Eindämmung, Schutz und Hygiene

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Update
99 Fragen und Antworten zum Coronavirus : Das große FAQ zur Pandemie
Richard Friebe Heike Jahberg Patrick Danner Katrin Schuber
Coronavirus FAQ - Fragen und Antworten zu SARS-COV2 und COVID-19

Inhaltsverzeichnis

35. Warum versucht man weltweit, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen?

Die Ausbreitung des Virus einzudämmen ist sinnvoll:

  • weil Infizierte sterben können.
  • weil nach schweren, überstandenen Erkrankungen möglicherweise langfristige Spätfolgen drohen. Zumindest wird von diesen bei Sars - ebenfalls ein Coronavirus mit sehr ähnlichen Symptomen - berichtet. Man spricht hier vom „Post-Sars-Syndrom“. Es kann zur kompletten Arbeitsunfähigkeit führen. Dokumentiert sind unter anderem das Absterben von Knochengewebe, schwere Vernarbungen in der Lunge sowie posttraumatische Stressbelastungen.
  • weil auf diese Weise massive wirtschaftliche und soziale Konsequenzen infolge von Schulschließungen, Arbeitsabwesenheit, Produktionsausfällen etc. minimiert werden können.
  • weil so einer Überlastung des Gesundheitssystems vorgebeugt wird. Damit ist es wahrscheinlicher, dass für die, die doch erkranken, eine Versorgung etwa per Beatmungsgerät, aber auch mit ausreichend Fürsorge durch Personal, garantiert werden kann.

36. Man hört immer wieder das Schlagwort vom „Abflachen der Kurve“, beziehungsweise das englische „Flatten the Curve“. Was bedeutet das?

Hier geht es um die grafische Darstellung des Verlaufes der Entwicklung der Zahl der Erkrankten. Covid-19 ist stark ansteckend, unter normalen Bedingungen infiziert eine infizierte Person also deutlich mehr als eine weitere. Das bedeutet, dass jene Kurve, auf der die Zahl der Infizierten dargestellt ist, steil ansteigt. Man spricht von exponentiellem Wachstum.

Anfangs wirkt sich das kaum fundamental aus, denn eine Intensivstation mit 20 für akute Lungenentzündungen freigehaltenen Betten kann, wenn sich die Zahl der Patienten etwa alle drei Tage verdoppelt, ohne Probleme heute fünf und in drei Tagen zehn Patienten versorgen. Nach weiteren sechs Tagen wären es - wenn andere nicht sehr schnell wieder gesund werden (oder sterben) - aber bereits etwa 40 Patienten, die eigentlich ein Intensivbett bräuchten.

Nach einer weiteren knappen Woche bereits 120. Man muss also versuchen, diese Kurve nicht so steil ansteigen zu lassen - also die Zeit, in der sich die Zahl der Erkrankten verdoppelt, zu dehnen. Idealerweise geschieht das so, dass die Grenzen der Kapazität der Gesundheitsversorgung nicht durchbrochen wird.

Das gelingt im genannten Beispiel nur, wenn je Zeiteinheit genau so viele Plätze auf der Intensivstation wieder frei werden, wie neue Patienten hinzukommen. Auf diese Weise wird zwar auch die Zeit, die eine Gesellschaft mit einer Epidemie zu kämpfen hat, verlängert, aber es wird zumindest garantiert, dass alle auch versorgt werden können.

Grafik: flattenthecurve - Die Entwicklung einer Pandemie
Gelingt es, die Ausbreitung eines Virus zu verlangsamen, würden zwar gleich viele Menschen infiziert, allerdings über einen...Grafik: Tagesspiegel/Cremer

37. Was bedeuten Letalität, Mortalität und Virulenz?

Letalität ist die Rate der Todesfälle bezogen auf die Gesamtzahl der Erkrankten oder bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten. Im Englischen wird hier auch der Begriff der "case fatality rate" (CFR) benutzt. Wie hoch diese bei diesem Virus liegt, ist nach wie vor unklar. In einer Pressekonferenz der WHO gab der Vorsitzende einer "Joint Mission" zur Untersuchung der Situation in China, Bruce Aylward, für die Provinz Hubei eine CFR zwischen zwei und vier Prozent an, für Regionen abseits von Hubei 0,7 Prozent.

Sie könnte aber, falls viele Infektionen aufgrund fehlender oder nur leichter Symptome unerkannt bleiben sollten, auch deutlich niedriger liegen. Je nach Land und dortigen Testmöglichkeiten und -vorgaben unterscheidet sich die CFR bislang teilweise extrem. In Italien liegt sie bei etwa zehn Prozent, in Deutschland, Stand Ende März, unter einem Prozent.

Als zumindest ein wichtiger Grund hierfür wird angenommen, dass im Vergleich zu Deutschland in Italien sehr viele Personen, die nicht ernsthaft erkrankten, gar nicht getestet wurden. Zudem dürften sich dort, bevor Isolierung und soziale Distanzierung wirken konnten, bereits sehr viele ältere und anfällige Personen angesteckt haben. Allerdings rechnen Experten noch mit einem Anstieg der Fallsterblichkeit in Deutschland.

Mortalität ist, anders als Letalität oder CFR, schlicht die generelle Sterberate innerhalb der Bevölkerung oder einer Bevölkerungsgruppe, unabhängig von spezifischen Faktoren wie etwa Erkrankungen und Infektionen. Das bedeutet, dass etwa ein Virus mit hoher Letalität auch die Mortalität erhöht, während etwa eine plötzlich verfügbar werdende Impfung die Mortalität dann wieder senken könnte.

