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  • 12.12.2017
  • von Tilmann Warnecke

Trotz mehr Studierenden: Weniger Absolventen an der HU

von Tilmann Warnecke

Die Humboldt-Universität zu Berlin. Foto: imago/Seeliger

An der Humboldt-Universität sinkt die Zahl der erfolgreichen Absolventen im Bachelor – trotz mehr Studierender. Die HU will jetzt gegensteuern, gedacht ist etwa an ein "Nulltes Semester".

An der Humboldt-Universität sind wie an allen Berliner Hochschulen von Jahr zu Jahr mehr Studierende eingeschrieben. Dennoch geht an der HU im Bachelor die Zahl der erfolgreichen Absolventen zurück. 2016 lag sie bei 2269, 2015 bei 2302 – während sie 2014 noch 2854 betrug. Diese überraschenden Zahlen präsentierte Eva Inés Obergfell, Vizepräsidentin für Lehre, am Dienstag im Konzil der HU. Die Entwicklung bei den Bachelor-Absolventen stehe in einem „eklatanten Widerspruch“ zu dem, was die Berliner Politik von den Unis erwarte, sagte Obergfell. Im Master machen dagegen immer mehr einen Abschluss: 1825 waren es 2016, im Jahr 2014 waren es 1505.

Die Zahlen stammen aus dem Rechenschaftsbericht des Präsidiums für das Jahr 2016 – damals war allerdings teilweise noch das alte Präsidium verantwortlich, auch im Ressort Lehre. Worauf aber sind die zurückgehenden Zahlen zurückzuführen? Obergfell wollte nicht spekulieren, verwies aber auf eine Absolventenstudie sowie eine Studienverlaufsstudie, die sie in Auftrag gegeben habe. Die HU werde zahlreiche Maßnahmen auf den Weg bringen, um die Quote zu steigern. So denke man über ein „Nulltes Semester“ als Orientierungsstudium nach.

Schreiben sich mehr Parkstudierende ein?

Von Professoren wurde der Verdacht geäußert, dass sich  immer mehr Parkstudierende einschreiben. Ein Informatik-Professor ging für sein Fach von einer Quote von 40 Prozent aus. So hoch liege der Anteil derer, die nie eine Prüfung absolvieren oder sich nicht einmal um einen Account im Campusmanagementsystem bemühen: „Die wollen gar nicht studieren.“

Für die Forschung legte Vizepräsident Peter Frensch eine gemischte Bilanz vor. Zwar steigen die Drittmitteleinnahmen weiter. Sie liegen bei rund 120 Millionen Euro und machen ein Drittel des HU-Haushaltes aus. Im ersten Vorentscheid der nächsten Runde der Exellenzinitiative hat die HU wie berichtet ebenfalls Erfolge vorzuweisen. „Kritisch“ sah Frensch aber, dass die HU bei immer weniger Sonderforschungsbereichen (SFBs) die Sprecherfunktion und damit die führende Rolle einnimmt. Waren es einst zwölf, sind es jetzt fünf. SFBs sind die größten Verbünde, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft außerhalb der Exzellenzinitiative gefördert werden.

Neue Initiativen für Sonderforschungsbereiche

Frensch verwies aber auch darauf, dass die HU stattdessen an mehr SFBs beteiligt sei, die Höhe der eingewobenen SFB-Mittel daher konstant bleibe. Gleichwohl müsse die HU „clevere Ideen“ entwickeln, wie man zu mehr Sprecher-SFBs komme, die mehr Reputation bringen. Die FU zum Beispiel unterstütze die Projekte finanziell stärker: „Die FU wird daher in Konsortien eher als Sprecherin ausgewählt.“ Die HU habe inzwischen sechs neue SFB-Initiativen angeschoben.

Präsidentin Sabine Kunst – seit Mitte 2016 im Amt – hob neben den Bemühungen in der Exzellenzinitiative hervor, dass man große Schritte bei der Strukturplanung getan habe. Insgesamt war von den Konzilsmitgliedern keine Kritik an Amtsführung und Rechenschaftsbericht zu hören. Vielmehr lobte der Ökonom Joachim Gassen, dass der Bericht im Gegensatz zu den Vorjahren endlich einmal „informativ“ sei.

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