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  • 06.02.2018
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Josef Ackermann: Mr. Victory von der Deutschen Bank wird 70

von Rolf Obertreis

21. Januar 2004 in Düsseldorf: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, scherzt vor Prozessbeginn des Mannesmann-Prozess im Landgericht und macht ein Victory-Zeichen. Dieses Foto wurde zur "Ikone der Kapitalismuskritik". Foto: Oliver Berg/dpa

Kein Banker der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland polarisierte so sehr wie Schweizer Josef "Joe" Ackermann, bis 2012 Chef der Deutschen Bank. Zu seinem 70. Geburtstag blickt er zurück

5,4 Milliarden Euro - von einem solchen Gewinn kann der Vorstand der Deutschen Bank aktuell allenfalls träumen. 5,4 Milliarden Euro - mit diesem Gewinn für das Geschäftsjahr 2011 verabschiedete sich Josef Ackermann im Frühjahr 2012 nach zehn Jahren an der Spitze des größten deutschen Geldhauses und nach 16 Jahren im Vorstand. Am Mittwoch (7. Februar 2018) feiert der Schweizer, der erste ausländische Vorstandschef der Deutschen Bank, seinen 70. Geburtstag.

Er sei mit sich im Reinen, wie er dieser Tage im Gespräch mit der Nachrichten-Agentur dpa bekräftigt. So wie er es im Mai 2012 auf seiner letzten Hauptversammlung getan hatte. Er habe die Bank gut aufgestellt und in der Top-Liga der internationalen Institute an seine beiden - nur drei Jahre später gescheiterten - Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergeben, sagt Ackermann - mit hohen Gewinnen, deutlich verringerten Risiken, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bezahlung der Banker.

2012 lobten die einen „Joe“ Ackermann, im Gespräch immer freundlich und eher zurückhaltend, zum Abschied überschwänglich. Kompetent und verlässlich, urteilte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Andere hielten dem Schweizer vor, die Bank zu unhaltbaren Spekulationen getrieben zu haben. Der verzichtete damals darauf, an die Spitze des Aufsichtsrates der Deutschen Bank zu ziehen, wechselte stattdessen in die Schweiz zur Zurich Insurance Group.

Die Bank sucht bis heute nach alter Stärke

Tatsächlich ist das Geldhaus, gemessen an den Ergebnissen und vor allem den hohen Aufwendungen zur Beilegung von Rechtsfällen und Skandalen seit dem Abgang Ackermanns nicht wieder richtig auf die Beine gekommen. Allein in den vergangenen drei Jahren sind Verluste von mehr als acht Milliarden Euro aufgelaufen. Rechtskosten seien damals nicht absehbar gewesen, sagt der frühere Chef heute, räumt aber auch Fehler ein. Fakt sei aber, dass US-Wettbewerber höhere Rechtskosten hätten verkraften müssen und heute trotzdem wieder prächtig verdienten, kritisiert der Schweizer indirekt seine Nachfolger. Öffentlich will er aber nicht auf seine Vorgänger und Nachfolger zeigen.

Die halten es genauso. Der heutige Vorstandschef John Cryan bemängelt, dass die Bank die Probleme und die Beilegung der Rechtsfälle und Skandale viel zu spät in Angriff genommen habe. Indirekt betont er, dass dies schon in Ackermanns Amtszeit hätte passieren müssen. Marcus Schenck, der heutige Chef der Investmentbank moniert, dass vor und während Finanzkrise Dinge hinter dem Rücken der Kunden geschehen seien, die sicher nicht positiv gewirkt hätten.

Bücher über ihn, niemals von ihm

Ackermann, der 1996 vom damaligen Bank-Chef Hilmar Kopper nach Frankfurt geholt wurde, war im Gegensatz zu seinen Nachfolgern auch in der deutschen Politik gut vernetzt und war in Berlin wichtiger Gesprächspartner, vor allem in der Finanzkrise ab 2007. Ackermann galt als so bedeutsam und einflussreich, dass mehrere Bücher über ihn geschrieben wurden. Er selbst wird aber nicht zur Feder greifen, eine Autobiografie werde er nicht schreiben, hat er immer betont.

Seinen ehemaligen Arbeitgeber betrachtet der aus dem Kanton St. Gallen stammende Ex-Banker heute eher aus der Distanz, hat im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Büro mehr in der Bank. Gleichwohl hat Ackermann, sagt er, noch viele Kontakte in Frankfurt, in die Universität und in das Städel-Museum, wo er sich gemeinsam mit seiner Frau als Förderer engagiert. Beruflich ist der Opernliebhaber, der in Zürich lebt, lediglich noch bei der Bank of Cyprus aktiv. Bei der größten Bank der Insel fungiert er als Chairman, vergleichbar mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates hierzulande.

Was wird bleiben von dem Jubilar? Möge er noch viele Jahre Zeit haben, um sein Bild abzurunden. Das bisher berühmteste Foto zeigt ihn mit den Fingern zur Victory-Pose erhoben in einem Gerichtssaal. Es entstand 2004 in einem Gerichtssaal in Düsseldorf und wurde zur "Ikone der Kapitalismuskritik" wie die "FAZ" bereits 2006 schrieb. Das gilt wohl heute, weitere zwölf Jahre später, um so mehr.

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