Virulenz ist das Ausmaß der Pathogenität, also das krankmachende Potenzial eines Erregers. Je höher die Virulenz eines Erregers, desto höher ist normalerweise auch die Letalität beim Menschen, aber nicht notwendigerweise. In anderen Definitionen wird Virulenz auch als Ausmaß der Infektiosität unabhängig von der Schwere der resultierenden Erkrankung benutzt.

38. Wo ist die Eindämmung der Krankheit und der Verbreitung des Virus bislang am besten gelungen, und wie?

Taiwan galt eigentlich als das Land, das nach China am stärksten hätte betroffen sein müssen. Trotzdem gab es dort sehr lang sehr wenige Fälle. Erst in den vergangenen Wochen hat die Zahl etwas stärker zugenommen, aufgrund von Rückkehrern aus Europa vor allem. Sie liegt aber nach wie vor vergleichsweise niedrig. Und das öffentliche Leben und die wirtschaftliche Aktivität sind kaum eingeschränkt.

Grund ist, dass die Behörden dort sehr früh sehr konsequente und von langer Hand vorbereitete Maßnahmen umgesetzt und die Bevölkerung früh informiert und sensibilisiert haben. Die Bevölkerung war zudem aufgrund der Erfahrungen mit Sars 2003 gut vorbereitet, wozu auch in praktisch jedem Haushält auf Vorrat vorhandene Mund-Nase-Masken beitrugen.

Das Tragen selbiger ist dort etwa im öffentlichen Nahverkehr für viele Menschen ohnehin - und vor allem, wenn sie Erkältungssymptome haben - tägliche Routine, die andere vor Ansteckung schützt. Ein anderer lehrreicher Fall ist der Südkoreas. Dort gab es einen massiven Ausbruch. Konsequente Testung und Isolation Infizierter hat aber dazu geführt, dass es dort vergleichsweise schnell gelang, die Infektionskurve abzuflachen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Deutschland inzwischen Südkorea bei den Testzahlen überholt hat. In Südkorea waren es bis zum 20. März insgesamt 316.664 Tests, das sind statistisch 6152 pro 1 Million. In Deutschland waren es bis zum gleisen Datum insgesamt 515.628, also 6228 pro 1 Million. Bis 15. März hatte Deutschland aber gerade mal statistisch 2100 Test pro eine Million Einwohner geschafft. Südkorea lag da schon bei 5744 pro eine Million. Bis zum 29. März wuchs der Abstand weiter. Während Deutschland bis dahin rund 918.000 Test durchgeführt hatte - also mehr als 11.000 pro eine Million Einwohner - lag die Zahl in Südkorea bei rund 394.000 Test, knapp 7700 pro einer Million.

39. Ist China beim Umgang mit dem Coronavirus ein Vorbild für Deutschland?

Maßnahmen wie in China galten in Deutschland als kaum vorstellbar. Letztlich unterscheidet sich aber vieles, was derzeit an Regelungen in Deutschland gilt, nur marginal von denen, die in Wuhan und Umgebung durchgesetzt wurden.

Bisher wird aber etwa auf individuelle Überwachung verzichtet. Die Erfahrungen in China in die aktuellen Überlegungen zumindest mit einzubeziehen und mögliche weitere Maßnahmen, die jenen in China ähneln könnten, schon vorab auf eine Umsetzbarkeit im Kontext der in einem freiheitlichen Land geltenden Grundregeln und -rechte zu prüfen, ist sicher sinnvoll.

Denn in China gilt die Epidemie, Stand Ende März, als unter Kontrolle. Doch dass es eben auch mit den Mitteln eines Rechtsstaates und innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung funktionieren kann, zeigt zuallererst die Situation im Kreis Heinsberg, Ground Zero der Epidemie in Deutschland, wo es ebenfalls Ende März gelang, die Zahl der Neuinfektionen zu stabilisieren.

40. Worin unterscheidet sich Covid-19 von Sars?

Obwohl die Erreger von Sars und Covid-19 sich ähneln, unterscheiden sie sich offenbar in einigen relevanten Eigenschaften. Hier ist wissenschaftlich noch längst nicht alles verstanden. Möglicherweise ist Sars-CoV-2 infektiöser - virulenter - als Sars. Klar ist, dass sich im oberen Rachenraum viel mehr Viren finden als bei Sars, sogar mehr als bei Influenza. Das trägt zu höherer Ansteckungsgefahr bei. Und eine entscheidende Rolle könnte spielen, dass anders als bei Sars das Virus offenbar auch von Personen, die keine oder nur sehr milde Symptome zeigen und fühlen, übertragen werden kann.

Auch das steht im Zusammenhang mit der Virenlast im oberen Rachenraum: Die Erreger können sich in diesem Bereich vermehren, ohne dass die Person sich besonders krank fühlen muss. Bei Sars fand die Vermehrung der Viren vor allem in tiefen Lungenbereichen statt. Dort ist das Immunsystem viel aktiver, und Betroffene fühlten sich deshalb auch wirklich krank, wurden schneller diagnostiziert und konnten isoliert werden.

