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  • 16.04.2018
  • von Julia Felicitas Allmann

Zurück auf der Karriereleiter: Nicht gerne Chef

von Julia Felicitas Allmann

Hadern mit der Führungsposition. Ist man der Falsche für die Aufgabe, hat auch die Personalabteilung einen Fehler gemacht. Foto: Alexander Heinl/dpa

Personalverantwortung, ständig Meetings, kaum Zeit für die Familie. Wer sich als Führungskraft unwohl fühlt, kann wieder ganz normaler Mitarbeiter werden.

Der klassische Karriereweg führt immer nach oben: Einstiegsjob, Seniorstelle, Führungsrolle. Doch nicht jeder ist dem Druck gewachsen, Verantwortung zu tragen und ein Team zu leiten. Manche merken auch zu spät, dass sie die inhaltliche Arbeit mehr schätzen als Prestige und ein höheres Gehalt. Und andere wünschen sich statt einer 60-Stunden-Woche im Chef-Büro mehr Zeit für die Familie. Doch ist es dann noch möglich, wieder aus der Führungsrolle herauszukommen?

„Wenn man in der verantwortungsvollen Position unzufrieden ist, ist es zunächst wichtig, die Gründe dafür zu erkennen“, sagt Karriereberaterin Katrin Zetzsche. „Fühle ich mich überfordert und könnte das durch Weiterbildungen in den Griff bekommen? Oder wäre es möglich, einige Aufgaben zu delegieren?“ Wenn das nicht der Fall ist und die Unzufriedenheit über einen längeren Zeitraum anhält, hilft nur eine Veränderung der eigenen Rolle – entweder im gleichen Unternehmen oder bei einem neuen Arbeitgeber.

Nicht zu lange zögern

Wer im Unternehmen bleiben möchte, sollte möglichst früh mit dem eigenen Vorgesetzten über den Wunsch nach einem Wechsel reden und die Situation dabei offen darstellen. Katrin Zetzsche empfiehlt zum Beispiel folgende Formulierung: „Ich arbeite unheimlich gern hier, und Sie wissen, was ich kann. Aber in dieser Position bin ich einfach nicht richtig. Können wir gemeinsam eine andere Lösung finden?“

Ein möglicher Weg ist der Wechsel in eine andere Abteilung. Dazu rät Nadine Pfeiffer, Businesscoach aus Köln. „Der Rückzug von einer Führungsposition ist natürlich viel leichter zu kommunizieren, wenn man in ein neues Team geht“, sagt sie. „Dort übernimmt der Mitarbeiter eine andere Rolle und neue Aufgaben – es ist weniger offensichtlich, dass man sich bewusst zurückentwickelt.“

Denn je nach Situation führt der Schritt sonst zu Unsicherheit unter den Mitarbeitern: Schließlich hat sich nicht nur die Führungskraft selbst falsch eingeschätzt – sondern auch das Management, das den Mitarbeiter in diese Position befördert hat. „Wenn die Belegschaft merkt, dass in der Personalabteilung falsche Entscheidungen getroffen werden, kommt das nicht gut an“, sagt Pfeiffer.

Alles andere als eine Überforderung

Ob im eigenen Team oder in einer neuen Abteilung: Die ehemalige Führungskraft sollte gemeinsam mit dem Vorgesetzten entscheiden, wie sie den Wechsel kommunizieren. Wichtig dabei: Nicht mit Überforderung argumentieren! Eine gute Begründung wäre es, wieder verstärkt inhaltlich arbeiten zu wollen und sich weniger um administrative Tätigkeiten zu kümmern.

Auch der Wunsch nach mehr Zeit für das Privatleben taugt als Erklärung. Je nach Lebensphase verschieben sich schließlich die Prioritäten: Nach einigen erfolgreichen Jahren im Job wollen sich viele Menschen stärker um die Familie kümmern, mehr reisen oder sich ehrenamtlich engagieren. Solche Gründe können ehemalige Führungskräfte offen äußern und Verständnis von ihren Mitarbeitern erwarten.

Man kann im eigenen Unternehmen wechseln (siehe Kasten). Oder man versucht einen kompletten Neustart und bewirbt sich bei einem anderen Arbeitgeber. Doch wie hoch sind die Chancen, wenn man sich auf eine Position bewirbt, für die man laut Lebenslauf überqualifiziert ist? „Die Akzeptanz für solche Entscheidungen ist viel höher geworden“, sagt Frank Schabel vom Personaldienstleister Hays. „Klassische Schornsteinkarrieren gibt es gar nicht mehr so oft wie früher.“ Deshalb sei es häufig kein Problem, sich als erfahrene Führungskraft für eine niedrigere Hierarchie-Ebene zu bewerben.

Auch das ist aber eine Frage der Kommunikation. Schabel empfiehlt, den Schritt als bewusste Entscheidung zu präsentieren und plausible Argumente zu nennen – der Wunsch nach stärkerer inhaltlicher Arbeit oder mehr Zeit für die Familie ist auch hier gut geeignet, vielleicht auch ein Studium neben dem Beruf. Und auch wenn erfahrene Führungskräfte nach Jahren oder Jahrzehnten an der Spitze kürzertreten wollen, reagieren Personalverantwortliche oft mit Verständnis.

Selbstbewusst rückwärts gehen

Ob eine Bewerbung Erfolg hat, hängt in den meisten Fällen ohnehin nicht von der früheren Positionsbezeichnung ab – sondern von der eigenen Leistung und Qualifikation. „Wenn man in seinem bisherigen Job eine gute Performance geleistet hat, dann gehen viele Personaler davon aus, dass man in der neuen Position genug Engagement mitbringt“, sagt Frank Schabel. „Auch wenn man selbst bewusst einen Schritt zurückgeht.“ dpa

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