Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Atos betreibt die Informationstechnik für die Spiele. Auch für die Techniker ist es eine Herausforderung
Berlin - Wenn Usain Bolt über die Ziellinie des Londoner Olympiastadions sprintet, werden alle Augen erst auf ihn und dann auf die Anzeigetafel gerichtet sein. „Omega misst die Zeit und wir sorgen dafür, dass sie innerhalb von 0,3 Sekunden angezeigt und an die Rundfunkanstalten geschickt wird“, sagt Winfried Holz, Chef von Atos Deutschland, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wir betreiben das gesamte IT-System für die Spiele, auch die Software für die Organisation kommt von uns.“
Atos ist ein französischer Konzern mit mehr als 75 000 Mitarbeitern, davon 10 000 in Deutschland und 300 in Berlin. Der IT-Dienstleister ist in den vergangenen 30 Jahren durch Übernahmen kräftig gewachsen. Zuletzt kam in Deutschland SIS hinzu, die bis dato erfolglose IT-Tochter von Siemens. Jetzt ist Atos in Deutschland größer als in Frankreich. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres setzte Atos hierzulande 840 Millionen Euro um, das war knapp ein Fünftel des Gesamtumsatzes von 4,4 Milliarden Euro. „Wir sind das größte IT-Serviceunternehmen mit Sitz in Europa“, sagt Deutschland-Chef Holz. Mehr Umsatz in Europa mache nur der US-Konzern IBM. Marktführer in Deutschland wiederum ist die Telekom-Tochter T-Systems.
Die Integration von SIS, die mit dem Abschluss der Transaktion im Juli 2011 begann, sei nun im Wesentlichen abgeschlossen, sagt Holz. „SIS ist jetzt Atos.“ Die Franzosen hatten 800 Millionen Euro für SIS bezahlt, das meiste in Form einer 15-prozentigen Beteiligung an Atos. Das Unternehmen betreibt auch die interne IT von Siemens. Nachdem im Verwaltungsbereich mehr als 650 Mitarbeiter in Deutschland gehen mussten, sucht Atos nun wieder Fachleute, vor allem Berater und Integrationsspezialisten. „Wir haben mehr als 400 offene Stellen in Deutschland.“ Durch die Übernahme sei kein einziger Kunde verloren gegangen, sagt Holz. „Wir haben das Schrumpfen der SIS gestoppt – und wachsen in Deutschland mit 6,2 Prozent.“ Ein neuer Kunde sei zum Beispiel Bayer. „Das ist ein Auftrag im dreistelligen Millionen- Euro-Bereich, wir betreiben für Bayer Teile der IT-Infrastruktur, auch in Berlin.“
Bereits 2002 hat Atos mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen. „Die Spiele in Peking 2008 waren eine große Herausforderung“, sagt der Atos- Manager. Aber es lief gut, das IOC verlängerte den Vertrag bis 2016. „Wir hoffen, dass wir noch ein paar andere große Ereignisse dazubekommen“, sagt Holz. Eines der größten Themen in Peking war die Sicherheit. „Während der Spiele gab es mehr als 200 Millionen Hackerangriffe“, berichtet Holz. „Die Olympischen Spiele sind ein Top-Ziel von jedem Hacker dieser Welt.“ Mehr als 3500 Mitarbeiter werden in London dafür sorgen, dass die IT richtig läuft, rund 500 Mitarbeiter davon stellt Atos. „Das System muss ohne Störung vier Wochen plus zwei Wochen Paralympics laufen – und zwar mit null Fehlern und immer on Time“, erklärt Holz. Mit der Planung hat Atos bereits vor vier Jahren begonnen. Zuletzt wurde das System mehr als 200 000 Stunden getestet. „Wir simulieren alle möglichen Arten von Problemen und Störungen in der Technik, der Organisation, bei der Akkreditierung oder der Zugangskontrolle“, erklärt Holz. „Wir sorgen dafür, dass sich in punkto Sicherheit keiner in die Tasche lügt.“
Für die Mitarbeiter in London, darunter werden auch einige aus Deutschland sein, sei es das größte Projekt ihres Lebens. „Da leuchten die Augen, auch wenn es mit den Zwölf-Stunden-Schichten ein harter Job ist“, sagt Holz. „Aber sie sind bei Olympia dabei und Teil des Teams.“ Nicht ganz so wie Usain Bolt, aber ohne IT würde keiner erfahren, wie schnell er wirklich läuft.
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