41. Warum ist Covid-19 noch nicht eingedämmt?

Die oben genannten Eigenschaften von Covid-19 machen es fast unmöglich, die Krankheit auf die Weise, wie es bei Sars gelungen ist, einzudämmen, nämlich über die Isolierung von Erkrankten. Trotzdem spielt diese Strategie eine wichtige Rolle, um Ausbrüche unter Kontrolle zu bringen. In Wuhan etwa wird die deutlich gesunkene Zahl von Neuinfektionen auch darauf zurückgeführt.

Ein Grund, dass die Epidemie derzeit viele Länder massiv betrifft, ist, dass die meisten - im Gegensatz zu Ländern wie China, Taiwan, Korea oder Territorien wie Hong Kong und Macau - weitgehend unvorbereitet waren. Dies gilt für die staatlichen Strukturen und Gesundheitssysteme ebenso wie für die einzelnen Bürger.

42. Lässt sich absehen, wann die Epidemie vorüber sein wird?

Nein. Selbst in China, wo die Zahl der Neuerkrankungen (offiziell) massiv zurückgeht, ist nicht sicher, dass nun wieder Normalität einkehrt. Bei Lockerung der einschränkenden staatlichen Maßnahmen, die bereits begonnen haben, könnten Neuinfektionen und auch Todesfälle wieder zunehmen. Für Europa und Deutschland sind Vorhersagen derzeit unmöglich. Fachleute gehen aber davon aus, dass die Fallzahlen insgesamt zunächst weiter steigen werden.

Ob die Epidemie zumindest einigermaßen eingedämmt werden kann, wird von vielen Faktoren abhängen. Dazu gehört, ob sich große Teile der Bevölkerung an die Ratschläge und Vorgaben zur Infektionsvorbeugung halten oder nicht, wie effektiv die Schließung von Gemeinschafts-, Unterhaltungs- und Sporteinrichtungen sowie Geschäften sein wird; ob Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen zum gewünschten Erfolg führen und wie früh es im Durchschnitt gelingt, infektiöse Personen zu isolieren. Auch Mutationen des Erregers können bedeutsam sein - auch in wünschenswerter Weise. So gibt es immer wieder Beispiele, dass das Ende einer Epidemie eindeutig mit einer verringerten Virulenz des Erregers verknüpft ist.

Coronavirus FAQ - Wie schütze ich mich ? - SARS-COV2 und COVID-19

43. Kann ich mein Immunsystem stärken, um das Virus besser abwehren zu können?

Es ist mit Sicherheit richtig, auf die Faktoren, die nachgewiesenen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems haben, zu achten. Als hilfreich gelten: ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, Vermeidung von körperlichem und seelischem Dauerstress, regelmäßige körperliche Betätigung und auch eine ausgeglichene Psyche, soweit man auf letztere Einfluss nehmen kann. Ansonsten haben wir die Fakten zu diesem Thema hier zusammengestellt.

Grafik: Wie lange können Coronaviren auf Oberflächen überleben?
Grafik: Tagesspiegel/Böttcher, Cremer

44. Kann man sich an Waren oder Verpackungen infizieren?

Diese Möglichkeit ist nicht auszuschließen, das Risiko wird aber als eher gering eingestuft. Der Grund: Die Viren können zwar, soweit bekannt, einige Zeit auf Oberflächen infektiös bleiben. Aber die Waren müssten mit großen Erregermengen kontaminiert sein, was selbst in Epidemiegebieten selten sein dürfte. Das größte Infektionsrisiko ist der enge Kontakt mit infizierten Personen. 

45. Was bringt es, Verpackungen zu desinfizieren?

Im Zuge der allgemein erhöhten Hygiene spricht nichts dagegen, Warenverpackungen feucht und mit Reinigungsflüssigkeit abzuwischen. Die Verpackungen sofort sicher zu entsorgen ist ebenfalls empfehlenswert. Nach Umgang damit gründlich die Hände zu waschen, halten Experten derzeit für ausreichend. Wer ganz sicher gehen will, kann, wenn möglich, erworbene Waren ein paar Tage unberührt lassen. Ausführliche Hinweise zur Sars-CoV-2-abtötenden Reinigung von Flächen und Gegenständen sind hier zusammengestellt (engl.)

46. Wie schützt man sich persönlich am besten vor einer Coronavirus-Infektion?

Regelmäßiges gründliches Händewaschen mit Seife, möglichst mehr als zwei Meter Abstand halten von Infizierten oder möglicherweise Infizierten, Vermeiden des Berührens von Mund, Nase und Augen mit den Händen gelten als wichtigste und effektivste Vorkehrungen. Dazu kommen zahlreiche weitere Möglichkeiten, die wir hier zusammengefasst haben.

47. Was ist besser für die Handhygiene: Desinfektionsgel, -spray und -tücher? Oder Seife und Wasser?

Gründliches Händewaschen mit normaler Seife macht Coronaviren praktisch komplett ungefährlich. Desinfektionsmittel für die Hände sind unter Umständen sogar weniger effektiv als Wasser und Seife. Sie sind dann sinnvoll, wenn hygienisches Händewaschen nicht möglich ist. Das Desinfektionsmittel sollte mindestens 60 Prozent Alkohol enthalten. Dieser schädigt wie die waschaktiven Stoffe in der Seife die Hülle des Virus und nimmt ihm damit auch seine Infektiosität. Zudem ist es bei manchen Oberflächen schwierig, sie gründlich mit waschaktiven Substanzen zu reinigen, auch hier ist Desinfektionsspray eine Option.

