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  • 13.07.2018
  • von Andreas Monning

Arbeitswelt von morgen: Alles klar für die Zukunft

von Andreas Monning

Drohne statt Trecker. Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe bietet den Studiengang „Precision Farming“ an. Foto: imago/Science Photo Library

Neue Berufe entstehen, andere werden wichtig. Die sorgfältige Wahl des Studienfachs stellt die Weichen.

Einen Beruf, der Zukunft hat – das wünscht sich wohl jeder. Doch worum geht es in der Arbeitswelt von morgen? Welche Fachkräfte werden gebraucht, welche Studiengänge machen fit dafür? Und was liegt mir persönlich überhaupt? Nach Schätzungen von Universitäten und Fachhochschulen wollen zum nächsten Wintersemester rund 500 000 junge Menschen ein Studium beginnen. Die Qual der Fächerwahl könnte größer kaum sein: Mehr als

18 000 verschiedenen Studiengänge sind aktuell im Angebot. Da die Einschreibefrist an vielen Universitäten bereits Mitte Juli endet, tickt zwar die Uhr – doch die Entscheidung will trotzdem wohl überlegt sein. Als krisenfest dürften wohl Klassiker wie BWL, Jura oder Medizin gelten. Doch auch andere Fächer versprechen nach Experteneinschätzung beste Perspektiven.

Wie sich die Digitalisierung auswirkt

Die Digitalisierung verändert unser Leben und unsere Arbeit zunehmend. „Neben dem klassischen Informatikstudium gewinnen deshalb die sogenannten Bindestrich-Informatiken wie Wirtschafts-Informatik, Geo-Informatik oder Medizin-Informatik weiter an Bedeutung“, beobachtet Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Da viele Unternehmen in Sachen Digitalisierung noch ganz am Anfang stehen, sind Fachleute gefragt, die die notwendigen Umstrukturierungen und Entwicklungen lenken können.
Heiß gehandelt werden deshalb Fächer, deren Abschluss auf Positionen wie den „Chief Digital Officer“ (kurz CDO) vorbereiten. „Digital Transformation“ heißt beispielsweise der Studienschwerpunkt eines BWL-Studiengangs an der Fernuni AKAD in Stuttgart. Und auch der Masterstudiengang „Wirtschaftsinformatik und digitale Transformation“ der Universität Potsdam geht in diese Richtung: Er bietet nach dem Baukastenprinzip eine Kombination aus BWL und digitaler Technik, zur Wahl stehen Disziplinen wie „Mobile + Digital Business“ oder „Social Media Research“.

Public Health - ein weitverzweigtes Berufsfeld

Die Behandlung von Krankheiten und die wirtschaftlichen Einbußen durch krankheitsbedingte Arbeitsausfälle kosten die Gesellschaft jährlich viele Milliarden, Tendenz steigend. Das in Deutschland noch recht junge Fach Public Health beschäftigt sich mit den geistigen, körperlichen, seelischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit und deren Wechselwirkungen. Zu den Inhalten gehören Bereiche wie Epidemiologie, also die Lehre von massenhaft, aber lokal begrenzt auftretenden Krankheiten. Außerdem Sozialmedizin, die den Zusammenhang von gesellschaftlichen Lebensbedingungen und Gesundheitszustand beleuchtet. Und natürlich Prävention, also die Frage nach den vorbeugenden Maßnahmen, die etwa im Lebensmittelrecht und im Straßenverkehr getroffen werden sollten.
Public Health kann man unter anderem in Berlin und Bremen studieren, an der Universität Bielefeld gibt es außerdem einen Bachelorstudiengang „Health Communication“ sowie ein Masterstudium „Public Health“. Interessant: Auch der Medizin unterstützende Bereich wird nach und nach akademisiert. „Gefragt sind beispielsweise Abschlüsse in Gesundheits- und Pflegewirtschaft, Hebammenkunde oder Krankenhausmanagement“, weiß Hachmeister.

Sozialwissenschaften haben Zukunft

Schon heute fehlen Erzieher und Mitarbeiterinnen in Jugendämtern: Soziale Berufe haben Zukunft, sagt auch der Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit. Absolventen von Fächern wie Sozialpädagogik oder Sozialwissenschaft sollen laut dieser Prognosen wesentlich leichter einen Job finden als früher. Sozialarbeiter werden in Bereichen wie Kinderschutz, Erziehungshilfe für Eltern oder Gesundheitsförderung und Rehabilitation von Menschen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen eingesetzt. Schulsozialarbeiter stehen Schülern in schwierigen Lagen zur Seite. Auch der Bereich „Soziale Arbeit mit älteren Menschen“ wird in Zukunft wichtiger. Auf Führungspositionen bereiten Abschlüsse wie „Soziale Arbeit & Management“ oder „Sozialmanagement“ vor.

Ingenieure werden dringend gesucht

Technische Berufe bleiben gefragt; das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sowie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Vor allem Ingenieure werden danach auch in Zukunft gesucht, insbesondere Bau- und Wirtschaftsingenieure sowie Elektrotechniker. „Besonders der Bereich Umwelt beziehungsweise Klimawandel ist ein Megatrend“, bestätigt CHE-Experte Hachmeister. Der Ausbau alternativer Energiegewinnungssysteme gelte spätestens seit der Verabschiedung des Erneuerbare Energien Gesetzes im Jahr 2000 als Schlüsselmarkt. Wer in diesem innovativen Bereich mitarbeiten will, liegt mit Studiengängen wie dem Dualen Bachelor „Maschinenbau Plus“ der FH Aachen ebenso richtig wie mit einem Masterstudiengang „Regenerative Energiesysteme“ der TU Berlin. Auch Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer wie Chemie, Physik und Biologie haben gute Perspektiven.

Jobs in der Verwaltung - gar nicht langweilig

Der Bedarf an Verwaltungswissenschaftlern übersteigt mittlerweile die Zahl der Absolventen. Der Beruf hat ein Imageproblem, denn „Verwaltungswissenschaftler“ klingt halt nicht so sexy wie „Multi Media Designer“. Tatsächlich ist das Studium aber interessant und breit gefächert. Empirische Forschungsmethoden und Statistik werden ebenso vermittelt wie europäisches und deutsches Verwaltungswesen. Dazu kommen spannende Themen rund um Haushalt und Finanzen sowie Vorlesungen in Managementlehre und Öffentlichem Recht. Zukunftssicher ist der Bereich allemal; Verwaltungswissenschaftler werden immer gebraucht. Wo man in Deutschland arbeiten will, kann man sich aussuchen: Kommunen, Ländern und der Bund bieten entsprechende Jobs an.

Entscheidend ist das eigene Gefühl

Ganz gleich, ob man auf „Media and Entertainment Management“ setzt, weil Medien eben immer gefragt sein werden, oder doch lieber „Asienwissenschaften“ studiert, weil alle Welt nach China schaut: Entscheidend ist letztlich das eigene Gefühl. „Die Wahl des Studienfaches aus dem Bauch zu treffen, ist nicht die schlechteste Sache“, findet auch Experte Cort-Denis Hachmeister. Denn in die Zukunft zu denken bedeute vor allem, zu überlegen, woran man lange lange Freude habe.

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