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  • 12.03.2018
  • von Jakob Schlandt

Energiebilanz: Grünstrom-Rekord in Berlin

von Jakob Schlandt

Solaranlage in Berlin: Mehr als 50 Prozent des Stroms kamen 2017 aus erneuerbaren Quellen Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mehr als die Hälfte des Stroms kam 2017 aus erneuerbaren Energiequellen.

Weltrekord in Ostdeutschland und Berlin: So viel Elektrizität aus schwankenden erneuerbaren Energiequellen wie in diesem Stromnetzgebiet gibt es global in keinem anderen großen Leitungsverbund. Zumindest nicht so weit Boris Schucht, der Vorsitzende der Geschäftsführung von 50Hertz, weiß. 50Hertz betreibt das Höchstspannungsnetz und hat seinen Sitz in Berlin. 2017, sagte der Manager am Montag anlässlich der Vorlage der Unternehmensbilanz, sei erstmals über die Hälfte des verbrauchten Stroms im Netzgebiet aus erneuerbaren Energiequellen geflossen.

Mehr als 50 Prozent aus Erneuerbaren

Um genau zu sein: Es waren 53,4 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland insgesamt lag der Anteil bei rund 36 Prozent. Ein Großteil des Grünstroms stammt aus Windkraftwerken, aber auch Solaranlagen haben einen erheblichen Anteil. Weil deren Ertrag je nach Wetter und Jahreszeit schwankt, decken sie immer häufiger sogar den vollständigen Strombedarf. 2017 sei an zusammengerechnet 51 Tagen 100 Prozent des Stroms oder sogar mehr aus diesen Quellen gekommen.

Die Lage im ostdeutschen Netz ist damit – in Ansätzen – ein Blick in die Zukunft. Denn laut dem schwarz-roten Koalitionsvertrag, der am Montag unterzeichnet wurde, soll der Anteil erneuerbarer Energien im Netz schneller steigen als zuletzt noch geplant, und zwar auf 65 Prozent im Jahr 2030. Ist der grüne „Flatterstrom“ ein Problem für den Netzbetreiber, das kaum noch beherrschbar ist? Keineswegs, betont 50Hertz-Chef Schucht. Die Versorgungssicherheit sei gewohnt hoch, die Störungen hätten statistisch in den vergangenen Jahren nicht zugenommen und liegen nun sogar unter dem Schnitt der drei anderen Betreiber von Höchstspannungsnetzen in Deutschland.

Schneller Ausbau der Netze nötig

Allerdings muss der Stromnetzausbau dringend vorankommen, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immer wieder betont. Wie lohnend das ist, hat die Fertigstellung einer großen Stromverbindung von Thüringen nach Bayern gezeigt, die im September 2017 vollständig in Betrieb ging. Innerhalb von zwei Jahren, so die Kalkulation von 50Hertz, würden die Investitionen von rund 320 Millionen Euro wieder hereingespielt, weil teure Ausgleichsmaßnahmen nicht mehr nötig sind. Zum Beispiel das Herunterregeln von Kraftwerken, um die Stromnetze vor Überlastung zu schützen.

Letztlich nützt das den Verbrauchern: 50Hertz und die drei weiteren deutschen Übertragungsnetzbetreiber sind Monopole, die vom Staat beaufsichtigt werden. Denn die Rechnung für den Betrieb der Netze bezahlen die Stromkunden als Teil ihrer Rechnung.

50Hertz-Chef Boris Schucht sagte am Montag: „Wenn wir in Richtung 65 Prozent Erneuerbare denken, werden wir die Netze schneller ausbauen müssen.“ Dafür brauche es vor allem die „Unterstützung aller Landesregierungen“. Im Fokus stehen dabei vor allem die großen Nord-Süd-Trassen, die bis Mitte des kommenden Jahrzehnts fertig sein sollen. Die Fertigstellung von Südostlink, das Strom aus Ostdeutschland nach Bayern liefern soll, ist für 2025 geplant. „Wir sind aus heutiger Sicht im Zeitplan“, sagte Schucht. Doch die größte Hürde stehe noch bevor, wenn 2019 das Planfeststellungsverfahren anlaufe.

Insbesondere vor zahlreichen Klagen sorgt sich 50Hertz. Würden diese im Schnellverfahren gerichtlich bearbeitet, führe dies zu einer Verzögerung von etwa sechs Monaten, die noch verkraftbar sei. Ein längerer Rechtsstreit, der zum Beispiel zwei Jahre dauern könne, sei dagegen nicht in den Plänen vorgesehen.

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