Grafik- Wie Seife das Coronavirus zerstört
Klicken Sie auf das Symbol um die komplette Grafik zu sehen.Grafik: Tagesspiegel/Böttcher, Cremer

48. Was bedeutet „gründliches Händewaschen“?

Kurz ein bisschen Seife und Wasser in den Händen zu verreiben, reicht nicht aus. Man sollte so vorgehen:

  • Hände unter fließendes Wasser halten, die Temperatur ist egal.
  • Gründlich einseifen - es muss gut schäumen - mindestens bis zum Handgelenk, dabei Fingerzwischenräume nicht vergessen. Fingerspitzen und Nägeln besondere Aufmerksamkeit widmen.
  • Auf diese Weise mindestens 20 Sekunden lang die Hände waschen, das ist in etwa die Zeit, die vergeht, wenn man zweimal die Melodie von „Happy Birthday“ vor sich hin summt. Und es ist deutlich mehr Zeit, als wir normalerweise zum Waschen der Hände aufwenden.
  • Gründlich abspülen. Danach zum Schließen des Wasserhahns möglichst nicht die Hand benutzen, sondern etwa den Ellbogen oder ein Papierhandtuch oder Papiertaschentuch.
  • Gründlich und überall abtrocknen, mit Einmalhandtuch oder zuhause mit persönlichem, von niemand anderem benutztem Handtuch. Lufttrockner sind weniger geeignet. In öffentlichen Toiletten sollte man dann noch darauf achten, dass man nicht gleich wieder die von vielen Leuten täglich benutzte Türklinke anfasst, sondern sich auch hier mit dem Ellbogen oder einem Papiertaschentuch oder dergleichen behelfen. Auch das Tragen von Handschuhen ist hier einen Option.
Haendewaschen - welche Bereiche oft vergessen werden - Grafik
Klicken Sie auf das Symbol um die komplette Grafik zu sehen.Grafik: Tagesspiegel/Böttcher, Cremer

49. Schädigt intensives Händewaschen oder -desinfizieren die Haut, und können Keime dann dort sogar besser eindringen? Was kann man dagegen tun?

Menschen und deren Haut sind unterschiedlich empfindlich. Tatsächlich greifen die waschaktiven Substanzen aber, je länger und je öfter sie in Kontakt mit der Haut kommen, potentiell auch deren Funktion als Schutzbarriere an. Wenn Hände trocken und spröde werden, sollte man zusätzlich Pflegeprodukte wie Handcreme benutzen. Es bieten sich fettreiche Produkte mit Inhaltsstoffen wie Urea, Glycerin und natürlichen Ölen an.

50. Kann ich im Haushalt etwas tun, um mich zu schützen?

Zum Beispiel sollten Handtücher, auch zu Hause, nicht gemeinsam verwendet werden. Bei gemeinsamen Mahlzeiten sollten Gefäße und Besteck nicht gemeinsam benutzt werden (vor allem bei Kindern darauf achten). Da es sich kaum vermeiden lässt, etwa die Suppenkelle zu teilen, sollten auch nach dem Essen die Hände gewaschen werden. All das gilt als allgemeine Vorkehrung. Wenn jemand im Haushalt nachweislich oder höchstwahrscheinlich infiziert und infektiös ist, sollte Kontakt minimiert und bei Aufenthalt im selben Zimmer von allen Personen Mundschutz getragen werden.

51. Welches ist, was den Infektionsschutz angeht, das sicherste Verkehrsmittel?

Ein privater PKW, der exklusiv genutzt wird, oder Motorradfahren senkt die Infektionsgefahr. Auch das Fahrrad gilt als eher sicher. Hier sollte aber, etwa an der Ampel, ebenfalls auf Abstand zu anderen geachtet werden.

52. Was sollte ich in öffentlichen Verkehrsmitteln beachten?

In öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden senkt das Tragen von Handschuhen, die möglichst täglich gewaschen und gewechselt werden sollten, das Risiko.

  • Auch hier gilt, im Rahmen des Möglichen Abstand zu halten.
  • Es ist sinnvoll, die Fenster zu öffnen, wenn dies möglich ist.
  • Es ist sinnvoll, an Haltepunkten zwecks Lüftung die Türen dauerhaft geöffnet zu lassen.
  • Es ist sinnvoll, Haltestangen und andere Oberflächen regelmäßig zu desinfizieren.

In Taiwan etwa, dem Land, wo es bislang am besten gelungen ist, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, geschieht dies bei jedem Endhalt, wie im Video zu sehen ist.

Je weniger Menschen öffentliche Verkehrsmittel benutzen, desto einfacher ist es für die Personen, die dies nicht vermeiden können, in ihnen Abstand von anderen zu halten. Wer kann, sollte also Rad oder Auto fahren und unnötige Wege in den öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden.

53. Was sollte ich im Büro oder am Arbeitsplatz generell beachten?

Von zahlreichen Menschen benutzte Griffe, etwa von Türen, Fenstern und Teeküchen-Schubladen, aber auch Wasserhähne oder Knöpfe in Fahrstühlen, sind potenzielle Keimquellen. Hier sinkt das Risiko, wenn man sie mit Handschuhen öffnet und schließt, oder wenn möglich per Ellbogen, Schulter etc. Wenn der Kontakt mit der Hand unvermeidbar ist, kann man die Hände direkt danach waschen gehen.

