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  • 09.08.2018
  • von Henrik Mortsiefer

Siemens-Pläne für Berlin: "Vorstände wollen ausgerollte Teppiche"

von Henrik Mortsiefer

Historisches Erbe. Siemensstadt könnte der Kern eines "Innovations-Campus" in der Hauptstadt sein. Foto: picture alliance / Arco Images

Berlin hofft auf eine große Investition von Siemens beim Aufbau eines "Innovations-Campus". Experten sehen die Politik in der Pflicht.

Der Berliner Senat und Siemens haben nach einem ersten offiziellen Informationsausstausch zum Thema „Innovations-Campus“ in Siemensstadt weitere Gespräche vereinbart. „Mir ist dieses Projekt persönlich sehr wichtig und es ist für die Weiterentwicklung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Berlin von großer Bedeutung“, hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach dem Treffen im Roten Rathaus am Mittwochabend mitgeteilt. Der Senat werde in den weiteren Gesprächen mit Siemens „erörtern, welche Voraussetzungen nötig sind, um das Projekt nach Berlin zu holen“.

Wie berichtet, erwägt der Konzern, über einen bereits geplanten kleineren Campus für Start-ups und Wissenschaft hinaus, in Siemensstadt ein ganzes Stadtquartier aus- und aufzubauen, in dem produziert, geforscht und gewohnt werden soll. Dafür ist eine Investitionssumme von bis zu 600 Millionen Euro im Gespräch. Bei einer internationalen Ausschreibung, die laut Siemens möglich ist, stünde Berlin im Wettbewerb mit Städten in Asien oder in den USA.

Nicht allein das Geld entscheidet

„Ich bin überzeugt, dass Berlin der ideale Standort für ein solches Projekt ist“, sagte Müller. Auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bekräftigte, Berlin sei der richtige Ort, „um Industrie und Digitalisierung erfolgreich zusammen zu bringen und daraus Neues und Arbeitsplätze entstehen zu lassen“.

Doch ist Berlin tatsächlich der ideale Ort für eine 600-Millionen-Euro-Investition? Zuletzt war bei Siemens zu hören, die Hauptstadt stehe nicht auf Platz eins im Standortranking. Ein globaler Konzern entscheidet über Investitionen und Standorte nach vielen Kriterien, wobei nicht immer das Geld entscheidet. Experten sehen hier die Politik in der Pflicht.

„Fiskalisch und durch indirekte Subventionen kann Berlin wenig beeinflussen“, sagt René Geißler, für kommunale Finanzen bei der Bertelsmann-Stiftung zuständig. Dies sei in andern Weltregionen anders. Zwar sei Berlin noch im Rahmen des EU-Strukturfonds förderberechtigt. Die entsprechenden Programme zielten aber auf kleine und mittelständische Firmen, nicht auf einen Konzern wie Siemens. „Berlin muss mit seiner Standortattraktivität punkten“, sagt Geißler. „Das sind die Qualität der Verwaltung, Rechtssicherheit, Lebensart, Internationalität.“

Ein gutes Image und hohe Erwartungen

Das Image Berlins sei international intakt, glaubt der Experte. Die Erwartungen dürften jetzt aber nicht in den Gesprächen zwischen Siemens und Senat enttäuscht werden. „Der persönliche Kontakt ist wichtig, die Dienstleistungen, die man anbietet, müssen erstklassig sein.“ Bürokratie, lange Planungs- und Genehmigungszeiten oder hohe Baukosten stünden dem in Berlin aber entgegen.

„Die Frage ist, wie strategisch handelt der Senat angesichts der genannten Herausforderungen“, sagt auch Peter Kaiser, Bereichsleiter für regionale Prognosen und Investitionen bei Prognos. Schaffe es der Senat, mit Konzernen ins Gespräch zu kommen, attraktiv zu sein für global aufgestellte Unternehmen? „International agierende Vorstände wollen offene Türen und ausgerollte Teppiche sehen und keine Bedenken auf unterster Stadtbezirksebene.“

Prognos sieht die Stadt generell gut aufgestellt – trotz ihrer Schwächen in den Bereichen Industrie und ökonomischer Netzwerke. Berlin zähle unter 401 untersuchten Kreisen und Städten in Deutschland zu den führenden Standorten bei IKT-Gründungen, bei digitalen Patenten und bei der Breitbandausstattung. „Nach Angaben des TÜV Rheinland haben 98,6 Prozent der Berliner Unternehmen Zugang zu schnellem Internet (50 Mbit), bei den privaten Haushalten sind es 92 Prozent“, sagt Kaiser. Zum Vergleich: Deutschlandweit kommen private Haushalte auf eine Breitband-Quote von 80,5 Prozent und Unternehmen nur auf 79 Prozent.

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