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  • 07.10.2017

Insolvente Fluggesellschaft: 1400 Beschäftigten der Air Berlin droht Kündigung

Angeblich soll dem gesamten Bodenpersonal bis Ende Oktober gekündigt werden. Foto: imago/Ralph Peters

Der Betriebsrat der insolventen Air Berlin stellt sich auf Massenentlassungen ein. Das geht aus einer Mitarbeiterinformation hervor.

Der Betriebsrat der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stellt sich auf massenhafte Entlassungen ein. Das geht aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord hervor, die der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend vorlag. In dem internen Papier heißt es: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!" Ziel sei es, die nötigen Verhandlungen noch im Oktober "final abzuschließen". Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Ein Sprecher der Fluggesellschaft wollte den Bericht am späten Freitagabend nicht kommentieren.

Der Mitarbeiterinformation zufolge habe die Geschäftsführung Arbeitnehmervertretern am Donnerstag mitgeteilt, dass dem gesamten Bodenpersonal bis Ende Oktober gekündigt werden solle. Wer für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs benötigt werde, erhalte eine Kündigung zu Ende Februar 2018. Die anderen Mitarbeiter würden wahrscheinlich freigestellt. Ein Insider ergänzte, dass die Kündigungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden sollten.

Der Betriebsrat Nord vertritt unter anderem die Mitarbeiter der Verwaltung am Standort Berlin. Nach Angaben von Gewerkschaften sind das in der Hauptstadt etwa 1000 Mitarbeiter. Der Betriebsrat empfiehlt in seinem Schreiben: "Alle Kollegen sollten zur Jobbörse gehen und/oder sich bei den entsprechenden Suchmaschinen (...) anmelden." Die Abwicklung von Air Berlin und der Arbeitsplätze werde "im Schweinsgalopp" umgesetzt.

Air Berlin ist seit Mitte August pleite

Ein Insider ergänzte, dass die Kündigungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden sollten. Wie aus dem Papier hervorgeht, könnte es zur "Einstellung des Flugbetriebs der Air Berlin" kommen. "Das knallt jetzt noch mal", sagte der Insider. Aufrechterhalten werden soll hingegen der Mitarbeiterinfo zufolge der operative Service für die österreichische Tochter Niki, die Regionalflugtochter LGW und Maschinen im sogenannten Wetlease, die die Lufthansa von Air Berlin einschließlich ihrer Besatzung gemietet hat. Lufthansa hat auch ein Kaufangebot für Niki und LGW abgegeben.

Air Berlin ist seit Mitte August pleite. Der Konzern verhandelt noch bis zum 12. Oktober mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet exklusiv über den Kauf von Teilen der Fluggesellschaft. Der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung mangelndes Engagement für die Beschäftigten vor. "Für die Kollegen, welche eine Freistellung erhalten, ist das wie ein Schlag ins Gesicht", heißt es in der Mitteilung. Die Arbeitgeber wollten einen Sozialplan verhandeln und die Gespräche dazu noch im Oktober abschließen.

Bieterfrist für ihre Technik-Sparte um zwei Wochen verlängert

Zuvor hatte Verdi mitgeteilt, man habe zwar mit Air Berlin und deren Techniksparte einen sogenannten Rahmentarifsozialplan ausgehandelt. Damit seien die Voraussetzungen für eine Auffanglösung für die Beschäftigten geschaffen. "Das absurde ist jetzt: Eine Transfergesellschaft ist nun möglich - allerdings fehlt das Geld, weil die Erwerber blockieren", sagte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle.

Sie kritisierte zugleich, dass Air Berlin nicht bereit gewesen sei, die Frage der Finanzierung einer solchen Einrichtung für die Belegschaft mit in die Verhandlungen mit Lufthansa und Easyjet zu nehmen. "Offensichtlich wurden die Verhandlungen durch den Druck der Erwerber an dieser Stelle blockiert. Das ist verantwortungslos." Derweil verlängerte Air Berlin die Bieterfrist für ihre Technik-Sparte um zwei Wochen. Interessenten könnten ihre Offerten noch in der 42. Kalenderwoche vorlegen und damit zwischen dem 16. und 22. Oktober, sagte ein Sprecher. (Reuters, dpa)

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