Besetzte Arbeitsplätze sollten möglichst weit auseinander liegen. Sonst vielleicht übliche Tätigkeiten, bei denen Kollegen eng bei einander Zeit verbringen - etwa am Rechner, wenn eine Person der anderen über die Schulter schaut, um gemeinsam eine Aufgabe zu bearbeiten - sollten unterbleiben. Nur wer unbedingt muss, sollte persönlich zur Arbeit erscheinen. Alles, was im Homeoffice möglich ist, sollte auch von zuhause aus erledigt werden.

54. Was sollten Arbeitgeber beachten?

Sie müssen Beschäftigten nicht nur erlauben, sondern diese anweisen, bei Infektionsverdacht zuhause zu bleiben und wenn möglich von dort zu arbeiten. Sie sollten helfen, ein Arbeiten von zuhause aus zu ermöglichen und auch in entsprechende Technologie, Schulungen und Infrastruktur investieren. An Produktionsstätten und ähnlichen Orten sollte das Unternehmen die Zahl der Personen, die vor Ort sind, auf das Allernötigste reduzieren.

Beschäftigte sollten die Abstandsregeln einhalten, auf erhöhte Hygiene und regelmäßige Reinigung sollte geachtet werden. Wenn möglich sollten Arbeitgeber Mund-Nase-Masken zur Verfügung stellen. Die gilt aber nur, solange dieses Material nicht in Kontexten, in denen es weitaus notwendiger ist, fehlt, etwa in Kliniken und Arztpraxen. Diese sollten entsprechende Schutzausrüstung bevorzugt erhalten. So haben bereits auch Firmen, die solches Material bevorratet hatten, dieses zur Verfügung gestellt.

55. Gibt es ein erhöhtes Risiko in Schwimmbädern/Sauna?

Solche Einrichtungen sind im Zuge der verschärften Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus geschlossen. Generell gilt, dass das Schwimmbad oder die Sauna an sich aufgrund ihrer Eigenheiten keine Orte erhöhten Infektionsrisikos mit dem Coronavirus sein dürften. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme tragen sogar zumindest bei anderen Viren zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Übertragung bei. Das Wasser im Schwimmbad kann praktisch keine infektiösen Konzentrationen von Viren enthalten.

Ansonsten gilt hier, was überall sonst gilt, wo sich Personen auf engem Raum begegnen und Gegenstände nacheinander berühren: Wer infiziert sein könnte, sollte solche Bereiche auch, wenn sie wieder zugänglich sind, komplett meiden, um andere zu schützen. Wenn man niesen oder husten muss, sollte man zu anderen maximal möglichen Abstand halten, mindestens aber zwei Meter. Außerdem sollte man in ein Taschentuch niesen oder husten, das man anschließend wegwirft oder verpackt.

56. Gibt es ein erhöhtes Risiko im Fitnessstudio?

Auch Fitnessstudios mussten aufgrund der Verordnungen schließen. Generell und darüber hinaus gilt hier, dass das Risiko in Fitnessstudios wahrscheinlich nicht höher ist als in anderen Kontexten, in denen Menschen sich auf engem Raum gemeinsam aufhalten und Gegenstände nacheinander berühren. Wer sich nur ansatzweise krank fühlt, sollte - schon aus Eigenschutz, weil der Körper dann Ruhe braucht, aber auch um andere zu schützen - auch nach Lockerung der Maßnahmen nicht ins Fitnessstudio gehen.

57. Wie lange können die Viren außerhalb des Körpers überleben?

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben Coronaviren eine "relativ geringen Umweltstabilität", können also außerhalb des Körpers eines Wirtes nur vergleichsweise kurz überleben und damit ansteckend sein. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass importierte Lebensmittel oder Bedarfsgegenstände und Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe die Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten. 

In einem kürzlich im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Fachartikel kommen US-Wissenschaftler, unter anderem vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases, zu folgenden Schlüssen: Auf allen untersuchten Oberflächen nimmt die Zahl der infektiösen Partikel sehr schnell ab.

Auf Kupfer war nach vier Stunden kein infektiöses Virenmaterial mehr nachweisbar. Auf Pappe war es nach 24 Stunden verschwunden. Auf Plastik war nach 72 Stunden noch eine, allerdings vergleichsweise sehr geringe Menge lebensfähigen Virus’ nachweisbar, auf Edelstahl nach 48 Stunden. In allen Fällen geschah der Abbau nicht gleichmäßig, sondern beschleunigte sich exponentiell.

In Tröpfchen in der Luft nahm die Konzentration des Virus ebenfalls schnell ab. Allerdings wurde sie nur über drei Stunden gemessen. In dieser Zeit hatte sie sich aber bereits auf knapp zehn Prozent der ursprünglichen Konzentration reduziert. Nachrichten, dass Virenteile etwa in Kabinen des Kreuzfahrtschiffes „Diamond Princess“ nach mehr als einer Woche noch nachweisbar waren, sind zwar korrekt. Hier handelte es sich aber nur um Bruchstücke von Erbmaterial und nicht um infektiöse Viren.

58. Ist das Coronavirus durch Bargeld oder beim Zahlen mit Karte übertragbar?

Dass dieses Virus über Geldscheine oder Münzen weitergegeben wird, ist grundsätzlich möglich, gilt aber nicht als bedeutsamer Übertragungsweg. Auch beim Zahlen mit Karte, etwa wenn man die Pin eingibt, ist es denkbar, Viren zu verteilen oder aufzusammeln. Es gelten die weiter oben angesprochenen Hinweise bezüglich der Handhygiene.

