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  • 30.03.2016

Anthropologie: Zwergmensch "Hobbit" ist viel älter als gedacht

Höhlenmensch. Homo floresiensis lebte einst auf der Insel Flores. Das Bild zeigt den Fundort. Foto: Smithsonian Digitization Program Office/Liang Bua Team/dpa

„Homo floresiensis“ wurde zuerst auf 18.000 Jahre geschätzt. Eine umfassende Datierung spricht eher für 60.000 bis 100.000 Jahre. Offenbar hatten die Forscher am Fundort unsauber gearbeitet.

Der als „Hobbit“ bezeichnete Homo floresiensis hat wohl doch nicht zur gleichen Zeit in Südostasien gelebt wie der moderne Mensch. Nach mehrjährigen Analysen datierte ein Forscherteam das Alter der Knochen, die auf der indonesischen Insel Flores entdeckt wurden, nun auf 60.000 bis 100.000 Jahre. Bislang hatten Wissenschaftler manchen Funden ein Alter von nur 18.000 Jahren zugeschrieben. Dies hatte bei Fachleuten für Erstaunen gesorgt, denn Homo sapiens, der moderne Mensch, erreichte das nahe Australien schon vor etwa 50.000 Jahren. Damit hätten Homo floresiensis und Homo sapiens Zehntausende Jahre in Nachbarschaft gelebt und vermutlich auch Kontakt gehabt.

Die Überreste mehrerer Individuen des Homo floresiensis wurden im Jahr 2003 in der Höhle Liang Bua unter einer mehrere Meter dicken Erdschicht entdeckt. Der Fund erregte Aufsehen, da die Menschenart nur etwa einen Meter groß war und ihr Gehirnvolumen dem eines Schimpansen entsprach. Insgesamt ähnelte der Hobbit Urmenschen, die Afrika und Asien schon vor über einer Million Jahren besiedelt hatten.

Acht Jahre lang analysierte das Team Knochen und Erdschichten

Um die überraschende Datierung zu überprüfen, analysierte ein internationales Forscherteam um Thomas Sutikna von der australischen Universität von Wollongong acht Jahre lang Hobbit-Knochen und die umliegenden Erdschichten. Demnach sind die Knochen und die zugehörigen Erdschichten etwa 60 000 bis 100 000 Jahren alt, schreibt das Team im Fachblatt „Nature“.

Steinwerkzeuge, die dem Hobbit zugeschrieben werden, hätten ein Alter von etwa 50 000 bis 190 000 Jahren. „Teile von Südostasien können während dieser Zeit von Denisova-Menschen oder anderen Frühmenschen bewohnt gewesen sein, und moderne Menschen hatten Australien vor 50 000 Jahren schon erreicht“, schreiben die Forscher, von denen einige auch bei den ersten Analysen mitgearbeitet hatten. „Ob H. floresiensis nach dieser Zeit überlebt hat oder modernen, Denisova- oder anderen Menschenarten auf Flores oder andernorts begegnet ist, bleibt eine offene Frage.“

Unsicherheit bei Datierungen

Ihre erste, falsche Datierung sei zustande gekommen, weil wohl ein Teil des Höhlenbodens erodiert und sich mit jüngerem Erdmaterial gefüllt habe. Dies sei bei den ersten Ausgrabungen von 2001 bis 2004 nicht erkannt worden. Die Datierung von Funden aus Höhlen gehöre zu den komplexesten Fragen der Archäologie, weil sich die Erdschichten im Lauf Zehntausender Jahre oft stark verändern, sagt Faysal Bibi vom Berliner Museum für Naturkunde, der an der Studie nicht beteiligt war. Zwar habe jedes der jetzt verwendeten Verfahren seine Unsicherheiten, doch die Ergebnisse decken sich.

Die neue Datierung passe wesentlich besser in das Gesamtbild, sagt Jean-Jacques Hublin, Direktor am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Er habe das Alter von 18 000 Jahren nie geglaubt. „Bei seiner Ausbreitung um die Erde hat der Homo sapiens jede einzelne Menschenart auf seinem Weg verdrängt, etwa die Denisova-Menschen und die Neandertaler. Die Vorstellung, dass er mit dem Hobbit Zehntausende Jahre koexistiert haben soll, war einfach merkwürdig. Nun haben wir die Antwort.“ (dpa)

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