Sache weiter verkompliziert: Die Schwelle der relevanten Einnahmeminderung soll vom individuellen Einzelfall abhängen. Der Verbraucher muss Nachweise erbringen.

95. Hilft der Staat bei der Kinderbetreuung?

Geschlossene Schulen und Kitas stellen Eltern vor Probleme. Wenn sie ihre Kinder daheim betreuen müssen, zahlt der Staat für (zunächst) sechs Wochen 67 Prozent des Lohns weiter. Voraussetzung: Die Kinder sind jünger als zwölf. Arbeitnehmer müssen sich an den Arbeitgeber wenden, der sich dann seinerseits das Geld vom Staat holt. Pro Monat gibt es maximal 2016 Euro. Und: Für die Zeit der Schulferien gilt dieses Angebot nicht.

96. Bekommen Eltern auch einen Kinderzuschlag?

Einkommensschwache Eltern erhalten jetzt leichter den Kinderzuschlag. Er beträgt bis zu 185 Euro im Monat und hängt vom Einkommen ab. Während dafür normalerweise die letzten sechs Monate berücksichtigt werden, wird in der Coronakrise nur das Einkommen des letzten Monats herangezogen. Infos gibt es auf www.kinderzuschlag.de.

97. Was ist mit der Grundsicherung?

Menschen, die arbeitslos sind und Grundsicherung beantragen, bekommen vorübergehend leichter Geld. Wer zwischen dem 1. März und dem 30. Juni einen Antrag stellt, muss für die ersten sechs Monate nicht mit einer Vermögensüberprüfung rechnen, falls er erklärt, nicht über relevantes Vermögen zu verfügen. Für das erste halbe Jahr Hartz IV sollen zudem die Ausgaben für Miete und Heizung in voller Höhe anerkannt werden. 

98. Ich bin Unternehmer und mir geht das Geld aus. Muss ich Insolvenz anmelden?

Normalerweise verpflichtet Paragraf 15a der Insolvenzordnung (InsO) die Geschäftsführer einer GmbH oder die Vorstände einer Aktiengesellschaft, einen Insolvenzantrag zu stellen, wenn das Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist. Das müssen sie innerhalb einer Frist von drei Wochen tun, sonst können sie sich wegen Insolvenzverschleppung strafbar machen. Ihnen droht dann eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Außerdem darf man nach einer Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung fünf Jahre lang nicht mehr als vertretungsberechtigtes Organ einer juristischen Person arbeiten. In der Covid-19-Krise ist diese Frist nach Meinung des Gesetzgebers zu kurz bemessen. Es dürfe nicht sein, dass Unternehmen Anspruch auf Staatshilfe hätten, aber Insolvenz anmelden müssen, weil das Geld nicht rechtzeitig kommt.

Deshalb wird die Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt, auch Gläubiger sollen keinen Insolvenzantrag stellen dürfen. Das gilt in den Fällen, in denen die Zahlungsunfähigkeit auf den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie beruht und es Aussicht auf die Beseitigung der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit gibt. Die Regelung gilt zunächst bis zum 30. September, kann aber bis zum 31. März 2021 verlängert werden.

99. Wo gibt es aktuelle Informationen zum Coronavirus?