59. Was muss ich bei Haustieren beachten?

Bis jetzt gibt es nur wenige Hinweise, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen an Covid-19 erkranken oder es übertragen. Am 4. März wurde bekannt, dass das Virus bei einem Hund, der einer an Covid-19 leidenden Person aus Hong Kong gehörte, nachgewiesen worden ist. Später folgte ebenfalls in Hong Kong ein weiterer solcher Fall. Die Testergebnisse ließen jeweils darauf schließen, dass der Hund relativ wenige Viren auf seinen Schleimhäuten trug.

Es ist unklar, ob das Virus sich dort nennenswert vermehrt hat oder sich nur aufgrund des Kontaktes mit der infizierten Person und von ihr berührten oder mit Sekret benetzten Oberflächen dort gleichsam als Kontaminante angesammelt hatte. Es ist zudem unklar, ob die Hunde ihrerseits infektiöses Virus hätten an Menschen weitergeben können. Experten halten dies für unwahrscheinlich.

Auch bei Sars war im Jahr 2003 das Virus bei Haustieren festgestellt worden. Diese erkrankten jedoch nie, und eine Übertragung auf Menschen wurde nie nachgewiesen. Aus Belgien wurde der Fall einer Katze, bei der das Virus nachgewiesen wurde und die später dann auch an einer Atemwegserkrankung litt, sich aber wieder erholte, bekannt.

Die Behörden werten dies bislang als seltenen Einzelfall. Solche Fälle zeigen aber auch, dass Haustiere als Überträger nicht völlig ausgeschlossen werden können, und dass sie möglicherweise auch selbst erkranken (obwohl selbst bei jener Katze nicht nachgewiesen ist, dass dieses Virus ihre Symptome ausgelöst hat). Wer selbst infiziert ist, sollte sich also möglichst auch von seinem Haustier fernhalten.

60. Welche Tiere können sich mit dem Virus infizieren? 

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) untersucht derzeit, ob sich Schweine und Hühner infizieren könnten. Das ist wichtig, um herauszufinden, ob die Tiere Wirte und Überträger sein könnten, auch wenn sie möglicherweise keine Krankheitssymptome zeigen. Erste Ergebnisse zeigen, dass Fledermäuse und Frettchen anfällig für SARS-CoV-2-Infektionen sind, Schweine und Hühner dagegen nicht. Insbesondere die Anfälligkeit von Frettchen ist ein wichtiger Befund, da sie als Modelltiere für Infektionen beim Menschen zum Testen von Impfstoffen oder Arzneimitteln verwendet werden könnten, heißt es vom FLI.

61. Kann das Coronavirus über Fäkalien übertragen werden?

Dazu gibt es bis jetzt wenige Daten. Sicher ist, dass Virenmaterial über den Darm ausgeschieden wird. Ob es sich dabei um vermehrungsfähige Erreger handelt oder nur durch Verdauungsenzyme und ähnliches schon zerlegten molekularen Schrott, ist unklar. Eine einzelne kürzlich veröffentlichte Untersuchung legt aber nahe, dass Stuhl infektiös sein könnte.

Zumindest konnte eine Arbeitsgruppe der chinesischen Gesundheitsbehörde China-CDC unter dem Elektronenmikroskop ein aus einer Stuhlprobe einer erkrankten Person isoliertes Virus nachweisen, das so aussah, als ob es vermehrungsfähig war. Der eigentliche Nachweis, der nur über die Anzüchtung von Viren in Zellen unter Laborbedingungen möglich ist, ist aber nicht erbracht.

Der Charité-Virologe Christian Drosten sagte dazu am 26. Februar: Zwar lasse sich Viruserbgut in Stuhlproben Infizierter nachweisen, aber in keinem Fall habe man damit Zellkulturen infizieren können. Das sei "eine gute Nachricht hinsichtlich Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle”, so Drosten. Trotzdem empfiehlt es sich, auch auf der Toilette besonders auf Hygiene zu achten.

62. Schützen Mundmasken grundsätzlich vor einer Übertragung?

Professionell hergestellte OP-Masken (Mund-Nase-Masken) senken durch ihre Filtereigenschaften in Gegenwart von Infizierten das Übertragungsrisiko für die tragende Person, wenn sie richtig - also enganliegend - getragen werden. Vollständigen Schutz bieten sie nicht.

Aber: Die Masken senken durch ihre Filtereigenschaften massiv das Übertragungsrisiko für andere, wenn sie von Infizierten getragen werden. Dafür sind sie auch ursprünglich konzipiert. Sie sollen im Krankenhaus, und speziell im OP-Saal, Patienten vor Keimen des Pflegepersonals und der Ärzte schützen.

63. Was sollte ich noch zum Schutz durch Mund-Nase-Masken wissen?

Der Schutz durch die Masken lässt nach, wenn sie zu lange getragen werden. Er kann sich dann sogar in ein Infektionsrisiko umkehren, denn bei Vorhandensein des Erregers reichert er sich potenziell außen an der Maske an. Die Feuchtigkeit aus der Atemluft, möglicherweise kombiniert mit Essenresten und Hautschuppen, erleichtert die Vermehrung von Bakterien. Problematisch kann es auch sein, wenn Masken nicht sicher entsorgt werden, Menschen also mit kontaminierten Masken Kontakt haben. Details dazu gibt es weiter unten.

