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  • 07.11.2012
  • von Erik Wenk

Deutsche wollen zurück

von Erik Wenk

Von wegen „Brain-Drain“. Etwa zwei Drittel der deutschen Wissenschaftler, die nach ihrer Ausbildung in die USA gegangen sind, kehren wieder in ihre Heimat zurück. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums (BMBF) hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Befragt wurden 1665 Teilnehmer der Jahrestagungen des German Academic International Network (Gain) von 2004 bis 2011. Gain ist ein Netzwerk deutscher Wissenschaftler in Nordamerika und berät Rückkehrwillige.

Dass deutsche Wissenschaftler in den USA zunehmend an einer Rückkehr interessiert sind, habe auch etwas mit der Wirtschaftskrise in den USA zu tun, sagt Baris Tursun, Forschungsgruppenleiter im Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, der über fünf Jahre in den USA verbracht hat. „Diese Verdüsterung hat dazu geführt, dass Deutschland bei vielen nun besser dasteht, auch viele nichtdeutsche Kollegen interessieren sich explizit für den Standort Deutschland.“ Amerikanische Nachwuchsforscher scheiterten allerdings meist an zwei Hürden, sagt Tursun. An der Sprache und am wenig verbreiteten Tenure Track, der Möglichkeit, an der Forschungseinrichtung oder Hochschule, an der man nach der Promotion arbeitet, auch eine sichere Chance auf eine dauerhafte Stelle zu haben.

Doch sei die Lage in Deutschland besser als in den USA, geht aus der Studie hervor: 12,5 Prozent der Zurückgekehrten haben eine dauerhafte W2- oder W3-Professur in Deutschland, 10,7 Prozent eine Juniorprofessur. Von den in Nordamerika verbliebenen deutschen Wissenschaftlern hätten nur 7,1 Prozent eine vergleichbare Stelle als Associate oder Full Professor, etwa 67 Prozent würden als Postdoktoranden in Positionen arbeiten, die schlechter bezahlt sind als in Deutschland. Während unter den Rückkehrern über zwei Drittel zwischen 40 000 und 80 000 Euro im Jahr verdienten, gelte dies für nur 38 Prozent der weiter in den USA tätigen Wissenschaftler.

Die Gründe für die Rückkehr sind nicht nur wirtschaftlicher Natur, oft spielen auch die Familie und die Netzwerke in der Heimat eine Rolle. Für Claudia Janssen, die nach sechs Jahren in den USA eine Stelle als Juniorprofessorin an der Deutschen Universität für Weiterbildung Berlin fand, war jedoch die Unsicherheit des US-Sozialsystems ausschlaggebend: „In Illinois war das Rentensystem kurz vor der Pleite. Da habe ich mir gesagt: Das sieht in Europa anders aus.“ Erik Wenk

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