Die Weberbank soll auch künftig als eigenständige Marke erhalten bleiben. Foto: dpa
Von Maren Peters

Wechsel bei der Weberbank

Vorstandschef Goßmann muss nach der Übernahme durch die Mittelbrandenburgische Sparkasse gehen (26.05.09)

Berlin - Die Weberbank wird nach Einschätzung ihres neuen Eigentümers, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam, erst 2012 in die schwarze Zahlen zurückkehren. Die traditionsreiche Bank solle auch unter dem Dach der Sparkasse als eigenständige Marke erhalten bleiben, kündigte Sparkassenchef Walter Schubert am Montag in Berlin an. Ihr derzeitiger Vorstandschef Andreas Goßmann wird dann aber nicht mehr dabeisein. Er werde sein Amt mit Vorlage der Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2009 zur Verfügung stellen. Das werde Ende Juli, Anfang August der Fall sein, sagte Schubert. Einen Nachfolger gebe es noch nicht.

Zehn Tage nach dem Kauf der Weberbank von der WestLB hat sich die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam (MBS) damit erstmals zu den weiteren Plänen geäußert. Mit dem Verkauf erfüllte die angeschlagene WestLB die Auflagen der EU-Kommission, die ihr im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Staatshilfen eine Halbierung des Bilanzvolumens verordnet hatte.

Die Weberbank, deren Wurzeln in Berlin liegen, ist auf vermögende Privatkunden spezialisiert. Sie war 1994 mit der Berliner Industriebank fusioniert und wurde Teil der Bankgesellschaft, der heutigen Landesbank Berlin. Diese musste die Weberbank 2005 auf Druck der EU-Kommission an die WestLB verkaufen. Weiteres Interesse am Portfolio der WestLB hat Schubert nicht. „Die Ready Bank kaufen wird nicht“, sagte er.

Die Weberbank hat nach Angaben von MBS-Chef Schubert Ende 2008 eine Bilanzsumme von rund 2,2 Milliarden Euro und Verluste in ungenannter Höhe ausgewiesen. Ende April stand ein verwaltetes Vermögen von 3,2 Milliarden Euro in den Büchern. Die Bank mit 240 Kunden hat rund 20 000 Kunden, davon 1000 in Nordrhein-Westfalen.

Schubert hat große Pläne mit der neuen Tochter. Bis 2013 peilt er ein verwaltetes Vermögen von 5,6 Milliarden Euro für die Weberbank an. „Wir wollen das Geschäftsfeld private Banken massiv betreiben“, kündigte er an. Allein unter den Sparkassenkunden im brandenburgischen Kerngebiet gebe es ein Potenzial von 40 000 Kunden, „die wir unter heutigen Umständen nicht erschließen können“.

Erstmal muss die Weberbank aber Federn lassen. „240 Mitarbeiter ist zu viel“, sagte Schubert. Zu der Frage, ob es Entlassungen geben wird, wollte er sich nicht äußern. Von den drei Filialen der Weberbank in Nordrhein-Westfalen soll der Standort Düsseldorf geschlossen werden, Bielefeld steht unter Beobachtung, die Filiale Essen bleibt erhalten. In Berlin sieht Schubert dagegen noch Platz für ein bis zwei neue Filialen, in Potsdam wird die Sparkassenvilla künftig das Schild „Weberbank“ tragen. Langfristig sei auch eine Filiale im Raum Königs Wusterhausen denkbar, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Wie viel die MBS für die Weberbank bezahlt hat, wollte Sparkassenchef Schubert mit Verweis auf Vertraulichkeitsvereinbarungen nicht konkret beziffern. Branchenüblich wäre das 1,5-fache des Eigenkapitals von derzeit 53 Millionen Euro gewesen. Die MBS habe aber nicht einmal das Eigenkapital bezahlt.

Rentiert haben dürfte sich der Kauf für die Sparkasse auch deshalb, weil die WestLB über Jahre die Verluste der Weberbank übernommen hatte. Zur Höhe wollte Schubert keine Angaben machen.

Der Deal mit der WestLB sieht nun vor, dass die MBS die Verluste der Weberbank rückwirkend ab dem 1. Januar 2009 übernimmt, also schon ein halbes Jahr vor der geplanten Übernahme der Bank am 1. Juli. Das hängt nach Angaben Schuberts mit dem Ergebnisabführungsvertrag zusammen. Er dürfte nicht rückwirkend gelten.

Schubert geht davon aus, dass die ausstehenden Genehmigungen zur Übernahme der Weberbank Ende Juni beendet sind, am 1. Juli könnte sie dann offiziell Teil des MBS sein. Der Kaufvertrag mit der WestLB war am Donnerstag vergangener Woche geschlossen worden.

Schubert selbst will Ende des Jahres seinen Vorstandssessel räumen und in den Ruhestand gehen. Er wolle ein Studium beginnen, sagte er. „Am liebsten Geschichte, aber ich werde wahrscheinlich bei Jura landen.“ Ob es ihn trotzdem an die Spitze des Aufsichtsrates drängt, wollte er am Montag noch nicht kommentieren.