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  • 19.05.2017
  • von Tilmann Warnecke

Führungskrise am Berlin Institute of Health: "Finger weg vom Gesetz, ran an die Arbeit"

von Tilmann Warnecke

Das Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin Buch. Teile der Forschung am MDC und an der Charité werden im Berlin Institute of Health (BIH) fusioniert. Foto: MDC

Jetzt äußert sich erstmals MDC-Chef Martin Lohse zur Führungskrise am Berlin Institute of Health - und zum internen Ringen um die Ausrichtung des Instituts.

Herr Lohse, wie gefährdet ist das Berlin Institute of Health (BIH), nachdem der Vorstandsvorsitzende Erwin Böttinger vor einem Wechsel nach Potsdam steht? Der langsame Aufbau des Prestigeprojekts der Berliner Wissenschaft wird bereits mit dem BER verglichen.

Das BIH ist nicht gefährdet. Eine gute Institution hängt nicht von einzelnen Leuten ab. Auch wenn Erwin Böttinger gehen sollte, wird das BIH das machen, wozu es gegründet wurde: Gute Leute nach Berlin zu holen und gute Forschung zu betreiben. Im Übrigen ist es ein ganz normaler Prozess, dass Führungspersonen von anderen Unis angesprochen werden. Das ist auch eine Auszeichnung für die betreffende Einrichtung.

Das BIH wurde mit dem Anspruch gegründet, Weltgeltung zu erlangen. Wäre es da normal, wenn der Chef nach nur eineinhalb Jahren nach Potsdam wechselt?

Mit dem Anspruch, dass BIH müsse auf Anhieb Weltgeltung erlangen, wäre ich ohnehin vorsichtig. Vor 100 Jahren hat der Präsident von Harvard gesagt: Für eine Uni mit Weltgeltung brauche ich 100 Millionen Dollar - und 100 Jahre Zeit.

Erhält Böttinger den Ruf nach Potsdam, will er zunächst über die Ausstattung verhandeln. Sollte man das ruhig abwarten?

Das ist Sache des Aufsichtsrats. Aber auch in so einer Situation wird das BIH handlungsfähig bleiben. In die Rekrutierung neuer Professoren sind ganz viele Forscher von Charité und MDC einbezogen. Das sind gestandene Leute, die beherrschen solche Verfahren.

Hintergrund sollen Konflikte um die Ausrichtung im Vorstand sein, in dem Sie ebenfalls sitzen. Was ist da dran?

Mit dem Vorstandswechsel zu Böttinger hat es intensive Diskussionen über eine neue inhaltliche Fokussierung gegeben. Darum ist sehr gerungen worden. Den Prozess betrachte ich im Wesentlichen als abgeschlossen. Ich habe eigentlich das Gefühl: Jetzt ist gerade die Chance, dass es richtig losgeht.

Mit der inhaltlichen Ausrichtung sind aber nicht alle einverstanden: Es sei etwa unscharf, welche Krankheiten im Mittelpunkt stehen sollen.

Die anstehenden Berufungen werden dazu beitragen, den Fokussierungsprozess weiter voranzutreiben. Wir haben zum Beispiel gesagt: Wir machen Digitalisierung. Wir suchen uns jetzt die besten Leute aus und bestimmen mit ihnen, welche Krankheiten wir erforschen.

Im BIH sollen Teile der Forschung der Charité und des MDC aufgehen. Dreht sich der Konflikt letztlich auch um einen Machtkampf zwischen BIH, Charité und MDC?

Die gesetzliche Konstruktion des BIH ist kompliziert. Mein Rat ist: Finger weg vom Gesetz, ran an die Arbeit! MDC und Charité sind etablierte Namen. Der Grundgedanke des BIH ist: Die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen zu stärken und damit Positives zu bewirken. Wenn man die Sache richtig macht, dann gewinnen alle Partner.

Ein aktuelles Interview mit dem Charité-Dekan Axel Pries lesen Sie hier.

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