Kritik an der Bologna-Tagung der Wissenschaftsminister in Budapest
Wegen der Probleme in den neuen Bachelorstudiengängen protestierten im Winter tausende Studierende in mehreren Ländern Europas. Auch jetzt wollen sie wieder auf die Straße gehen, wenn sich in Budapest und Wien bis zum heutigen Freitag die Wissenschaftsminister aus 46 Ländern treffen. Die Minister beraten, wie die Bologna-Reform – also das System der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums – zehn Jahre nach der Vereinbarung der Ziele bisher umgesetzt wurde. Zum Auftakt nahm die Konferenz Kasachstan als 47. Mitglied der Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung in ihre Reihen auf.
Im Vorfeld kritisierten Verbände, die Minister würden wichtige Themen vernachlässigen. Der Präsident des deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, sagte, die „soziale Dimension“ werde auch in Budapest und Wien nicht mit der Dringlichkeit behandelt, die sie verdient hätte. Themen wie Studienfinanzierung, studienbegleitende Beratung, Kinderbetreuung gehörten mit auf die Agenda. „Die Studierenden brauchen nicht nur gute Lehre, sie brauchen auch eine gute soziale Infrastruktur“, sagte Dobischat.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, die Umsetzung des Bologna-Prozesses sei mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Für die Hochschulbeschäftigten in Forschung, Lehre und Verwaltung sei der Prozess „mit zusätzlichen Belastungen“ verbunden, die Arbeitsbedingungen an den Unis verschlechterten sich. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) plädierte unterdessen für ein breiteres Themenspektrum im Studium. 15 Prozent der Inhalte sollten als „Studium generale“ angelegt sein, sagte Schavan im Deutschlandradio Kultur. Dies sei bei der Bologna-Reform vorgesehen, in vielen Hochschulen aber noch nicht verwirklicht. Die Kritik an den Arbeitsbedingungen der neuen Bachelorstudiengänge bezeichnete Schavan dagegen als „überspitzt“. Viele Studierende seien zeitlich nicht überlastet, auch seien die Betreuungsverhältnisse besser als früher. Drei Viertel der Studenten hielten die neue Studienstruktur für gut. „Die Masse hat studiert, während die Proteste stattgefunden haben“, sagte Schavan.tiw/ddp
Für die Entscheidung zum Potsdamer Badneubau ist ein Bürgerbeteiligungsverfahren mit verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet worden. Halten Sie den Aufwand für gerechtfertigt?