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  • 07.12.2017
  • von Reinhart Bünger

Lebensmittel: Deutsche Biotech-Firma fahndet in China nach falschen Cornflakes

von Reinhart Bünger

Damit die Frühstücksflocken als Cornflakes bezeichnet werden können, müssen sie aus Mais hergestellt werden. Foto: imago/UPI Photo

Ein Ableger der Kieler Biotechnologieunternehmen Planton soll in China Lebensmittelbetrug erschweren.

Auf den internationalen Märkten geben chinesische Unternehmen – zum Beispiel im Infrastruktursektor und bei Großprojekten – mittlerweile häufig den Ton an. Die Neue Seidenstraßen-Initiative Chinas ist nur ein Beispiel. Für Mittelständler wird es immer wichtiger, z. B. als Zulieferer oder Sub-Partner, mit chinesischen Unternehmen ins Geschäft zu kommen. Dass man sich als mittelständisches Unternehmen auch im Land selbst engagieren kann, zeigt ein Beispiel aus Kiel.

Die Planton GmbH, eine Biotechnologiefirma, hat sich mit Gründer und Geschäftsführer Michael Kleine an der Spitze auf Analysen spezialisiert. Es geht vor allem um die Lebens- und Futtermittelsicherheit. Saatgut, Roh- und Zusatzstoffe können nach EU-Verfahren im akkreditierten Labor auf Pestizide, Mykotoxine, Allergene und gentechnisch veränderte Organismen geprüft werden. Die Auftraggeber kommen aus der produzierenden Industrie. Die Kieler können auch Tier- und Pflanzenarten identifizieren, sind in der Lage, Fettsäuren, DNA und andere Parameter zu untersuchen und zu bestimmen. Jetzt hat das Unternehmen gemeinsam mit einem kanadischen Unternehmen eine Firmentochter in China installiert. Die „Ning Tong Bioanalytics“ ist im Chi Lin Park beheimatet, das zurzeit größte Stadtentwicklungsprojekt Nanjings. Hier soll Raum zum Wohnen und Arbeiten für rund 500 000 Menschen geschaffen werden.

Sind chinesische Cornflakes wirklich aus Mais?

Der Planton-Ableger soll gentechnische Veränderungen aufspüren und Lebensmittelbetrug erschweren. „Wir können zum Beispiel untersuchen, ob chinesische Cornflakes aus Mais sind oder ein Fake“, sagt Kleine. Inzwischen gibt es in allen Ländern – nicht nur den europäischen – ein hohes Maß an Sensibilität, wenn es um Lebensmittel geht. Doch nicht nur die Abnehmer chinesischer Waren hat Kleine als potenzielle Auftraggeber in den Blick genommen. „Bisher hat in der chinesischen Bevölkerung die Lebensmittelsicherung im Vordergrund gestanden, jetzt ist es die Lebensmittelsicherheit“, sagt der Planton-Mann und denkt dabei an die wachsende Mittelschicht in China.

Mit seinem mutigen Vorstoß einer Firmengründung in einer fremden Kultur steht Kleine auf seinem Betätigungsfeld nicht allein da, hofft allerdings in Nanjing ganz weit vorne zu sein. China ist groß; die internationalen Qualitätskontrolleure haben sich das Reich der Mitte noch nicht aufgeteilt. Mit „Asia Inspection“ gibt es einen asiatischen Anbieter von Qualitätskontrolldiensten, der nach eigenen Angaben seit zehn Jahren am Markt ist und ebenfalls Prüf- und Zertifizierungsdienste anbietet. Auch die Bremer CCIC GmbH bietet Lebensmittelzertifizierungen an und kann nach eigenen Angaben auf Inspektoren- und Auditorenteams zurückgreifen. Michael Kleine nimmt die beiden Unternehmen nicht als Konkurrenz wahr. Beide seien „so eine Art Tüv“ für Exporte nach China.

Oft werden falsche Zertifikate ausgestellt

Weil viele chinesische Waren aber nach Europa exportiert werden, sei es wichtig, dort verankert zu sein. Denn in China werden oft Zertifikate ausgestellt, die nicht der Realität entsprechen. „Im Copy-and paste-System werden schon mal Logos und Firmenköpfe auf Zertifikate kopiert – viele Labore haben nicht den europäischen Standard und werden nicht regelmäßig kontrolliert.“ Die EU fordert bei der Einfuhr sowohl ein europäisches als auch ein chinesisches Zertifikat.

Als Haupthürde empfindet Kleine, der einen chinesischen Mitgesellschafter hat, die fremde Sprache: „Kaum jemand spricht Englisch.“ Und dann ist da die staatliche Bürokratie. Allein zur Eröffnung eines Kontos seien viele Formulare auszufüllen und abzustempeln. Mit der kommunistischen Partei sei man bisher nur bei Vertragsverhandlungen in Berührung gekommen: „Man muss das System schon so mitleben.“ 

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