Brandenburg bildet jetzt Ärzte weiter
Brandenburg ist das einzige Bundesland, in dem man nicht Medizin studieren kann. Zugleich ist es das Land, in dessen strukturschwachen Regionen sich ein besonders gravierender Ärztemangel abzeichnet. Pläne, dem mit einer eigenen Medizinerausbildung entgegenzuwirken, haben sich mehrfach zerschlagen.
Ausgebildete Mediziner können jedoch ab dem Sommersemester an der östlichsten Uni der Republik einen Aufbaustudiengang absolvieren. In Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für Biologische Medizin e.V. in Baden-Baden wird dann an der Viadrina in Frankfurt an der Oder der viersemestrige, berufsbegleitende Masterstudiengang „Komplementärmedizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde“ angeboten. Zielgruppe des Master-Studiengangs, für den ein Teilnehmer 10 000 Euro bezahlt, sind neben Ärzten auch Psychotherapeuten, Apotheker und andere Berufsgruppen mit akademischem Abschluss in Gesundheitswissenschaften, zum Beispiel nach einem pflegewissenschaftlichen Studium. Derzeit ist man nach den Worten von Koordinatorin Bettina Berger dabei, Stipendien zu akquirieren, um auch derzeit nicht Berufstätigen das teure Studium zu ermöglichen.
In dessen erstem Pflicht-Modul sollen Verfahren der Komplementärmedizin wie Naturheilkunde und Homöopathie Unterrichtsstoff sein, im zweiten die „sprechende Medizin“ und die Steigerung der Patientenkompetenz. In den Wahlpflicht-Modulen soll es um die kritische Reflexion des ärztlichen Handelns, um Heilkunde in verschiedenen Kulturen, um den Wandel des Gesundheitssystems und die ethische Verantwortung, aber auch um Rechtsfragen gehen.
Etwa die Hälfte des Pensums werden die berufstätigen Studierenden am heimischen Computer erledigen können, an 15 bis 20 Tagen pro Semester ist ihre Präsenz vor Ort erforderlich. Neben Medizinern werden Kulturwissenschaftler die Lehre übernehmen, drei Stiftungsprofessuren wurden eingerichtet. Der Studiengang ist am Ende 2007 gegründeten Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Kulturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt, Institutsleiter ist Hartmut Schröder, seines Zeichens Lehrstuhlinhaber für Linguistische Kommunikation und Medienforschung.
Mit dem Angebot reagiert die Uni an der Oder auf jeden Fall auf einen gesellschaftlichen Trend: 60 Prozent der Erwachsenen nehmen in Deutschland heute Komplementärmedizin in Anspruch, 40 Prozent lassen sich darüber beim Arzt beraten, 30 Prozent gehen zum Heilpraktiker, die restlichen 30 Prozent behandeln sich selber, etwa mit pflanzlichen Arzneimitteln. Längst schwört eine große Gruppe auf eine bunte Vielfalt therapeutischer Angebote. Adelheid Müller-Lissner
Für die Entscheidung zum Potsdamer Badneubau ist ein Bürgerbeteiligungsverfahren mit verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet worden. Halten Sie den Aufwand für gerechtfertigt?