Opel leidet besonders unter der europäischen Absatzlkrise. Foto: dpa
Gewerkschaft dringt auf eine Einigung mit dem Management bis zum 26. Oktober – danach wird es teuer
Berlin/Bochum - Bei Opel soll es nun schnell gehen: Die IG Metall drückt bei den Verhandlungen mit dem Management über die Sanierung des Autobauers aufs Tempo. Bis zum 26. Oktober solle eine Einigung stehen, erklärte die Gewerkschaft am Freitag in einer Mitteilung an die Opelaner in Deutschland. Fünf Tage nach diesem Termin will der Opel- Mutterkonzern General Motors (GM) seine mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorlegen. Der 31. Oktober ist außerdem der letztmögliche Termin, bis zu dem die Opel-Geschäftsführung die Auszahlung der branchenweit ausgehandelten 4,3-prozentigen Lohnerhöhung stunden kann. Gibt es bis dahin keine Einigung, muss gezahlt werden. Die Unternehmensseite steht daher unter Zeitdruck.
Opel-Chef Thomas Sedran hatte unlängst im Tagesspiegel-Interview von „sehr konstruktiven“ Verhandlungen mit der Belegschaft gesprochen. „Ich kann verstehen, wenn die Beschäftigten sagen: Wir bewegen uns nur, wenn Ihr Euch auch bewegt“, sagte Sedran.
Die IG Metall fordert eine langfristige Zukunftsperspektive für die Opel-Standorte und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über das Jahr 2016 hinaus. In den Verhandlungen am Donnerstag habe die Geschäftsleitung erstmals erklärt, über ein Wachstumskonzept für Opel über 2016 hinaus zu verhandeln und das auch in einem Tarifvertrag festzuschreiben. Bei Opel hieß es dazu lediglich, Opel und die Gewerkschaften verhandelten weiterhin über eine gemeinsame Strategie für die deutschen Opel- Standorte. Einzelheiten nannte das Unternehmen nicht.
„Wir wollen bis zum 26. Oktober zu einem Ergebnis kommen“, sagte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel am Freitag. Das Management war im Juni mit dem Angebot in die Gespräche gegangen, die Sicherung der vier deutschen Standorte um zwei Jahre bis 2016 zu verlängern. Im Gegenzug soll über Kostensenkungen und ein Wachstumskonzept bis 2022 diskutiert werden, das neben neuen Modellen und Motoren auch etwa die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in den Opel-Werken vorsieht. Thomas Sedran hatte im Tagesspiegel-Interview gesagt, Opel könne bei den Produktkosten noch mehr sparen, hier gebe es „erhebliches Einsparpotenzial“, es gehe um eine „signifikante Größenordnung“.
Die GM-Tochter Opel leidet besonders unter der europäischen Absatzkrise und hat seit Jahresanfang weit mehr als eine halbe Milliarde Dollar Verlust angehäuft. Opel hatte zuletzt Kurzarbeit zur Drosselung der Produktion angeordnet. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Südeuropa verkauft das Unternehmen dort kaum noch Autos. In Deutschland lag der Marktanteil von Opel zuletzt noch bei sieben Prozent – und damit weit entfernt von den zweistelligen Werten der Vergangenheit.
Das Opel-Management müsse ein konkretes Wachstumskonzept bis 2022 für Opel vorlegen, forderte die IG Metall. Dazu gehöre auch die Öffnung von Exportmärkten und eine Neuausrichtung der Marken Opel und Chevrolet. Die Gewerkschaft fordert zudem eine „Beschäftigungsbrücke mit Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen“, die über 2016 hinausreiche. Zu diesem Termin soll eigentlich die Produktion in Bochum auslaufen, wo bisher noch der aktuelle Familienvan Zafira vom Band rollt. Damit wäre das Aus der 50 Jahre alten Fabrik im Ruhrgebiet besiegelt. Der Bochumer Betriebsrat warnte die Opel-Mutter General Motors bereits mehrfach: „Die Schließung des Opel-Werkes Bochum wäre für GM die teuerste Werksschließung aller Zeiten.“
Henrik Mortsiefer (mit dpa, rtr)
Die Stadt Potsdam braucht dringend Geld, um die Pflege der Parks der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten zu sichern. Wie soll der Betrag eingetrieben werden?