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  • 14.05.2018
  • von Oliver Voß

Digital-Future-Konferenz: Wie wir Daten besser nutzen können

von Oliver Voß

Die Informatikerin Shafi Goldwasser wurde von Sebastian Turner (Tagesspiegel), Christoph Meinel (Hasso-Plattner-Institut), Michael Waidner (Fraunhofer SIT) und Christof Schütte (Zuse-Insitut Berlin) feierlich in die „Hall of Fame of the Digital Age“ aufgenommen. Foto: Dominik Lindner Photographie (Promo)

Es gibt immer mehr Daten. Nur Wenige können sie interpretieren. Auf der Digital-Future-Konferenz diskutierten Experten, wie sie das ändern möchten.

Berlin - Wie schwierig es ist, weitreichende Entscheidungen auf der Grundlage von Daten zu treffen, zeigte sich in der Finanzkrise. Damals hatte die US-Notenbank alle Geldhäuser gefragt, welche Auswirkungen eine Pleite von Lehman Brothers auf ihr Geschäft hätte. Doch nur eine einzige Bank konnte innerhalb von 48 Stunden eine konkrete Prognose erstellen. Carlo Jaeger, Vorsitzender des Global Climate Forum, beschäftigt sich damit, neue Modelle zu entwickeln, mit deren Hilfe beispielsweise Politiker Entscheidungen zu komplexen Fragestellungen treffen können. „Wir können zwar gut eine vermeintlich optimale Option auswählen, sind aber schlecht darin, diese Optionen zu designen“, sagt Jaeger.

Dabei mangelt es heutzutage nicht an Daten, im Gegenteil. Entscheider leiden eher unter einem Informationsüberfluss. Durch die ständig wachsenden Datenmengen wird das sogar noch potenziert, doch die entscheidende Frage ist dabei, wie man Big Data tatsächlich nutzbar macht. Das war ein Kernthema der Konferenz „Digital Future Science Match“, die der Tagesspiegel am Montag mitveranstaltet hat. Dabei kamen etwa 1000 Besucher aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ins ehemalige Kino Kosmos in Berlin-Friedrichshain, um in Keynotes und fünfminütigen Kurzvorträgen den Stand der Forschung zu Datenanalyse, Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und der vernetzten Gesellschaft zu hören.

Daten werden ja oft und gern als das neue Öl bezeichnet. Emmanuel Müller vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam geht noch weiter: „Daten sind das neue Wasser.“ Denn ohne Daten komme man in kaum einem Bereich der Gesellschaft mehr zurecht. Und so wie die Ingenieure im alten Rom Aquädukte gebaut haben, um Wasser auch in entlegene Gebiete zu bringen, bräuchte es heute Dateningenieure. Dabei geht es Müller nicht nur um die berühmten Data Scientists, die mit ihren Modellen Muster aus Terabytes an Daten herauslesen. Denn für Außenstehende sind deren Ergebnisse oft zu unverständlich. „Wir müssen Brücken zwischen Daten und den Entscheidern bauen“, sagt Müller.

Diese Erfahrung hat auch Umwelt- und Klimaexperte Müller gemacht. Ein Ansatz, um die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Entscheidungsträgern und Datenwissenschaftlern zusammenzubringen, ist das sogenannte Decision Theater, eine Methode, die vor allem von der Arizona State University entwickelt wurde. Mit ihr wird versucht, komplexe Zusammenhänge zu visualisieren und Modelle und Simulationen zu zeigen. Das Global Climate Forum entwickelt derzeit mit verschiedenen Universitäten ein erstes Vorzeigeprojekt für Deutschland über die Zukunft der Autoindustrie. Andere Fragen, mit denen sich Müller beschäftigt, sind Vorhersagen für Pandemien, den Umgang damit und vor allem Fragen des Klimaschutzes: Was passiert, wenn das Nildelta durch den steigenden Meeresspiegel überflutet wird? Welche Folgen hätte das für die etwa 40 Millionen Menschen, die in diesem Risikogebiet leben – aber auch für Europa? Dass solche Szenarien früher eintreffen könnten, als viele glauben, zeigte auch Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Er untersucht die Frage, wann das Eis der Polkappen geschmolzen sein wird. Beobachtungen zeigen, dass mit jeder ausgestoßenen Tonne CO2 drei Quadratmeter Polareis verschwinden. „Wenn diese lineare Entwicklung sich fortsetzt“, so Notz’ düsteres Fazit, „wird das Seeeis in weniger als 20 Jahren verschwunden sein.“

Ein großes Problem im Umgang mit Informationen ist zudem die Sicherheit. Regelmäßig machen Datenlecks und Sicherheitslücken Schlagzeilen – vom jüngsten Facebook-Skandal bis zur gerade gefundenen Schwachstelle in verschlüsselten E-Mails. Die Häufigkeit ist kein Wunder, schließlich hat jede Geschäftssoftware zwischen 100 und 1000 Schwachstellen, sagte Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnik. „Wir haben alle schlecht gearbeitet“, sagte er. Wenn andere Branchen so mit der Sicherheit umgingen, würde niemand mehr eine Brücke betreten oder Flugzeuge besteigen. „Dabei könnten 80 Prozent der Cyberattacken mit den vorhandenen Methoden verhindert werden.“

Viele der heutigen Sicherheitssysteme sind der Arbeit von Shafi Goldwasser zu verdanken. Die US-Informatikerin hat die theoretischen Grundlagen für einen Großteil der gängigen Verschlüsselungssysteme mitentwickelt. Dafür wurde sie auf der Konferenz in die „Hall of Fame of the Digital Age“ aufgenommen. So hat Goldwasser den „Zero-Knowledge-Beweis“ erbracht. Damit kann man jemanden davon überzeugen, dass man ein Geheimnis kennt, ohne es selbst zu offenbaren. Ohne diese Methode würden noch weit mehr Passwörter gestohlen werden können.

„Ich kann damit einer Internetseite wie Amazon beweisen, dass ich mein Passwort kenne, ohne es herauszugeben“, erklärt Goldwasser. Dadurch muss Amazon das Passwort nicht im Klartext und somit lesbar für eventuelle Hacker speichern und kann trotzdem prüfen, dass das eingegebene Schlüsselwort richtig ist. Und auch für komplexe Big-Data-Analysen können die Methoden genutzt werden, ohne dass man sich um die Privatsphäre der Nutzerdaten sorgen müsste. „Damit kann man Daten verarbeiten, ohne sie zu sehen“, sagt Goldwasser.

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