64. Was steckt hinter den Begriffen FFP2 und FFP3 beim Mundschutz?

Es handelt sich dabei um sogenannte Respiratoren mit der Spezifikation FFP2 oder FFP3. Es sind Atemschutzmasken mit Filter und oft mit Ventil, die einen etwas besseren Schutz bieten als herkömmliche Atemmasken. Die Spezifikation bezieht sich auf die Größe der Partikel, die die Filtermaterialen durchlassen und auf das Ausmaß der Reduktion der Konzentration entsprechender Partikel bei korrekter Anwendung. Letzteres bedeutet auch, dass sie von Hand besonders an das Gesicht angepasst werden müssen, um sie möglichst dicht zu halten. Ausführlichere Informationen zu den Schutzmasken insgesamt haben wir hier zusammengetragen.

Infografik: So wirksam sind Schutzmasken - Welche Schutzmaske schützt vor Ansteckung?
Grafik und Illustration: Tagesspiegel/ Böttcher, Möller

65. Ist es empfehlenswert, einen Mundschutz zu tragen?

Das Robert Koch-Institut hat seine Einschätzung für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes am Donnerstag (2. April) offiziell geändert. Auf den Internetseiten mit den Corona-Empfehlungen des RKI heißt es nun, eine solche einfache Schutzmaske könne das Risiko verringern, "eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken". Jenseits der Filtereigenschaften gelten die Masken indirekt als ausgesprochen effektiver Schutz, weil sie verhindern, dass Trägerin oder Träger mit möglicherweise kontaminierten Händen Nase und Mund berühren. Wird zusätzlich noch vermieden, sich in die Augen zu fassen, sinkt nach Expertenmeinung das Risiko einer Schmierinfektion auf annähernd Null. Kritiker hingegen warnen, die Masken könnten psychologisch ein zu starkes Schutzgefühl suggerieren und Träger dazu verleiten, andere wichtige Hygieneregeln oder das Abstandhalten zu vernachlässigen.

Eine 2019 erschienene Studie, die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass normale Mund-Nasen-Masken, wenn sie von medizinischem Personal genutzt werden, so effektiv sind wie die eigentlich bislang als deutlich effektiver geltenden Respiratoren.

Iinfografik: Können Schutzmasken das Ansteckungsrisiko verringern?
Grafik: Tagesspiegel/ Rita Böttcher

66. Wie lange darf ich eine Schutzmaske tragen, kann ich sie notfalls waschen?

Normale Schutzmasken sollten maximal einen Tag getragen werden, und möglichst nur in Zeitintervallen, während derer man sie wirklich braucht, also in unmittelbarer Nähe anderer und nicht etwa beim Müllrunterbringen oder Joggen oder dergleichen. Waschen beeinträchtigt die Wirksamkeit der Masken, setzt sie aber nicht auf Null. Ähnliches gilt für Einsprühen mit Desinfektionsspray. Wenn an neue Masken überhaupt nicht heranzukommen ist, behelfen sich manche Anwender mit Sterilisation per UV-Licht-Gerät.

Eine weitere Möglichkeit für den Notfall: Wenn man die Masken mehrere Tage trocken lagert, sind die meisten Erreger nicht mehr infektiös. Allein wiederholtes Tragen und damit verbundene mechanische Beanspruchung reduziert aber auch die Filtereigenschaften. FFP-Respiratoren (siehe unten) können länger und häufiger verwendet werden.

67. Wie genau entsorge ich Schutzmasken?

Die Masken können mit Erregern kontaminiert sein, sowohl außen als auch innen. Entsprechend vorsichtig sollte man mit ihnen umgehen. Schutzmasken sollten im normalen Hausmüll, entweder in einem zugebundenen Müllsack oder eingewickelt etwa in Küchenpapier, entsorgt werden. Danach gründlich Händewaschen.

68. Kann ich selbst eine effektive Gesichtsmaske herstellen?

Vor unautorisiert im Internet kursierenden Bastelanleitungen wird im Allgemeinen gewarnt. Es gibt aber Methoden, die auch von Experten als zumindest vertretbar und angesichts der derzeitigen Knappheit professionell hergestellter Masken als sinnvoll eingestuft werden und die, wenn richtig ausgeführt, zumindest einen nicht zu vernachlässigenden Schutz bieten. Hier stellen wir eine Möglichkeit vor.

Coronavirus FAQ - Wie schütze ich mich ? - SARS-COV2 und COVID-19

69. Wie schütze ich andere am besten?

Die sogenannte Husten- und Nies-Etikette sollte bestmöglich eingehalten werden: Wenn man husten oder niesen muss, dann deutlichen Abstand von anderen nehmen, möglichst ein Taschentuch oder auch die textilbedeckte Ellenbeuge nutzen, um Tröpfchen aufzufangen. Wer an einer Atemwegsinfektion erkrankt ist, sollte Menschenansammlungen – und damit auch den öffentlichen Nahverkehr, und sobald diese wieder öffnen, auch Kinos, Theater etc., meiden. Davon, sich zur Begrüßung die Hände zu schütteln, sowie von anderen mit engem Kontakt verbundenen Begrüßungs- und Abschiedsritualen sollte man vorläufig komplett absehen.

