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  • 09.07.2018
  • von Oliver Voß

Versandhandel: Otto-Katalog wird eingestellt

von Oliver Voß

1950 hat Otto den ersten Katalog verschickt. Damit soll nun wohl Schluss sein. Foto: Christophe Gateau/dpa

Konkurrent Neckermann hatte es schon 2012 getan. Nun will auch der Versandhändler Otto nach 68 Jahren auf den gedruckten Katalog verzichten.

Wirtschaftlich relevant war er schon lange nicht mehr: Der Anteil des Umsatzes den Otto mit seinem Katalog erzielte, lag zuletzt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Trotzdem hielt der Hamburger Handelskonzern lange an der dicken, bunten Produktübersicht fest. Es sei ein wichtiges Marketinginstrument, erklärten die Otto-Manager immer wieder. Kunden ließen sich beim Blättern inspirieren und bestellten dann im Netz.

Der erste Katalog, erschienen im ersten Jahr nach der Gründung des Versands, war noch handgebunden und hatte gerade mal eine Startauflage von 300 Stück. Auf 14 Seiten mit eingeklebten Fotos wurden 28 Paar Schuhe präsentiert. Später zierten Models wie Claudia Schiffer, Heidi Klum oder Gisele Bündchen das Titelbild.

Im Dezember 2019 erscheint der letzte Otto-Katalog

Doch damit ist es offenbar vorbei, nach 68 Jahren will Otto den Katalog einstellen. In diesem Jahr soll endgültig Schluss sein, hat Torsten Ahlers, Chef der Werbevermarktungssparte von Otto, vorige Woche auf den Digital Marketing Days in Berlin angekündigt, berichtet das Fachmagazin "Horizont". Der Versandhändler will den Hauptkatalog im Dezember mit dem Frühjahr-/Sommer-Sortiment 2019 zum letzten Mal verschicken, kündigte das Unternehmen am Montag in Hamburg an. „Unsere Kunden haben den Katalog sukzessive selbst abgeschafft, weil sie ihn immer weniger nutzen und schon längst auf unsere digitalen Angebote zugreifen“, teilte Bereichsvorstand Marc Opelt mit. 95 Prozent der Kunden bestellten digital.

Ein möglicher Punkt könnten die Kosten sein. Zu den Hochzeiten des Kataloggeschäfts, als Otto und Quelle gut tausendseitige Exemplare millionenfach verschickten, betrugen allein die Druckkosten bis zu 20 Millionen Euro. Konkurrent Neckermann hatte daher bereits 2012 seinen Katalog eingestellt. Den Niedergang konnte es jedoch nicht aufhalten: Neckermann musste im gleichen Jahr Insolvenz anmelden. Quelle war bereits 2009 zahlungsunfähig. Dagegen hat Otto den Sprung ins Internetzeitalter geschafft: 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftete der Onlineshop im Vorjahr. Otto liegt damit hinter Amazon auf Platz zwei und damit auch vor dem Berliner Erfolgsmodell Zalando.

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