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  • 23.11.2017
  • von Johanna Palla

Gebäudereinigung: Graffiti einfach wegpusten

von Johanna Palla

Zu bunt. Die geeignete Entfernung von Graffiti hängt vom Untergrund ab. Foto: picture alliance / Britta Peders

Illegales Sprayen ist Sachbeschädigung. Wie Hausbesitzer sich absichern und die Fassade sauber wird.

Berlin, die Graffiti-Hauptstadt Europas. Viele Spray-Künstler aus aller Welt kommen extra hierher, um in der Stadt ihre Werke und ihre sogenannten Tags zu hinterlassen. Doch was für viele eine Kunstform ist, ist für andere lästiger Schmutz auf der Fassade. Was muss man tun, wenn illegal Graffitis an die eigene Hauswand gesprayt wurden? Wen muss man kontaktieren und kommt die Wohngebäudeversicherung für den Schaden auf?

Grundsätzlich gilt: Sofern der Hauseigentümer dem Sprayer keine Erlaubnis gegeben hat, ist das Anbringen von Graffiti als Sachbeschädigung zu bewerten und kann strafrechtlich verfolgt werden. Deswegen ist es für Bewohner umso wichtiger, den Schaden schnellstmöglich der Polizei zu melden und eine Anzeige zu erstatten. Das Graffiti sollte man anschließend fotografieren und Maße nehmen, denn oftmals kann die Polizei schon anhand des Designs den Täter ermitteln. „Die meisten Sprayer haben einen sehr individuellen Stil und können sich daher schon an den Schriftzügen oder ihren Tags erkennen lassen“, sagt Inka-Marie Storm. Sie ist Chefjustiziarin der Berliner Eigentümerschutzgemeinschaft Haus und Grund. Nur wenn ein Täter gestellt werden kann, kann es auch zu einem Strafverfahren kommen, sagt sie. Und: Als Geschädigter hätte man erst dann einen Anspruch auf Schadensersatz. Wie hoch dieser ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, wie teuer das Entfernen des Graffitis ist, sondern zum Beispiel auch, ob es ein Einzeltäter oder eine Gruppe war und ob  Minderjährige beteiligt waren.

Eine Reinigung ist aufwendig - doch man kann vorbeugen

Was die Reinigung kostet, ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Die Summe hängt von der Größe des Graffitis und dem Untergrund ab. Es macht einen Unterschied, ob eine Fassade, ein Zaun oder eine Mauer besprüht wurden oder das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Kann kein Täter ermittelt werden, springt in bestimmten Fällen die Versicherung ein. Allerdings ist ein Schutz gegen Graffiti-Schäden in den meisten Gebäudeversicherungen nicht enthalten. Manche Versicherer bieten Zusatzpolicen an, die je nach Ausgestaltung im Schadensfall zwischen 1000 und 10 000 Euro zahlen.

Wer es soweit erst gar nicht kommen lassen will, kann vorbeugen. So gibt es zum Beispiel ein Spezialwachs, das man als Schutzschicht auftragen kann. Das soll den Halt von Graffiti auf der Oberfläche verringern. Die Farbe soll sich dann problemlos mit heißem Wasser abwaschen lassen. Ein Liter dieser Schutzschicht reicht einem Händler zufolge für acht Quadratmeter aus und ist in Preisklassen von 20 bis 150 Euro erhältlich. Während früher so mancher Hausmeister einfach mal ein Graffiti übermalt hat und es dann doch noch erkennbar war oder die Hauswand wie ein bunter Fleckenteppich aussah, gibt es nun modernere Hilfsmittel. Zum Einsatz kommen unter anderem chemische Reinigungsmittel bis hin zu Hochdruck-Verfahren mit Sand- oder Wasserstrahlen.

Obacht bei der Bausubstanz

Weil das aber oft die Bausubstanz beschädigt hat, hat ein Unternehmen eine Unterdruckstrahltechnik entwickelt. Die soll die Fassade eben nicht schädigen. Die Reinigungsmaschinen, die unter anderem das Unternehmen Pyrexx nutzt, könnten Graffitis auf Klinker, Naturstein, Beton, Kunststoff und vielen anderen Untergründen entfernen. Der Trick des Verfahrens: Mit einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern pustet die Maschine Granulat auf die besprühte Fläche. Bei gröberen Untergründen werden dabei Glassplitter verwendet, bei sanfteren, wie zum Beispiel Marmor, kommen Haselnussschalen zum Einsatz. Die Farbe würde durch diesen Prozess einfach weggepustet und durch den Unterdruck wieder zurück in die Maschine gesogen. Was übrig bleibt, könne man einfach über den Hausmüll entsorgen.

Durch das Unterdruckverfahren blieben sowohl Umwelt als auch Mitarbeiter geschützt, da niemand etwas von der Chemie abbekomme, sagt ein Sprecher. Pyrexx agiert bundesweit und könnte auch bei Schimmel-Entfernung, Brandsanierung und Denkmalpflege zum Einsatz kommen. Für die Entfernung von Graffiti zahlen Kunden ab 45 Euro pro Quadratmeter. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hätten die Maschine schon zur Reinigung von U-Bahnen und Trams im Einsatz.

Den Sprayern geht es um Aufmerksamkeit

Was passiert aber, wenn man viel Geld für eine aufwendige Entfernung an der Hausfassade zahlt und diese am nächsten Tag einfach wieder besprüht wird? „Es geht den Sprayern hauptsächlich um die Aufmerksamkeit. Sie wollen am nächsten Tag damit angeben, was sie am Abend zuvor besprüht haben“, sagt Gerald Schramm, Geschäftsführer des Unternehmens Graffiti Frei in Berlin, das sich ebenfalls auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert hat. Es geht also ums Gesehenwerden – nicht nur von anderen Sprayern, sondern von ganz Berlin. Würden aber ihre Werke wieder und wieder entfernt, würden Sprayer die Lust verlieren, an diesen Flächen weiterzuarbeiten, meint Schramm. Deshalb zahle sich die Entfernung von Graffiti durchaus aus, meint Schramm. Bei ihm können Hauseigentümer einzelne Flächen inzwischen auch versichern lassen. Gegen einen Jahresbeitrag entfernt das Unternehmen die Graffiti dann sofort. In Berlin hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mittlerweile bereits über 1000 Flächen versichert.

Trotzdem bleiben die vielen Graffiti in der Stadt ein Problem. Einige Flächen Berlins sind schon seit Jahrzehnten traditionelle Graffitiwalls, auf denen schon immer gesprüht wird. Deswegen fordert die Berliner Graffiti-Lobby auch, die Stadt solle mehr Flächen ausweisen, auf denen Sprayen legal ist.

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