70. Wann ist mit einem Impfstoff zu rechnen?

Es wird derzeit an verschiedenen Impfstoff-Optionen gearbeitet, und das intensiv. Selbst erste Tests am Menschen haben begonnen. Manches Unternehmen kündigt an, eine Immunisierung könnte schon innerhalb von Monaten bereitstehen. Seriöse Experten gehen aber davon aus, dass, selbst wenn alles reibungslos verläuft und sich keine (durchaus nicht unwahrscheinlichen) wissenschaftlichen Hürden in den Weg stellen, eine für große Bevölkerungsgruppen zugängliche Impfung frühestens im Sommer 2021 verfügbar sein wird. Es könnte aber auch länger dauern. Der WHO-Chef bekräftige Ende März, ein Impfstoff sei nach wie vor „mindestens zwölf Monate entfernt“.

71. Mutiert das Virus schnell und kann sich so der Entwicklung von Therapien und Impfungen entziehen?

Wie alle anderen Viren - sogar wie alle anderen Lebewesen - hat Sars-CoV-2 die Neigung, über die Generationen hinweg Mutationen zu entwickeln. Mutationen sind für alle Lebensformen eine der wichtigsten Säulen der Evolution. Soweit derzeit bekannt mutiert Sars-Cov-2 aber, etwa im Vergleich mit Influenza-Erregern, relativ langsam.

Zu diesem Schluss kamen zwei italienische Forscherteams nach Genomsequenzierungen von in Italien aus Patienten gewonnenen Viren und dem Vergleich mit Daten von Viren aus Wuhan, die etwa zwei Monate alt waren. Ein chinesisches Forscherteam konnte Mutationen, die offenbar im Patienten stattfinden und zu einer für jeden Patienten spezifischen Viren-Diversitität führen, nachweisen.

Ob dies klinische Bedeutung hat, ist noch unklar. Mutationen bedeuten auch nicht automatisch, dass ein Virus sich in für Therapie oder Impfstoffentwicklung relevanter Weise verändern muss.

72. Gibt es bereits Medikamente, die gegen das Coronavirus wirken könnten?

Bisher gibt es noch kein Arzneimittel, dass Covid-19-Patienten nachgewiesen hilft. Forscher haben aber 69 bereits zugelassene Medikamente identifiziert, die helfen könnten. Das Coronavirus besteht aus 29 Genen, die für die Produktion von viralen Proteinen zuständig sind. Die Forscher suchten nach Medikamenten, die an menschliche Proteine andocken, die das Coronavirus braucht, um in die Zellen zu gelangen und sich dort zu vermehren. Darunter sind Mittel gegen Krebs, Ebola, Parkinson oder Bluthochdruck. 

Auf der Liste sind auch Präparate, die eingesetzt werden, um Schizophrenie zu behandeln sowie das Malariamedikament Chloroquin, das im Einsatz gegen das Coronavirus als vielversprechend gilt.

73. Werden Medikamente bereits getestet?

Im Uniklinikum Salzburg setzen Ärzte bei der Behandlung von Covid-19 auf zwei neue Medikamente. Seit Mitte März werden zwei schwer kranke Patienten mit dem Krebsmittel Tocilizumab behandelt.

Daten aus China hätten gezeigt, dass das Krebsmedikament die Schwere einer Covid-19-Erkrankung um 90 Prozent mildern könne, erklärt der Mediziner und Leiter des Krisenstabs am Landesspital, Richard Greil. Tocilizumab könne "den sogenannten Entzündungssturm bremsen", der letztlich zum Tod führen kann.

74. Zeichnen sich Favoriten ab, auf die die Forscher besondere Hoffnungen setzen?

Weltweit - auch in Deutschland - gibt es bereits mehrere Testreihen mit dem ursprünglichen gegen Ebola entwickelten Medikament Remdesivir. In Deutschland haben unter anderen das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und das Universitätsklinikum Düsseldorf Studien mit Remesdivir gestartet. "Ende April sollten bereits erste Daten vorliegen, sodass eine Zwischenanalyse möglich sein könnte", heißt es vom UKE. Aus anderen Testreihen in der Welt, die zum Teil bereits seit Mitte März liefen, wisse man, dass Remesdivir scheinbar gut vertragen werde. "Die Verfassung der damit behandelten Patienten hat sich verbessert." Doch erst kontrollierte Studien würden zeigen, ob das Mittel tatsächlich wirksam sei und warum es den Patienten besser gehe. 

75. US-Präsident Trump setzt auf das Malaria-Medikament Chloroquin zur Covid-19 Behandlung. Zurecht?

Nach Ansicht des Charité-Virologen Christian Drosten ist es nach derzeitigem Studienstand unwahrscheinlich, dass diese Substanz Krankheitsverläufe deutlich abmildern kann, auch wenn er gewisse Effekte für möglich hält. Ohne Trump direkt zu nennen, hat sich der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom, zu derartigen Äußerungen sehr klar positioniert.

Er sagte Ende März, die WHO fordere „Einzelpersonen und Länder auf, keine Therapeutika zu verwenden, von denen nicht nachgewiesen wurde, dass sie bei der Behandlung von Covid-19 wirksam sind.“  Die Geschichte der Medizin sei „übersät mit Beispielen von Medikamenten, die auf Papier oder in einem Reagenzglas wirkten, aber beim Menschen nicht wirkten oder tatsächlich schädlich waren“.

Man müsse, so Tedros, „den Beweisen folgen, es gibt keine Abkürzungen.“  Tatsächlich werden verschiedene Substanzen derzeit getestet, und das in internationalen Kooperationen. Eine davon ist der „Solidarity Trial“, koordiniert von der WHO, in dem vier verschiedene Mittel eingesetzt und deren Wirkungen untersucht werden und an dem sich derzeit 45 Länder beteiligen.